BAP – Wolfgang Niedecken Interview (2005)

BAP – Wolfgang Niedecken Interview (2005)

“Dreimal zehn Jahre” – Die Präsentation

Vorbemerkung: Das ist fast der Wortlaut des Interviews, geführt am Tag der Präsentation von „Dreimal zehn Jahre“ in Köln, im Clubraum Ost, am 16.11.2005. Ich war extra zu dieser Presseveranstaltung angereist, bei der auch reichlich Gelegenheit für erhellende und ausführliche Einzelinterviews war. Damit wir ehrlich bleiben: „Fast“ deshalb, weil meine Fragen nicht druckreif formuliert waren und deshalb nachbearbeitet wurden. Der innere Sinnzusammenhang wurde dadurch nicht verfälscht. Die gelegentliche „kölsche Satzstellung“ bei Wolfgangs Antworten wurde dem Hochdeutschen behutsam angepasst. Die Reihenfolge der Fragen und Antworten wurde an mehreren Stellen verschoben, um dem Ganzen einen besseren thematischen Fluss zu geben. Zwei, drei „Spezialistenfragen“, die mich, aber nicht Euch interessieren, habe ich weggelassen. Das Interview wurde verwertet in Artikeln der Badischen Neuesten Nachrichten, Karlsruhe und Melodie & Rhythmus, Berlin.

Die Idee des Albums war, die Bandgeschichte chronologisch mit den repräsentativen Songs abzubilden, und dabei so zu tun, als seien die Songs gerade in der aktuellen Besetzung entstanden. Vieles klingt ungewohnt, ohne die typischen BAP-Trademarks aufzugeben. So kommt „Anna“ kommt gänzlich ohne Reggae-Grooves aus, „Fortsetzung folgt“ ist härter und schneller, „Kristallnaach“ ist dynamischer, gitarrenlastiger geworden. Der Sound ist durchgehend direkter, roher. Näher an dem, wie BAP schon auf der SONX-Tour klang. Respekt vor den Klassikern und gleichzeitig Aufbruch ins nächste Jahrzehnt. Das steht als ungeschriebenes Gesetz über dem ganzen Projekt. Wolfgang Niedecken wirkt am Erscheinungstag des Albums wie jemand, der sich nicht mehr fragen muss „ob ich jetzt’ do bin, wo ich hinjewollt han“. Da sitzt jemand, der genau weiß, wie er mit seinem bisherigen Lebenswerk umzugehen hat:

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BAP (2008) Interview Wolfgang Niedecken

BAP (2008) Interview Wolfgang Niedecken

Radio Pandora. Doppelt hält besser.

Notiz: 2008 veröffentlichten BAP das Album Radio Pandora, in einer Plugged- und einer Unplugged-Version. Allein für die Idee, Jack Kerouacs über fünfzig Jahre altem Urknall aller Roadmovie-Literatur „On the Road“ ein musikalisches Denkmal zu setzten, war eine großartige Idee. Dieses Bebop-geschwängerte Buch mit einer Rocknummer zu würdigen, war ein Hinweis darauf, wie viel Stimmungen diese beiden Alben einfangen. Der Texter Niedecken setzte auf die mal stürmische, mal melancholische Musik, die zum Großteil von seinen Kollegen Helmut Krumminga und Micheal Nass geliefert wurde, mit der Grundhaltung eines skeptischen Optimisten seine Themen „Glaube, Hoffung, Liebe“ ins Werk, wie schon auf dem „Sonx“ Album 2004, aber mit deutlich mehr Zwischentönen, aber ohne überladene Arrangements. Auf dem Unplugged-Album sowieso, denn es wurde fast ohne Overdubs live eingespielt. Bei den Aufnahmen dafür war ich zwei Tage lang “live” im Studio dabei. Das gespräch mit Wolfgang Niedecken führte ich am 6.5.2008 in Köln, zwischen dem Ende der Seesions  und der Veröffentlichung mit einem Präsentationskonzert  im Essener Programmkino “Lichtburg”. Die Live-Fotos habe ich bei diesem Konzert gemacht. Here we go…..

Das erste was mir auffiel und was mich gefreut hat, war „Wat für e Booch“ – der Rock’n’Roll-Song zu einem Buch, in dem Jazz eine große Rolle spielt.

Als ich das das erste Mal gelesen habe, hab ich den Schriftsteller gar nicht einordnen können. Das war einfach nur ein Buch, von dem ich wusste, da geht’s ab… das war mir empfohlen worden, und zwar im Zusammenhang mit Dylan, damals hat man mir erzählt, dass ein anderes Buch von Kerouac für Bob Dylan sehr wichtig gewesen ist: Dylan ist damals mit „The Subterraneans“ überall rumgerannt. Der deutsche Titel ist ’ne Katastrophe: „Bebop Bars und weißes Pulver“ – warum kann man das nicht einfach „Die Unterirdischen“ nennen? Das hat bei Dylan dann zum „Subterranean Homesick Blues“ geführt… Na ja, Kerouac war das Kultbuch, das musste man lesen. Mir war aber damals nicht bewusst bei dieser Beat Generation, Ginsberg, William Borroughs, dass sich später mal Kontakt mit einem der Jungs haben würde, nämlich mit dem Maler Larry Rivers. Mehr ansehen

BAP: Wolfgang Niedecken über das “Sonx”-Album (2004)

BAP: Wolfgang Niedecken über das “Sonx”-Album (2004)

Mit kleinerer Besetzung abrocken

NOTIZ: Das Gespräch mit Wolfgang Niedecken habe ich am 1.3.2004, dem Release-Tag der Veröffentlichung des Sonx-Albums im Travelling Tunes Büro in Köln geführt.

Heute ist der Tag der Wahrheit oder so ähnlich. Bist Du wirklich aufgeregt?

In der Tat, ja. Nach all dem was passiert ist. Wir spielten die letzte Tour zu Ende, nach dem „Överall“-Album und der DvD. Wobei man ja auch merken konnte, dass wir mehr denn je rocken und es auch in die Richtung weitergehen würde, und dann passieren halt diese Geschichten, was das Management betrifft. Eine wirklich harte Prüfung, bei der man auch zusammenzustehen hat. Da auf einmal entpuppt sich der Musiker Streifling als Mucker Streifling, und wechselt mir nix dir nix einfach zu einer Band, über die wir nur gelacht haben, über die wir nur Witze gerissen haben, die wir noch gemeinsam belächelt haben.

Es sind aber ja die Stücke von Jens auf dem Album drauf.

Natürlich, wir haben ja auch viel gearbeitet an dem Material. Jens war für mich derjenige, mit dem ich den kleinsten Dienstweg hatte. Wenn ich eine Idee hatte, hab’ ich in der Regel den Jens angerufen: „Hör mal, ich hab’ da was, das müssten wir mal aufnehmen, mal kucken ob wir was draus machen können. Und umgekehrt: „Ich hab’ was Neues, kommst Du mal vorbei“. Das war noch ’ne Woche vorher, wirklich ’ne Woche vorher. Da hätte ich nicht im Traum dran gedacht. Ausgerechnet der. Ich habe ihn aus einer völlig unbekannten Band zu den Leoparden geholt, und von den Leoparden zu BAP. Ich muss auch sagen: er hat bei BAP viel verändert durch seinen Enthusiasmus. Aber dass gerade so ein Enthusiast sich jetzt tatsächlich bei so’ner Karnevalstruppe zum Affen macht, das widerspricht einfach meinem Ehrgefühl.

SONX ist für mein Gefühl, die erste BAP-Platte, die so klingt, wie es klingen muss….

… das geben wir an den Werner weiter….

Aber gab es in der Produktion auch mal eine Phase, in der man sich fragte: Haben wir wirklich genug Distanz zu dem, was wir da tun, brauchen wir vielleicht mal jemanden ‚von außen’, der drüberhört?

Überhaupt nicht. Wir sind ja durch einen dieser schönen Zufälle dazu gekommen. Wir haben vor dem November 2002 für dieses Album „10 Jahre Arsch huh’“ fünf Stücke mit BAP-Beteiligung eingespielt, und das haben wir – weil es kurzfristig war – in einem Studio getan, das wir lange nicht mehr besucht hatten. Mit einem Toningenieur, den wir nicht kannten, Werner hatte da die Regie. Das hat so fantastisch geklappt, das war so ein schönes Arbeiten, dass wir uns damals schon drüber klar waren: Das nächste Album nehmen wir genau in der Konstellation auf. Wenn man dieses „Arsch huh“ Album anhört – das war richtungsweisend. Das haben wir keine Sekunde bereut. Das kannst Du allerdings auch erst dann machen, wenn Du in so’ner Formation ein paar Jahre zusammenspielst, und das Vertrauen da ist. Weißt Du, wenn Du den anderen in der Band einen aus der Band vor die Nase setzt, dann kann das auch zu Querelen führen. Das gab es aber in dem Fall überhaupt nicht, jeder hat die Kompetenz von Werner unmittelbar anerkannt. Er hat einen Super Job gemacht. Ich denke auch, wir hatten noch nie ein BAP-Album, das so gut geklungen hat. Es ist natürlich etwas einfacher, wenn Du so ein abgespecktes Album aufnimmst, etwas einfacher, als wenn du viele AVBM Instrumentalausflüge und Chorsätze und weiß der Teufel was beim Mischen reinzubringen hast. Das wiederum wird einfach, wenn du alles überzuckerst, also ein Riesen-Bombasttheater machst und effekthascherisch mit diesen zusätzlichen Ingredienzien umgehst. Aber wir hatten ein sehr klares Bild, was wir wollten. Und vor allem, was wir nicht wollten. Wir wollten vor allem auch nicht die Stücke tot proben. Vor dem „Aff un’ zo“ Album haben wir ein bisschen zu viel in der Eifel an den Sachen rumgefeilt, sind dann nach Mallorca gegangen. Dort haben wir bei dem Stück „Mau Mau“ nach jedem Grundtake gesagt: „Das ist ja eigentlich gut geworden, aber da in der Eifel hatten wir die geile Version“, die haben wir aber auf keinem vernünftigen Band. Das war bei mir im Hinterkopf: bloß nicht beim nächsten Mal, wenn der Song klar und strukturiert ist, das Ding rund lutschen. Bloß nicht!

Die Texte sind kürzer geworden, im Vergleich zu dem was es teilweise früher gab.

Kann sein, aber nicht vorsätzlich….

Die Story auch in Kürze auf den Punkt zu bringen ist ja etwas, was sich nach Jahrzehnte langer Erfahrung einstellt, so meine ich es, nicht als bewussten Prozess.

Wenn mir irgendwann mal wieder so eine Idee kommt wie für „Ruut weiß blau querjestriefte Frau“ oder „Miss Samanthas Exclusiv Discount Geschenkboutique“…. die Stücke sind einfach von der Anlage her lang. Die machen auch nur lang Spaß, weil dann immer noch einer draufkommt, und noch einer und noch einer. Das ist so ein Genre, das ich ganz gerne mag. Ich mag diese Art Stücke. Damit kann man allerdings nicht bei jedem Album kommen. Ich hab schon auch Lust, so was wieder mal zu machen. Es gibt auch Sachen wie „Bahnhofskino“ oder „Nie met Aljebra“ vom ersten Soloalbum, wo der Text nie aufhört, weil einfach noch soviel rausmuss. Aber stimmt, die Kunst ist es, das Eigentliche in drei Strophen auf die Reihe zu kriegen, abgesehen von diesen Ausnahmestücken.

Die Kritiker sind ja nicht die besten Freunde von BAP. Da muss man sich ja schon freuen, wenn diese Musik überhaupt wahrgenommen wird. Und dann war sie im aktuellen Rolling Stone eigentlich relativ gut besprochen. Aber 2 ½ Punkte nur, natürlich. Jeder amnerikanische Singer/Songwriter, gegen den selbstredend nichts einzuwenden ist, würde mit dem gleichen Rezensionstext vier Sterne kriegen.

Ja, das glaube ich auch. Aber das ist insgesamt so: Diese Musikpresse ist in einer Umbruchphase. Die haben ganz stark damit zu tun, das sie ihr Publikum auf weite Sicht eher so bei der Zielgruppe 20jähriger Festivalbesucher sehen wollen. Im Musikexpress finden wir ja so gut wie gar nicht mehr statt. Da wird dann irgendwann ´ne Konzertkritik kommen und ’ne Plattenbesprechung. Aber viel mehr wird’s da nicht geben, weil das ihre gewünschte Zielgruppe möglicherweise nicht erreichen würde. Wir haben das „Zielgruppenproblem“ nicht. Wir sind eine Band, die über drei Generationen greift. Das ist wunderbar für uns, aber wenn die halt ihre Imageprobleme haben… Irgendwo wird’s dann abstrus. Da hast Du dann einen Arne Willander, der nächtelang vor der Schreibmaschine sitzt und verzweifelt, warum das alles so Scheiße ist. Und selbst merkt er gar nicht, dass er ein Teil dieser Scheiße ist. Das ist einfach diese Verjüngungsnummer, die einem gestandenen Rock’n’Roll Fan doch klar sein muss.

Rock’n’Roll ist für mich so etwas wie kollektives Unterbewusstes. Es ist einfach da, es ist nationenübergreifend, das ist die Art Musik, in der ich – das Gefühl habe ich einfach – mich ausdrücken kann und will. Der Gegenstandpunkt ist: Diese Art Musik ist genauso tot wie Dixieland. Ich kann den Satz verstehen, aber ich kann es nicht nachempfinden.

Stimmt aber auch nicht. Rock’n’Roll ist für mich die wichtigste internationale Volksmusik, die es überhaupt gibt. Wer den Urknall mitgekriegt hat… ich denke mal, wir sind so die gleiche Generation…. die Zeit in den 60ern als auf einmal die Beatles bei uns reingezimmert haben…. Musik! Musik, das war geil. Was ist denn da los?? Vorher gab’s ja so was nicht. Nur Max Greger und tolle Bigbands, die aber eigentlich Rundfunkorchester waren, zu deren Musik Schlagerfuzzis `ne lange Treppe runter marschierten und Playback irgendwas sangen, was man nicht höre wollte. Auf einmal sind da diese vier Typen, die ihre Songs selber schreiben, spielen auf drei Gitarren und Trommeln und sehen so aus, dass unsere Eltern einen Schreck kriegen. Die machten eindeutig was für uns. Die formulierten etwas eigenes – den Soundtrack unserer Generation. Den Urknall miterlebt zu haben, das ist ein Privileg. Bei der Generation vor mir war es ja vielleicht Elvis, der war ja eigentlich nur das Surrogat von Chuck Berry und den schwarzen Sängern. Ich hab’ Elvis nie so toll gefunden. Ich hab’ immer empfunden, das ist was künstliches. Vor den Beatles hab ich mich eh nicht für Musik interessiert, also auch nicht für Elvis. Da kannte ich nur die Typen, die auf der Kirmes am Autoscooter rumstanden und auf ihrer Lederjacke hinten Elvis draufhatten. Da musstest Du immer möglicht einen Bogen drum rum machen, sonst hauten die Dir direkt was aufs Maul. Das waren in meiner Wahrnehmung irgendwelche Assis, die darauf standen, aber es hatte mit Musik eigentlich nix zu tun. Durch die Beatles ging es auf einmal los.

Ich empfinde es aber letztlich so, dass es immer wieder mal einen Rock’n’Roll Urknall gibt.

Ja. Es sollte auch jede Generation der Täuschung erliegen, sie hätten soeben das Rad selber erfunden. Das ist das Recht jeder Generation. Und wenn die „The“ Bands zum zehntausendsten Mal mit der Velvet Underground Attitude antreten…. oder lass doch Oasis die Beatles durchdeklinieren, bis ihnen wirklich nix mehr einfällt, ist in Ordnung. Die haben tolle Platten gemacht, sind tolle Songs bei rausgekommen. Lass sie alle machen. Lass sie alle immer wieder denken, sie hätten das Rad neu erfunden, dann geht’s auch weiter. Das haben die Stones ja auch gedacht, und irgendwann hat man gemerkt Klammer auf „Berry“ Klammer zu, stand hinter den Stücken.

Ihr habt nun mit einer reduzierten Bandbesetzung diese Platte auf genommen, habt nun Konzerte vor euch, bei denen ihr auch viel viel altes Material spielt. Das dürfte spannend sein, wie manche der älteren Sachen in der Live Umsetzung klingen. Musst Du dann viel mehr arbeiten, instrumental?

Ich muss…. (lacht) ich darf! In der Zeit, als wir zu siebt unterwegs waren, war die Frage: wer spielt die zweite elektrische Gitarre, wenn es vonnöten ist. Da war klar, das muss der Jens machen. Weil Jens der zweitbeste Gitarrist in der Band war. Auch wenn da noch mal ein deutlicher Klassenunterschied zwischen Jens und Helmut war. Da musste ich mich nicht auch noch reindrängen und Gitarre spielen wollen. Normal hab ich gar nicht oder akustische gespielt. Nun ist der Jens nicht mehr dabei, und jetzt wird wieder schön die Telecaster mitgenommen, und da, wo eine zweite Gitarre Sinn macht, da spiele ich sie. Aber es ist nie die „wichtige“ Gitarre. Ich spiel mit, ich mach’ das gerne, ich bin sehr froh, dass ich das endlich wieder darf, dass es wieder sinn macht. Sound vermatschen macht ja keinen Sinn. Mit drei elektrischen Gitarren da rumzimmern, und der Mischer kriegt einen Hals auf uns, das nützt niemandem.

Es war zu lesen, ihr habt die doppelt so viele Songs „bühnenreif“ geprobt, wie ihr spielen könnt. Kann jemand der zwei zeitlich weit auseinanderliegende Konzerte der Tour hört, sagen wir mal- zehn andere Songs hören?

Das kann locker passieren. Das ist sogar ziemlich wahrscheinlich Wir wollen ja auf der Bühne auch nicht in ein Routineloch fallen. Du hältst diese drei Stunden nicht durch, wenn du Abend für Abend das selbe abspulst. Ich werde ja schon wahnsinnig, wenn ich zwei Abende hintereinander die gleiche Story erzählen muss. Da fang’ ich am dritten Abend schon an, mir eine andere auszudenken. Ich finde Routine bis auf die wunderbare Geschichte, dass man nicht mehr drüber nachdenken muss, ob man den Akkord jetzt tatsächlich greifen kann, in so einem Konzert eigentlich tödlich. In jeder Sekunde musst Du völlig aufmerksam sein und gespannt, so als wäre es das erste Mal, dann ist es ideal. Klar, das gelingt nicht immer.

Auf der Single ist ein gelesener Böll Text – „Strassen wie diese“.. Es ist bekannt, dass Du so etwas machst, aber es ist neu, dass es jetzt auch auf einem Tonträger, der unter BAP läuft, erscheint. Ist das eine Idee, die gegebenenfalls weiterverfolgt werden könnte oder eher der Kategorie „Schmankerl am Rande“ zuzurechnen?

Es ist zunächst ein Schmankerl am Rande. Das hängt damit zusammen, dass dieser Songtext von „Unger Krahnebäume“ eindeutig mit diesem Böll Text zu tun hat. Böll hat damals das Nachwort für einen Chargesheimer-Fotoband geschrieben und wir haben diesen Text auch schon mal im „Amerika“ Booklet abgedruckt. Der Text ist auch immer dabei, wenn ich ab und zu eine Böll-Lesung mache. Wir haben gedacht, es wäre doch Klasse, wenn wir jetzt für die DvD diesen Text mal in gelesener Form beisteuern. Da kann sich was draus entwickeln, muss man mal sehen. Ein Hörbuch mit Böll-Lesungen könnte ich mir schon vorstellen. Das ist aber auch auf dem Zettel für: „Kann man irgendwann mal machen“.

Trügt der Eindruck, oder ist Böll ein „großer Deutscher Dichter, der gerade etwas in Vergessenheit gerät“.

Das ändert sich gerade wieder, nach den achtziger Jahren, die von diesen Zeitgeist-Deppen besetzt waren, worunter Böll auch gelitten hat. Ich habe ihn ja gekannt und er hat das überhaupt nicht verstehen können, dieses Zynische Zeitgeistgeschreibsel. Er war so ein unglaublicher Menschenfreund, immer konstruktiv denkend. Der konnte eine so zynische Haltung überhaupt nicht verstehen. Das hat eine Zeitlang ziemlich die Medien beherrscht, und da ist Böll etwas nach hinten geraten. Das ist aber ein Pendel, das hin und hergeht, das kommt genauso wieder nach vorn.

Was beschäftigt dich als Musik-Hörer momentan?

Die letzte neue CD, die mich vom Hocker gehauen hat, war das Counting Crows Album „Hard Candy“. Das ist jetzt auch schon anderthalb Jahre her. Aber ich merke es immer daran, welche Alben nicht mehr bei mir aus dem Auto verschwinden. Die bleiben einfach in der Mappe drin, während andere wieder aussortiert werden. Endlich hab’ ich die Johnny Cash Fünfer-Box „Unearthed“ gekriegt, ich bin aber noch nicht dazu gekommen, die zu hören. Bis auf „Pocahontas“, da war ich ganz neugierig drauf, wie der Meister die Nummer vom Meister singt. Das Ding werde ich mit auf Tour nehmen und werde es schön Song by Song lesen und hören, das wird so richtig kurzweilig beim Autofahren.

Um noch mal auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Da war die Rede auch von der Stunde der Wahrheit an der Kasse. Wenn W.N. so was sagt, heißt das dann, es gibt wirklich eine Zielvorgabe: Wir müssen die Zahl X verkaufen, und das muss unbedingt hinhauen?

Guck Dich um. Du sitzt hier in unserem Büro, hier sind ständig Mitarbeiter. Die zwei Mädels sind auch da, wenn wir eine Tour spielen. Die machen die ganze Zeit den Bürokram, das ist eine Masse Verwaltung. Wenn man eine CD hört oder das Plakat sieht, denkt man bei „Rock’n’Roll“ erst mal nicht daran. Man denkt einfach Lieschen-Müller-mässig, ob die Jungs auf Tour gehen oder an der Theke stehen, ist ja relativ egal. Das gehört lange der Vergangenheit an, da hängen Familien dran, nicht nur die der Musiker. Sondern auch von den Leuten, die exclusiv für BAP arbeiten. Wir haben mit einer Phonoindustrie zu tun, die starke, auch selbstverschuldete Einbrüche zu verzeichnen hat. Die haben versucht, diese ganze Thematik des Downloadens und des Schwarzbrennens auszusitzen. Das ist ihnen nicht gelungen. Die haben keine Rücklagen gemacht in den goldenen Zeiten, als die CD das Vinyl abgelöst hat, und sich jeder seine Lieblingsalben noch mal schön neu zugelegt hat und die Verträge mit den Künstlern noch kalkuliert waren auf Vinyl, man aber schon CD verdient hat. In den Zeiten sind Margen verdient worden! Die Strategen, die dafür verantwortlich waren, die sitzen jetzt alle in großen Villen an der Cote d’Azur und sind privatisiert. Plattenfirmen gehören zu Elektronikkonzernen, die an der Börse sitzen. Gott sei dank sind für uns noch ein paar Musikleute zuständig, die Überzeugungstäter sind und die für uns in der Kurve liegen, aber grundsätzlich hast du es zunehmend mit den Schweinebauchverkäufern zu tun. Das ist denen egal, ob die Musik verkloppen oder Schweinebäuche. Shareholder Value: Da muss unten ’ne dicke Zahl stehen.

Ich habe es bedauert, dass ihr das Gästebuch auf der Homepage geschlossen habt. Einerseits ist das verständlich, die Gründe sind nachvollziehbar. Ich habe aber selbst die absurdesten Diskussionen da immer genossen, den Vorwurf, z.B. BAP wäre „kommerziell“ geworden, während zeitgleich sich die Band immer mehr von der „Radiotauglichkeit“ entfernt hat.

Weißt Du, es gab eine Handvoll vorsätzlicher Stänkerer, die einfach nur Gift ausgestreut haben. Um ganz ehrlich zu sein: Wenn Du das in einer Phase hast, in der du viele Interviews machen musst…. Journalisten gehen halt vorher auf die Homepage und gucken ins Gästebuch. Aber Du hast keine Lust, über die Themen zu reden, mit denen sich diese Handvoll Stänkerer ihre langweiligen Abende oder langweiligen Nachmittage in irgendwelchen Büros vertreiben, wo sie nix zu tun haben. Sagen wir mal, wir würden einen Chatroom einrichten. Okay lass se da drin machen, wir haben ja Meinungsfreiheit, ist ja klar. Aber wir müssen uns doch nicht unsere eigene Arbeit erschweren durch diese Hirnis. Ich hab ja noch einmal einen reingesetzt nach dem Motto: Passt auf, tut uns den Gefallen, lasst uns doch irgendwie sachlich bleiben und lasst uns doch als erwachsene Menschen miteinander umgehen, wir können doch kritisiert werden. Ich will ja gar nicht hören, dass wir sind die Größten sind. Aber geht doch bitte nicht unterhalb ein gewisses Niveau. Das ging kurze Zeit gut, dann ging es wieder los. Da ging gleichzeitig die Pressearbeit für irgendwas, was wichtig war, los. Da hab’ ich gesagt: Tu das raus, ich hab’ keine Lust, da jetzt ganze Nachmittage drüber reden zu müssen.

Du könntest aber doch im Prinzip den Journalisten sagen, wenn sie immer eben diese Fragen stellen: Jetzt fangt Ihr bitte nicht auch noch damit an.

Nein, das kannst Du nicht. Zu allen Fragen, die kommen, hast Du eine befriedigende Antwort zu geben, weil das sonst aussieht als würdest Du kneifen. Gut, es gibt einfach Punkte, wo ich mich weigere: Privatsphäre. Danke, nächste Frage. Aber es gibt einfach Sachen, bei denen du ganz schnell in ’ner Rolle bist und bleibst. Wir hatten beispielsweise bei der X für e U –Tour zum ersten mal einen Tourpräsentator, das war damals Camel Collection. Wir haben da kein bisschen Produktwerbung gemacht, die haben uns präsentiert. Dafür gab es einen Haufen Geld, so daß wir uns eine schönere Bühne leisten konnten und einen größeren Promotion-Etat. Ich habe bei der kompletten Promotiontour über nichts anderes geredet als über das Thema Toursponsoring. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich mit einer stinknormalen Bühne auf Tour gegangen. Licht an, Licht aus und fertig. Und hätte über das geredet, worum es mir geht. Damals war dieses ganze Präsentationstheater neu, mittlerweile fragt da kein Schwein mehr nach.

Aber ihr sucht euch schon aus, was passt. Jack Wolfskin passt?

Ja, das passt, klar. Das ist ja auch mein bester Freund, der diesen Laden betreibt.

BAP läuft ja nicht mehr so massiv im Radio, wie das früher mal war. Wirken sich weniger Radioeinsätze auf die Zusammensetzung eures Publikum aus? Bestimmte Radioeinsätze können ja einiges bewirken: Bei PUR merkt man beispielsweise, dass die fast nur noch in den Schlagerwellen laufen. Wieveil Anpassung geht?

Man ist, glaube ich als Künstler selbst dafür verantwortlich, welches Publikum man anspricht, und man muss sich da eben entscheiden. Will man es jedem recht machen. Es ist eine Frage des Anbiederns und auch des eigenen Geschmacks. Es war ja immer ein Kampf mit dem Major. Major hat das sehr gefuchst, dass die uns praktisch auf der Standspur überholt haben. Er hätte schon gerne gehabt, dass ich, wenn schon nicht englisch dann hochdeutsch singe und dann auch weniger eckig. Ich schreibe ja sperriges Zeug, keine Sachen, bei denen jeder nicken kann „Ja, genauso ist es“.

Das klingt aber nicht so sperrig. Das weißt Du als Kölner vielleicht selbst gar nicht, wie rund diese Sprache klingt.

Ich bin ja nicht auf Zustimmung aus….

Nein, aber Hörbarkeit ist schon ein Plus. Ich liebe meinen kurpfälzischen Heimatdialekt sehr: Mannheim, Heidelberg Ludwigshafen. Aber in dieser Sprache möchte ich nichts gesungenes hören.

Also ich mag es- es gibt andere Dialekte, da würde ich auch von vornherein sagen, das ist nicht sehr erotisch. Sachsen ist da ziemlich weit auf ’nem Abstiegsplatz. Köln liegt vorne.

Stichwort Abstiegsplatz! Was ist denn jetzt schon wieder los mit dem FC?

Ich versuche das Positive drin zu sehen. Man hat jetzt die Chance, sich zu rehabilitieren für diese blamable Haltung, nachdem der Aufstieg feststand. Die Vorstellung, die man da geliefert hat, über die hab ich mich weitaus mehr aufgeregt als über das, was jetzt abgeht. Jetzt könnte man tatsächlich zu der Einsicht kommen: Vielleicht gibt’s in der Liga 17 Mannschaften, die besser sind als wir. Als Sportfan muss man ja auch irgendwann in der Lage sein, diese Einsicht zu schlucken. Schlimm fände ich, wenn man jetzt bis zum Ende der Saison nur noch ein bisschen rumdümpelt nach dem Motto: hat sowieso keinen Zweck. Dann tritt man alles in die Tonne, was man aufgebaut hat. Wir haben ein wunderbares Stadion, einen Absoluten Fachmann mit dem Rettich. Er hat ne Vision, aber hat eben auch gegen eine starke Boulevard-Presse anzutreten. Wir haben nicht den Vorteil, den kleine Städte mit Bundesligamannschaften haben, dass da alles dahintersteht, siehe Freiburg. Siehe auch Bremen, oder was der Magath in Stuttgart aus der Not geschafft hat. Das ist schon klasse, und geht nur, wenn man jemand mit einer Vision auch den Rücken freihält. In Köln geht es sofort in die Vollen, dadurch verunsicherst du ’ne Mannschaft. Wir haben aber tolle Fans.

Wie ist Euer – das BAP – Verhältnis zur lokalen Kölner Presse?

Also wir kommen relativ gut klar. Man muss einfach wissen, was man von Boulevardpresse erwarten kann und was nicht. Du vertust dich immer wieder. Es gibt immer wieder Situationen, in denen Du denkst: „Ich hätte jetzt gedacht, das wäre endlich mal vorbei“, und dann passiert es doch wieder.. Es ist wie in dieser Fabel, in der der Skorpion zum Wolf sagt: nimm mich doch rüber über den Fluss, ich steige auf deinen Rücken. Mitten im Fluss beisst der Skorpion, der Wolf schafft es noch bis ans andere Ufer und fragt: warum hast du denn zugebissen, du hattest doch versprochen, es nicht zu tun. Die Antwort: ich bin ein Skorpion. So ähnlich ging die Fabel.

Barclay James Harvest (1999) John Lees und Woolly Wolstenholme

Barclay James Harvest (1999) John Lees und Woolly Wolstenholme

Das Foto: Woolly Wolstenholme, der Autor, John Lees (von links nach rechts)

Through the Eyes of John Lees 

NOTIZ: Das ist ein Interview, das ich mit John Lees und Woolly Wolstenholme vermutlich 1999 geführt habe, als Redakteur des Rundfunksenders “Die Welle” in Karlsruhe. Ob das so gesendet wurde und warum ich seinerzeit ein Transkript angefertigt habe – ich kann mich nicht erinnern. Ich erinner mich allerdings, mit zwei sehr sympathischen, bescheidenen Herren gesprochen zu haben. Das Album, das sie damals aufnahmen, war allerdings leider nicht so toll. ich habe es ihnen aber – bin ja ganz britischer Gentleman – nicht verraten. Here we go…..

Wie seid ihr wieder zusammen gekommen. Und vor allem Wooly- was hast Du die letzten 20 Jahre, von ein paar musikalischen Lebenszeichen abgesehen, getrieben?

Wooly: Ich habe als Landwirt gearbeitet. Aber irgendwie musste ich jetzt zur Musik zurück. Ich traf John bei einem Jahrgangs-Treffen der Kunstschule wieder. Wir haben ja damals zusammen studiert und die Band gegründet, jedenfalls die Hälfte davon. Die Leute haben John dann gefragt: Was machst Du jetzt- und er sagte: Ich denke, ich mache jetzt ein Album mit Wooly. So hats alo angefangen. Dann machten wir eine Audition für eine Plattenfirma, und haben ein paar Demotapes verschickt. Glücklicherweise haben wir diese Prüfung bestanden.Mehr ansehen

Batt, Mike (1998) Plauderei beim Mittagessen

Batt, Mike (1998) Plauderei beim Mittagessen

Wie ein guter Film mit einer fantastischen Besetzung….

Am Anfang stand die Idee: Die größten Rockhits aller Zeiten mit einem der weltbesten Orchester, und Rockgrößen, die Geschichte geschrieben haben. Und jeder singt den Titel, den er schon immer mal singen wollte. Oder der großartig zu ihm passt. Oder einen seiner eigenen Songs. Mike Batt hatte sie alle zusammengebracht, so unterschiedliche Leute wie John Farnham, Kim Wilde, Joey Tempest, Status Quo, Roger Daltrey oder Brüllwürfel Lemmy von Motorhead. Und dazu das Royal Philharmonic Orchestra. Das Ergebnis hieß Philharmania Vol.1. Wie das magnum Opus entstanden ist, hat Mike Batt mir bei einem Mittagessen irgendwann 1998 verraten. Ich hatte ihn damals für die WELLE, den privaten Rundfunk interviewt, und es war ein höchst vergnüglicher Termin, bei dem er mir auch einige großartige, sehr englische Witze erzählte – die ich leider vergessen habe. Und über Art Garfunkel (für den er “Bright Eyes” geschrieben hatte, hat er mir eine schöne Anekdote erzählt: Er war mit Garfunkel zum Essen verabredet, und der erschien dann auch pünktlich, allersdings hatte er einen halben Bart, die andere Hälfte war rasiert. Batt fragte ihn also, was das zu bedeuten habe, und Garfunkel habe geantwortet: Oh, er sei ein bisschen spät drangewesen, und habe auf keinen Fall zu spät kommen wollen zu einer Verabredung mit dem Komponisten seines größten Hits…. Von dem Interview sind damals vielleicht drei, vier Schnipsel gesendet worden. Das Transkript (von dem ich heute nicht mehr wiess, warum ich es angefertigt habe) wurde – auch in Auszügen – nie veröffentlicht. Aber jetzt und hier. Here we go…..

In der ersten Phase der Überlegungen- gab es da eine Liste von Songs mit dazugehörigen Sängern? Oder hattest Du bestimmte Stimmen im Kopf und hast Dir dann passende Songs überlegt?

Ganz allgemein waren die Künstler wichtiger als die Songs. Manchmal liefen die Gespräche so ab: Wir hätten gerne, dass Du einen Song singst, welchen hättest Du denn gerne? Oder soll ich etwas vorschlagen? Oder möchtest Du einen Deiner eigenen Songs singen? Manchmal schauten wir auch die Liste der Songs an, die ich schon zusammengestellt hatte, und wenn sie sich nicht sicher waren, sagte ich: Wie wäre es mit dieser oder jener Nummer? Ich sagte dann beispielsweise zu Roger Daltrey, er solle doch bitte “Pictures of Lilly” singen. Ach, das habe ich schon gesungen, und ich glaube nicht, dass es besonders gut war, winkte er erstmal ab. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Und dann hab ich auf der Liste geschaut und “The Boys of Summer” (von Don Henley) vorgeschlagen, weil ich diesen Titel immer gerne in einer rockigen Uptempofassung gehört hätte. Und er war begeistert.Mehr ansehen

Collins, Phil (2016)

Collins, Phil (2016)

Das Chamäleon. Phil Collins schaut zurück

Am 29. Januar 2016, einen Tag vor Phil Collins 65. Geburtstag, wurde mir eine telefonische Audienz bei einem meiner absoluten Favoriten auf dem Schlagzeughocker gewährt. 25 Minuten hatte man mühsam heraus gehandelt, ich hatte dann im Endeffekt inklusive Warteschleife und Gedrängel weiterer Interviewpartner effektiv 18 Minuten. Der Anlass war natürlich die damals anstehende Wiederveröffentlichung seiner Solo-Alben, aber ich konnte dann doch noch ein einige der Fragen unterbringen, die mich noch mehr interessierten. Also quasi neun Minuten für die entscheidenden Dinge des Lebens! Hartes Schicksal, aber ein bisschen was kam dabei doch rum, was Ihr hier im Wortlaut gerne nochmal nachlesen könnt. Here we go…..

Ich habe Fragen für vier Wochen und wir haben nur ein paar Minuten….

Phil lacht….Mehr ansehen

DEEP PURPLE – die Interviews: Ian Gillan (2020)

DEEP PURPLE – die Interviews: Ian Gillan (2020)

Schon im Januar des merkwürdigen Jahres 2020 hatte ich Gelgenheit, für die Titelstory des famosen ROCKS Magazins Ian Gillan, Steve Morse, Ian Paice und Produzent Bob Ezrin ausführlich zu interviewen. Leider nur am Telefon, aber nichtsdestotrotz war es wieder das reine Vergnügen. Gillan hatte ich bereits mehrfach in langen Gesprächen kennengelernt, eine persönliche Begegnung aber immer irgendwie verpasst. Ausnahmslos alle Musiker dieser Band sind aufgeschlossene Gesprächspartner, die auf Fragen nie, nie, nie mit vorgestanzten Standardformulierungen antworten, obwohl sie sicher in ihrer ein halbes Jahrhundert umspannenden Karrier zigtausende Interviews gegeben haben. Vielmehr entwickeln sich aus der Interviewsituation oft wirkliche Gespräche. Vielleicht geben diese (fast) kompletten Transskipte einen Eindruck davon. Ian Gillan hat mir übrigens versichert – und ich glaube es ihm einfah mal – dass unser Gespräch das weltweit erste sei, dass er zum Album führe, über dessen Titel wir erst ganz am Schluss sprachen.

Das Gespräch fand am 17. Januar 2020 statt. Here we go…..

Als ich Ian Paice 2017 traf, erklärte er mir zwar den Sinn der „Long Goodbye Tour“, und dass das Ende offen sei – aber darüber hinaus sah es nicht unbedingt so aus, als könnte es nochmal ein Album geben. Wann hat sich das denn herausgestellt?

Da triffst du den interessantesten Punkt, was die ganze Karriere der Band betrifft. Wir treffen nie Entscheidungen. Alles geschieht – man könnte fast sagen – zufällig. Ich hatte der „Long Goodbye Tour“ diesen Namen gegeben, weil ich sie so lange wie möglich ausdehnen wollte. Ein paar Jahre vorher hatten wir alle gesundheitliche Probleme gehabt. Ian Paice hatte einen leichten Schlaganfall, Roger ging es auch nicht gut. Wir wussten nicht so recht, wie lange wir noch weitermachen könnten. Aber dann ging es wieder allen besser, und wir beschlossen, man könnte sich ja mal treffen und mit ein paar Ideen runspielen. Also trafen wir uns in Bottrop und taten genau das, und da waren schon eine oder zwei Sachen dabei, die absolut fantastisch waren. Das hat dann die Lawine ins Rollen gebracht. Das war im Februar 2019, ich hab‘ es hier in meinem Tagebuch. Es ist erst ein Jahr her, aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor.

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Deep Purple – Die Interviews: Steve Morse (2020)

Deep Purple – Die Interviews: Steve Morse (2020)

 

Steve Morse hatte ich bei den diversen “Deep-Purple-Interview-Runden” der vergangenen Jahre für das ROCKS Magazin noch nie am Telefon gehabt, deshalb war ich besonders gespannt auf das amerikanische Mitglied dieser urenglischen Institution. Anfangs schien es, als würde es nicht klappen, denn am vereinbarten Termin ging einfach keiner ans Telefon. Die nette Promoterin des Labels rief dann im Lauf des Tages zurück und erklärte, Steves Akku sei leer gewesen (also der seines Telefons)….. Dann also auf ein Neues, am nächsten Morgen um die gleiche Zeit. Nun hatte ich mich eh schon gewundert, dass es zur ursprünglich vereinbarten Zeit bei ihm zuhause Mitternacht gewesen wäre. Wow, was für ein Arbeitsethos, dachte ich mir. Als wir uns dann schließlich begrüßten, fragte ich nach, und Steve meinte, jetzt sei es bei ihm aber schon drei Uhr morgens, er sei in der vergangenen Nacht mal eben von A nach B (weiss nicht mehr von wo nach wo) geflogen. Ich war beeindruckt. Wegen mir? Nachts um drei telefonieren? Ja klar, das sei doch Ehrensache, und das mit dem Akku am Tag vorher, das sei ihm sowas von peinlich….. Ich war gerührt, und bin es bis heute. Das Interview – das dann am 23. Januar lief – war dann sehr gut. Hier ist es, wie gehabt: Fast im Wortlaut.Mehr ansehen

Deep Purple – Die Interviews. Produzent Bob Ezrin (2020)

Deep Purple – Die Interviews. Produzent Bob Ezrin (2020)

Bob Ezrin hat zum dritten Mal ein Deep Purple Album produziert. Der Mann, der Pink Floyds Jahrhundertwerk “The Wall” gemacht hat, der verantwortlich ist für den Sound zahlreicher Alben von Alice Cooper und Kiss, hat 2012 zum ersten Mal bei Now What!? den Deep Purple-Sound geprägt. Mit Infinite und Whoosh! hat er diesen Sound – der aus dem Zusammenspiel der Band heraus entwickelt wurde – weiter verfeinert. Er wollte und will die Band so haben, wie er sie auf der Bühne erlebt hat. Er lässt sie alle Tracks zusammen aufnehmen, meist reichen einer oder zwei Durchläufe, danach kommen ein Paar Overdubs und Gesang dazu. Ezrin will, dass sich die Musiker gegenseitig beim Spielen anfeuern und heiß machen. Am 20. Januar 2020 hatte ich zum zweiten Mal Gelegenheit, mit ihm über seine Arbeit mit der Band zu sprechen. Es war mir eine Ehre. And as usual, it was a great pleasure…

Was war der Unterschied zwischen den Sessions für Infinite und denen für Whoosh?

Bei Infinite hatten sie ein paar Writing Sessions hinter sich, bevor sie nach Nashville kamen, und dann nahmen wir die besten Teile. Diesmal arbeiteten wir einige Sachen im Probestudio in Nashville aus, und daraus wurden einige der besten Songs für das Album.

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DEEP PURPLE- Die Interviews: Ian Paice (2020)

DEEP PURPLE- Die Interviews: Ian Paice (2020)

Ian Paice war der zweite Ian, den ich am 20. Januar 2020 für das fabulöse ROCKS zum neuen Deep Purple Album “Whoosh!” interviewte. Natürlich auch “nur” am Telefon, aber ihn hatte ich als einzigen der Herren schon zweimal “leibhaftig” getroffen, insofern kannten wir uns ein bisschen. Bei unserem zweiten Treffen im Jahr 2017 in Bayrischen Hof in München hatte ich ihm gesagt, dass ich Deep Purple für “die lauteste Jazzband der Welt” hielte. Und Monate später zitierte er mich als “a german journalist” in einem Interview in der englischen Fachpresse – eben mit dieser Äusserung. Da wurde ich doch ein bisschen rot! Anyway, hier nun unser Gespräch von 2020, fast im Wortlaut.

Nachdem ja nun die Long Goodbye-Tour gelaufen war, waren einige doch überrascht, dass Infinite, das Album von 2017, nun doch nicht das Finale war. Wie kam es denn nun zum 21. Sudioalbum von Deep Purple?

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