Bad Company

Bad Company

The Band. The Music. The Story.

The Official Authorised 40th Anniversary Documentary

Emperor / Universal/ VÖ: 11.4.2014

Paul Rodgers, Simon Kirke, und Mick Ralphs haben wirklich etwas zu sagen: Die drei Überlebenden der Bad Company Originalbesetzung rekapitulieren in diesem ziemlich wortlastigen Film von Jon Brewer die Geschichte der Band, ihr jeweiliges musikalisches Vorleben vor der „schlechten Gesellschaft“ mit Free respektive Mott The Hoople. Rodgers macht als seine Initiation den Moment fest, als er die Rolling Stones ›I Just Want To Make Love To You spielen hörte und merkte, dass es jenseits der Popmusik noch etwas anderes gab: Den Blues. Kirke ordnet folgerichtig Free als „progressive Blues Band ein“ Die Interviews, die es als Bonus – allerdings ohne deutsche Untertitel – auch noch ausführlicher gibt, sind unterhaltsam, faktenreich und warten mit einigen Anekdoten auf. Auch Bassist Boz Burrell, der 2006 Opfer seines ausschweifenden Lebensstils wurde, erfährt eine einfühlsame (und humorvolle) Würdigung. Zoot Money und Jason Bonham singen das Loblied der Band ebenso wie Produzenten-Legende Ron Nevison, Ian Hunter erklärt seine Sicht der Dinge zum Abgang von Mick Ralphs bei Mott The Hoople, und Ralphs und Rodgers schildern anschaulich und detailliert, wie sie als Songschreiberteam funktionierten. Nicht zuletzt das Engagement von Led Zeppelin Manager Peter Grant war es schließlich, das Bad Company Konzerthallen füllen liess, bevor sie überhaupt etwas veröffentlicht hatten. »Wir waren Anfang zwanzig und schon erfahrene Veteranen«, sagt Kirke an einer Stelle, und die Bilder belegen es: Die Menschenmassen, das Feuer der frühen Live-Shows, schließlich der private Flieger mit dem Bad Company-Logo: So kamen Led Zeppelin, die – so Rogders – „größer als Gott“ waren – recht nahe. Der langsame Abstieg wird ebenso offen und ausführlich behandelt: Das kreative Loch, das halbgare Alben hervorbrachte, und schließlich zum Ausstieg von Paul Rodgers führte. Simon Kirke gibt offen und ausführlich über seinen Kampf mit Alkohol und Drogen Auskunft. Schließlich widmet sich die Dokumentation der triumphalen Rückkehr von Bad Company als tourende Band am Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhundert. Ob es noch einmal neues Material von Rodgers, Ralphs und Kirke geben wird? Die Frage lässt der Film unbeantwortet. Vollkommen aussen vor bleibt auch die Bad Company Phase mit den Sängern Brian Howe und Robert Hart. Dafür gibt es Einblicke in ein Unplugged-Konzert der drei Überlebende im Hardrock Cafe, eine kleine Fragerunde aus der Gästeschaft (für Fans sicher interessant aber nicht essenziell), eine verzichtbare Rundfahrt mit den Bandmitgliedern auf dem Woodstock-Festival-Gelände plus eine Fotogalerie mit imposanten Live-Eindrücken. Davon hätte man allerdings gern etwas mehr in bewegten Bildern gesehen.

7/10

BAP

BAP

Die Rockpalast DVDs – 28.8.1982 Loreley,15.3.1986 Grugahalle,18.11.1996 Koblenz

EMI / VÖ: 19.12.2008

»Auf alles, was wir veröffentlicht haben, waren wir ganz schön stolz. Ich bin auch stolz, dass wir ’ne typische Rockpalast Band sind. Das war unsere Art von Fernsehen“, sagt Wolfgang Niedecken. Für die Veröffentlichung der Rockpalast Historie der Kölner Band (insgesamt sieben Konzerte gab es) hat sich Niedecken weitgehend im Hintergrund gehalten. Nach der Arbeit am retrospektiven Drei mal zehn Jahre Album seifür ihn das Thema Vergangenheit fürs erste erledigt. »Ich hab’nur gesagt, ich will das unbeschönigt haben. Es wurden keine Fehler rausgefummelt, so ist beispielsweise mein legendärer Blackout mit drauf«. Aus gerechnet in der zweiten Strophe von ›Do kanns zaubre‹ verliert er plötzlich den Faden. Fast 23 Jahre später ist der Moment immer noch 1:1 auf DVD nachzuerleben. Herrlich. Genauso wie die kölsche Version von ›Money For Nothing‹. Die DVD vom letzten Rockpalastfestival in der Essener Grugahalle am 15. März 1986 (****) zeigt BAP in einer kritischen Phase, der Ahl Männer aalglatt Tour. Kaum wittern die Herren Bühnenluft, ist von Krise keine Rede mehr. Ein kompakter Set, bei dem Major Heuser zudem ebensolche Gitarrensoli liefert. Man fragt sich rückblickend, wozu man mit Christian Schneider bei dieser Tour einen zweiten Keyboarder brauchte.

Sowas hätte es am 28.8.1982 auf der Loreley noch nicht gegeben: Eine wild gewordene Chaoten-Band, der ein Profigitarrist gerade beizubringen versucht, wie eine Profiband zu klingen hat. Von ihrem plötzlichen Erfolg überrumpelt, atemlos und engagiert im besten Sinne. Niedecken kämpft mit der neuen Erfahrung, ab und zu hochdeutsch reden zu müssen, und steigert dadurch den Charme der Performance noch. Ein Fest für Fans der ersten Stunde (8/10 für die, für alle anderen 6/10). Der Bonus – ein Interview direkt nach dem Konzert, ist eine gelungene Momentaufnahme des Gefühlskosmos der Band.

Die DVD Koblenz 18.11.1996 enthält das Tourauftaktkonzert der Amerika Tour, die den weiten Frühling der Ära BAP mit Major markiert. Zehn Jahre nach der Grugahalle ist der Charme der frühen Jahre endgültig verflogen, dafür spielen hier routinierte Profis, die es aber umso mehr schaffen, gerade die alten Songs in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Die damals aktuellen gehören sowieso zu den besten des bis dahin entstandenen BAP Repertoires. Die DVD dokumentiert, dass sich hier eine Band auf den Weg gemacht hat, in Sachen Energie Springsteens E Street Band Konkurrenz zu machen. (9/10). Folgen werden noch im Frühjahr Hamburg Markthalle 1981, Das Konzert an der Toten Brücke 2001 , Tonfilm Tour Musical Dome Köln 1999 und Drei mal Zehn Jahre 2006. Und wie steht es mit der laufenden Tour? »Es ist nichts geplant, aber es besteht wirklich ein ganz kleiner Dienstweg zu (Regisseur) Christian Wagner«, sagt Niedecken.

Beck, Jeff

Beck, Jeff

Live In Tokyo

eagle vision/ VÖ: 14.11.2014

»Ich mag das Publikum hier. Sie hören zu«, sagt Jeff Beck. Sie hören ihm gerne zu, seit er 1973 mit dem Power-Trio Beck Bogart & Appice das erste Mal Japan betourte. Was das am 9. April 2014 im Tokyo Dome gefilmte Konzert zeigt, ist seine aktuelle Bandbesetzung, die sich mit traumwandlerischer Sicherheit durch eine halbes Dutzend musikalische Genres arbeitet und ihnen dabei ihren ganz individuellen Ausdruck verleiht. »Da kommt Punk mit Fusion im Mahavishnu-Stil zusammen, Rock, Wüstenblues, Street Rap, Django Reinhardt und Heavy Metal. Wenn man es nicht live gesehen hat, würde man nicht glauben, dass es die gleiche Band ist« wird der mittlerweile 70jährige Beck in den Liner-Notes der DVD zitiert. Er übertreibt nicht. Die, bestehend aus Jonathan Joseph (Schlagzeug), Rhonda Smith (Bass) und Nicolas Meier (Gitarre) spielt mit der sensiblen Aufmerksamkeit kreativer Jazzer ebenso stilsicher wie mit der Schlagkraft einer sehr lauten Rockband. Loaded als Einstieg setzt die Duftmarke: Ein monolithischer Block, wenn nicht furchteinflößend, so doch respektgebietend. Im Auge des Orkans dirigiert der Meister selbst mit stoischem Blick und federndem Gang die Vulkanausbrüche. Die sehr unterchschiedlicher Art sein können: Little Wing bringt die Hendrix-Vorlage auf eine neue ästhetische Ebene, ist Verbeugung und eigenwillige Interpretation gleichermassen. Becks Fähigkeit, jeden Ton bis zum letzten Tröpfchen auszuwringen, darf nicht nur hier bewundert werden. Sein Gitarrenspiel wirkt wie ein Panther auf dem Sprung, schleicht sich aus dem Hintergrund an um dann aus der Hüfte eine volle Breitseite zu feuern. Dabei agiert er als Gleicher unter Gleichen, mit seinen Musikern immer auf Augen- (bzw. Ohrenhöhe). Die Band folgt ihm ebenso aufmerksam wie inspiriert. Man achte darauf, wie sich die Rythmusabteilung selbstbewusst und dabei immer lächelnd freispielt. Entfesselter Dezibelsturn und filigrane Feinmotorik greifen lässig ineinander. Auch der zweite Mann an der Gitarre, der gebürtige Schweizer Nicolas Meier, ist in vielfacher Hinsicht ein Gewinn. Zum einen dient er Beck als Flugzeugträger für Starts und Landungen, zum anderen darf er seinen stilistischen Background ausspielen. Balkan, orientalisches, Klassik. Yemin beginnt mit einem „Weltmusik à la Meier-Intro“ und reitet danach mit stolz und laut durch die Wüste. Ein Höhepunkt der Setlist ist nach wie vor der pumpende, stampfende und rollende Monster-Groove von Billy Cobhams ›Stratus‹, aus dem sich offenbar immer noch neue Nuancen herauskitzeln lassen. Die Bonusfeatures sind zum einen Kommentare der Band zu einzelnen Stücken, interessant für detailversessene Fans und Musiker. Das Kapitel „Band on Band“ ist zum anderen genau das, was man erwarten kann: Die Beteiligten loben sich gegenseitig über den grünen Klee. Vorhersehbar, verzichtbar, aber nachvollziehbar und sehr sympathisch.

9/10

Blues Caravan 2019

Blues Caravan 2019

Katrina Pejak, Ina Forsman, Ally Venable

Ruf Records / VÖ: 20.9.2019

DVD/CD

Live aufgenommen im schnuckeligen Koblenzer Café Hahn am 15. Februar dieses Jahres, bietet dieses CD/DVD Päckchen drei ganz unterschiedliche Auffassungen von modernem Blues. Den Anfang der 14 Songs auf CD (auf der DVD gibt es die komplette Show mit 22 Songs) macht die Sängerin und Pianistin Katarina Pejak. »Katarina ist ein neuer Punkt auf der Linie, die Norah Jones und Bonnie Raitt verbindet« hat der serbische Kritiker Zikica Simic über sie geschrieben, und damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Pejak, geboren in Belgrad, mit Wohnsitz Nashville verfügt über eine bemerkenswert warme, sanfte Stimme, die auch in Leidensmomenten eher einen mysteriös lauernden Unterton als schmerzzerfurchtes Geschrei als Stilmittel einsetzt. Ally Venable liefert den heftigsten Set des Abends ab. Mit krachender Gitarre, aus der sie schwere Akkordbrocken wringt, die sich meist in altbekannten Blues-Rock-Manierismen ergiessen. Darüber ihre sirenenhafte Rotzgören-Stimme, der ein wenig Reifung sicher gut zu Gesicht stehen würde. Was der Dame an Originalität fehlt, macht sie durch höchst engagiertes Solospiel und unbändige Energie wett. Faszinierend ist die Flexibilität der Rhythmusabteilung (Roger Inniss am Bass und Elijah Owings am Schlagzeug), die sich den Bedürfnissen der jeweiligen Frontfrau maßgeschneidert anpassen. Ina Forsman ist in dem Trio sicher die exaltierteste Sängerin, und setzt sich kaum stilistische Grenzen. Was auch bei der Stimme ein Eigentor wäre, denn mit diesem Organ kann die alle Winkel des Blues-Genres und noch ein paar umliegende Räume erkunden. Es groovt und swingt so inniglich, dass man die Bläser, die auf ihrem aktuellen Album zu hören sind, kaum vermisst. Musikalisch läuft alles mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit ab, selbst wenn es emotional ans Eingemachte geht – und auf der DVD darf man dabei zudem sehen, wie die Finnin ihre Songs nicht einfach nur singt, sondern tatsächlich schauspielert.

7/10

Bruce, Jack

Bruce, Jack

The 50th Birthday Concerts

2 DVDs/Bonus CD

MIG/ VÖ: 8.1.2016

»Wenn Du als Künstler so viel kannst, willst Du alles machen, und du machst es auch« sagt Pete Brown in einem Interview auf der Bonus-CD dieser repräsentativen Box. Brown, der Texter legendärer Cream-Songs wie „White Room“ liefert damit die Überschrift für das, was der Bassist, Sänger und Komponist bei zwei Konzerten am 2. und 3. November 1993 aus Anlass seines 50. Geburtstags im Kölner E-Werk auf die Bühne brachte. Zu den illustren Gästen dieser Geburtstagsparty gehörten unter anderem die Schlagzeuger Ginger Baker und Simon Phillips, die Gitarristen Clem Clempson und Gary Mooore, Saxofonist Dick Heckstall-Smith und die Stimmen Maggie Reilly und Pete Brown. Bruce kannte auch an diesen beiden Abenden keine Scheuklappen, keine Selbstbeschränkung. Nirgends gibt es eine Spur von „auf Nummer Sicher gehen“. Er spielt sich durch sein gesamtes Werke, nimmt den Avantgardisten am Klavier genauso mit wie den bodenständigen Blueser, den ekstatischen Fusion-Jazzer und den Rock-Erneuerer. Da ist Raum für intime Momente – Jack Bruce alleine am Piano – ebenso wie für kraftvolle Massenaufläufe mit kompletter Band. Da gib es eine nie gehörte Version von ›White Room‹ mit sattem Bläsersatz, und sogar Ginger Baker und Simon Phillips harmonieren an den zwei Drumsets. Das Konzert vermittelt den Eindruck einer nur grob geprobten Jam-Session mit lauter guten Freunden. Man hört den Kompositionen in diesem Kontext besonders deutlich an, wieviel Raum in ihnen schon angelegt ist für die eigenen Interpretationen der beteilgten Musiker. Selbstredend stehen die bekanntesten Cream-Hits am Ende dieser insgesamt fast vier Stunden Musik, manche davon gleich zweimal. Auch das ist mutig: Einmal mit Clem Clempson an der Gitarre, einmal mit Gary Moore. Letzterer schraubt das Energielevel mit einem Schlag deutlich in die Höhe und gibt einen Vorgeschmack auf den Sound, den das kurzlebige Powertrio Bruce Baker Moore auf seinem im folgenden Jahr (1994) veröffentlichten einzigen Albums verewigen sollte. Die Dokumentation auf der Bonus-DVD würdigt Jack Bruce in Musik und den Worten seiner Weggefährten als einen freien Geist, als Grenzgänger zwischen Rock, Jazz und Avantgarde.

8/10

Deep Purple

Deep Purple

Live In Verona

eagle vision/ VÖ: 29.1.2016

Abzocke? Fragt der Deep-Purple-Sammler, der sein Regal schon wieder erweitern muss. Zudem noch eine, die die exakt identische Setlist enthält wie Live At Montreux 2011, zwei Tage vor Verona am 16. Juli 2012 aufgenommen. Natürlich ist es nicht das selbe. Hier spielt schließlich Deep Purple, keine Musikbox. Mit Verona bekommt der Fan das bessere Konzert vor der imposanten Kulisse des römischen Amphitheaters, in dem eint Gladiatoren kämpften. Allerdings gibt es diesmal keine Bonus Features. Dafür einige Kameraperspektiven, die die Interaktion der Musiker besonders eindringlich in Szene setzen. Und genauer konnte man die hochkonzentrierte Schwerstarbeit des unglaublichen Ian Paice kaum je beobachten. »What a wonderful place« sagt Ian Gillan nach einem furiosen Woman From Tokyo. Mit dem die Band gerade mal den Beweis erbracht hat, dass auch die eher mäßigen Kompositionen in engagierter Generalüberholung Funken sprühen können. Bis dahin hat sich der Sänger tapfer durchs Repertoire geschlagen, einzig bei Hard Lovin’ Manmusste er sich in Schreie in undefinierbarer Tonart flüchten. Der Abend ist sein Abend, man spürt und sieht es: Gut gelaunt (man achte auf den Gong-Estz bei Hard Lovin Man und sein Jonigkuchenpferd-gesicht dabei) holt er aus den Songs alles, was emotional möglich ist. Vielleicht ist ihm in Verona eine der besten Interpretationen von ›When A Blind Man Criesgelungen: da lotet er den ganzen Weltchmerz des Textes bis in den hintersten Winkel aus. Dass die Performane der Band perfekt, aber nicht routiniert ist, geschenkt. Stattdessen soll das Lob der Frankfurter Neuen Philharmonie gesungen werden Dampf mit allem Druck, den die Physis zuläßt, in grandiosem Rock’n’Roll‹, so beschreibt das Orchester auf seiner Homepage die Einsätze an der Dezibel-Front. Wohl wahr. Die 38 Musiker spielen mit der Band, nicht gegen sie und auch nicht nebenher. Mal wie ein unterschwelliger Sturm im Hintergrund, mal akzentuiert und scharfkantig. Insbesondere Knockin At Your Backdoor‹ wird so zum reinen Vergnügen, wenn die Damen im “kleinen Schwarzen” mit glühenden Geigenbögen die Dramatik hochziehen, während Gillan vor ihnen feixend die Freuden des Analsex besingt.

10/10

ELO

ELO

Live in Hyde Park

eagle vision/ VÖ: 14.9.2015

28 Jahre waren seit dem letzten ELO-Auftritt vergangen, als Jeff Lynne im September 2014 das Flaggschiff des pompös arrangierten Edelpop mit vorsichtig dosierten Rock-Applikationen noch einmal für ein Konzert im Hyde Park reanimierte. Die 50.000 Tickets für die Show sollen in Minuten ausverkauft gewesen sein. Jeff Lynne’s Electric Light Orchestra, dem neben dem Chef als einziges weiteres Originalmitglied Keyboarder Richard Tandy angehört, liefert zusammen mit der Band von Take That (inklusive It Bites- und Steve-Hackett-Tourbassist Lee Pomeroy) und dem BBC Concert Orchestra die Show ab, die die Fans erwarten: Perfekt inszenierte, notengetreue Wiedergabe der Vorlagen – allesamt Hits – von Evil Woman bis Telephone Line‹. ›Do Ya‹, der einzige wirkliche Rocker der Band, fehlt in der Setlist. Ansonsten ist alles da: Lynnes Stimme – die nichts an Volumen verloren hat, die fetten Streicherarrangements, eine ansprechende aber nicht überzogene Licht-Optik, die Geigerin im Mini-Kostüm und die Gewissheit, dass es fast keine Überraschungen geben wird. Immerhin hat sich mit Handle With Careein Traveling Wilburys- Song ins Set geschlichen, den Lynne den George Harrison und Roy Orbison widmet. Es ist ein Abend familienfreundlicher Abendunterhaltung. Wie ein gelungener Hollywood-Film, der 90 Minuten lang Laune macht. Bis man sich wieder den wirklich wichtigen Dingen zuwendet. Obendrein bietet die DVD die BBC-Dokumentation Mr. Blue Sky, die den Meister als einen eher schüchternen, zurückhaltenden Tüftler zeigt, der sich seinen Erfolg nicht so recht erklären kann. Das tun dafür andere: Tom Petty nennt als Lynnes wichtigste Einflüsse Del Shannon, Roy Orbison und die Beatles und hat damit vermutlich recht. Joe Walsh attestiert ihm: »Er hört das fertige Produkt, bevor es aufgenommen ist«, und Paul McCartney vergleicht ELO mit Sgt. Pepper. Monty Python-Veteran Eric Idle allerdings findet es schade, dass Lynne seine erste Band Idle Race verlassen hat: »Das wäre ein viel besserer Name für eine Band gewesen.« Weiters Bonusmaterial ist ein aktuelles Interview. Untertitel in Deutsch, Spanisch und Französisch sind anwählbar.

6/10

 

Ferry, Bryan

Ferry, Bryan

Nuits de Fourvière – Live in Lyon (CD/Blue Ray)

Eagle Rock / 20.9.2013

Der Rockkritiker Lester Bangs hat vor Jahrzehnten über eine Begegnung mit Bryan Ferry gesagt: »Der Mann war so gleichgültig. Er stand da im weißen Smoking mit einer Zigarette in der Hand und sagte nicht ein Wort. Man hätte ihn in eine Ecke schieben, ihm einen Martini in die Hand drücken und ihn völlig vergessen sollen. Wie alle diese auf Effekte eingestellten Bands ist auch Roxy Music mehr darauf aus, sich in immer anderer Kleidung zu zeigen und anzukommen, als sich mit der echten Rock’nRoll Musik auseinanderzusetzen.« Dafür tut Ferry bis heute so, als habe er irgendwas mit Rock-Musik zu am Hut, wie die vorliegende DVD beweist. Er bietet seinen Fans eine geschickt zusammengestellte Karriere-Werkschau von Roxy Music bis zum bislang letzten Solo-Output Olympia, und leistet sich eine kompetente Band, in der besonders der junge Gitarrist Oliver Thompson positiv auffält, der mit seinen Soli den Alibi-Rock’n’Roll für Ferrys aufwendig inszenierte Cocktail-Party gegen darf, die aussieht wie ein Silvesterball auf einem Kreuzfahrtschiff. Da gibt es Background Sängerinnen, die ein wenig Pep in des Meisters gelangweilten Gesang bringen, da gibt es zwei Drummer, was zur Musik absolut nichts beiträgt. Der Zeremonienmeister regiert lässig desinteressiert im Anzug eine überinstrumentierte Soundsuppe, um ihn herum allweil Tänzerinnen, die sich irgendwie lasziv räkeln, während musikalisch selbst eine Nummer wie das ursprünglich mal knackige ›Love Is The Drug‹ zu einem saft-und kraftlosen Bar-Schlenderer eingeebnet wird, als wolle er es schnell hinter sich bringen. Von der seifigen Belanglosigkeit, mit der er Fremdes wie Neil Youngs ›Like A Hurricane‹ zugrunde richtet, mal abgesehen. Die CD und eine Dokumentation der Entstehung des Albums Olympia runden das Paket ab, dazu gibt es ein feines 80-seitiges Booklet, das die Geschichte von Ferrys Soloalben nachzeichnet und die Musiker der DVD vorstellt. Für Fans sicher ein hochklassiges Angebot.

2/10

 

Gabriel, Peter

Gabriel, Peter

Play – The Videos

eagle vision / VÖ: 18.5.2015

Diese DVD wurde ursprünglich bereits 2004 veröffentlicht. Da die Wiederveröffentlichung keine Neuerungen oder Erweiterungen bietet, können Besitzer der Erstauflage getrost verzichten. Den anderen sei gesagt: Wer die visuell anspruchsvolle, ideenreiche Umsetzung von Musik in Bilder goutiert, dem kann man diese Compilation der Hits von 1977 bis 2002 nur empfehlen. Seinerzeit mit den aktuellsten technischen Möglichkeiten auch klanglich auf den bestmöglichen Stand gebracht, sind diese Filme auch ein akustischer Genuss. Interessant und auch durchaus lohnend, noch einmal retrospektiv nachzuschauen, wie breit das Spektrum der Ideen ist: Vom technischen Overkill der flirrenden Bilderflut von Sledgehammer bis zu dem faszinierend ruhigen Bild zweier Menschen, die sich in Dont Give UpMut machen. Von der mit britischem Humor sehr amerikanisch inszenierten Barry Williams Showbis zu Red Rain, bei dem der Film parallel zu den Bildern im Kopf läuft. Zumindest denen im Kopf des Rezensenten.

8/10

 

Hendrix, Jimi (Tribute-Konzert)

Hendrix, Jimi (Tribute-Konzert)

The Jimi Hendrix Tribute Concert-Live at Rockpalast

2 CD/DVD

MiG / Indigo / VÖ: 29.11.2019

Wer sonst hätte die Idee zu dem Konzert haben können als Peter Bursch: der konnte Rockpalast-Vater Peter Rüchel und Regisseur Christian Wagner schnell von der Idee dieses Tribute-Konzerts überzeugen. Am 25. April 1991 versammelte sich schließlich eine internationale Musiker-Riege auf der Bühne des Kölner E-Werks, um unter der musikalischen Leitung von Uli Jon Roth Hendrix Tribut zu zollen. Dabei waren u.a. Jack Bruce, Randy Hansen, Jule Neigel, John Wetton und Simon Phillips. Interessant ist schon die Dramaturgie des Abends. Da steht oft Gehörtes neben eher selten gespielten Stücken – und fordert damit die ständige Aufmerksamkeit der Zuhörer – damals vor Ort und heute vorm TV-Gerät. Erwartungsgemäß sind die nachgeborenen Gitarrenhelden keine Hendrix-Neuerfinder, sondern bleiben nah am Original. Bei den Stücken, bei denen Randy Hansen, Uli Jon und Zeno Roth zusammen agieren, zeigt sich nicht nur der Respekt vor Hendrix, sondern auch ein Zusammenspiel, das frei von jedem Konkurrenzdenken ist. Schön auch zu hören, dass das Repertoire offensichtlich nicht bis ins letzte Detail geprobt wurde, was Raum für Improvisationen lässt. Dabei gibt es ducrhauss Licht und Schatten: da ist die elektrisierende Version von All Along The Watchtower, die – man glaubt es kaum – dem fast zu Tode genudelten Stück funkensprühende Brisanz verleiht. Gleich danach führt House Burning Down vor, dass Begeiosterung auch ihre Schattenseiten hat. Insbesondere Sänger Michael Flexig tut das, was man bei Schauspielern »overacting« nennte, und das tut fast weh. Die wechselnde Besetzung am Mikro dürfte die Geister bis heute spalten: Puristen, die eher auf Imitation denn auf Interpretation stehen, wurden mit Randy Hansen, dessen damaliges Trio den Set eröffnete, bestens bedient. Die Riege der übrigen Sänger sorgte für teils eigenwillige Interpretationen. Wobei insbesondere die Idee, etwa ›Little Wing‹ von einer Frau – Jule Neigel – singen zu lassen, durchas bestechend ist und der hippiesken Grundieeung des Abends ein Glamour-Kränchen aufsetzt. Der große Chor in ›Angel‹ schließlich unterstreicht das, was Uli Jon Roth im Bonus-Interview erklärt: Das Bemühen, der Hendrix-Musik einen orchestralen Anstrich zu geben. Laut Roth genau das, was Hendrix sich für die Zukunft vorgenommen hatte.

7/10