Lilly Among Clouds, Tollhaus, Karlsruhe, 20.2.2020

Es ist die pure Lebensfreude, die da auf der Bühne herumhüpft wie ein Flummi. Und dabei singt wie eine Göttin., nebenbei auch mal Bass oder Piano spielt oder das Tamburin schwingt: Elisabeth Brüchner alias Lilly Among Clouds verkörpert all das, was intelligente Popmusik auszeichnet, die sowohl dem Herz und dem Hirn, der Tanzwut und der intensiven lautmalerischen Melancholie Futter gibt.

Und dabei steht diese 30jährige Würzburgerin wie ein kindlicher Unschuldsengel auf der Bühne, und man nimmt ihr jedes Wort ab, wenn sie sagt, dass sie ja fast nicht glauben könne, wie viele Leute gekommen sind.

Es sind erfreulicherweise nicht nur die jungen Menschen, die an diesem Abend dem Zauber ihrer Stimme erliegen. Einer kraftvollen Stimme, die meistens in den warmen Alt-Tonlagen ihre volle Wirkung entfaltet, die aber auch mal Höhen erklimmt, ohne je schrill zu werden, selbst dann, wenn die Musik Drama verheisst. Die Anklänge an große ältere Stimmen wie Hazel O‘Connor der Patti Smith im Hintergrund leuchten lässt, aber durch einen Vergleich mit jüngeren Sternen wie Lana Del Rey oder Florence And The Machine sicher nicht beleidigt wäre.

Vorzüglich vorexerziert im stürmischen „Love You Forever“. Da, wo die Stimme affektiert von der Kante kippen könnte, bleibt sie fast schon unterkühlt. Die Hitze besorgt indes die disziplinierte dreiköpfige Band, die groovt wie Hechtsuppe und die selbst in erregenden Momenten mit einem wohldurchdachten Klang-Bewusstsein immer für einen flauschigen Wohlfühl-Sound sorgt. Der auch dann nicht fehl am Platz wirkt, wenn Lilly mit „Underneath The Surface“ die Hilflosigkeit der Helferin angesichts einer depressiven Freundin thematisiert. Da wirkt es auch kein bisschen deplatziert, wenn sie in ihrer Ansage Konfuzius zitiert und und an alle Menschen denkt, die einem Freund bei einer chronischen Krankheit wie der Depression zur Seite stehen. Die Musik dazu ist schon beinahe eine Suite, die sich von verhalten introvertiert-traurig zu einem perkussiven Sturm und wieder zurück ent- und wieder zusammenfaltet, und das alles ohne falsches Pathos.

Der adäquate musikalische Ausdruck einer Gefühls-Achterbahn, so wie überhaupt das ganze Konzert in seiner Dramaturgie auf Kontraste setzt. Da mischen sich Balladen – wie das zerbrechliche, solo am Piano vorgetragene „Surprise“ mit rhythmisch akzentuiertem Stoff. Bei „Listen To Your Mama“, einer lupenreinen Dance-Pop Nummer schafft sie es sogar, über den Schatten ihrer etwas verhuschten Demut zu springen und das Publikum zum Chor „Any any trouble“ aufzufordern. Was vermutlich auch ohne Ansage funktioniert hätte. Und dann ist da noch der eindringliche Call and Response-Gesang in „Look At The Earth“, der die Schönheit der Erde beschwört. Die Stimme kommt gegen Ende de Konzerts erkältungsbedingt an ihre Grenzen, nicht so die Stimmung. Man verlässt den Saal in der Überzeugung, dass es auch da draussen eine bessere Welt geben muss.