Deep Purple bezichtigen sich tatsächlich, kriminell geworden zu sein. Zumindest deutet das der Albumtitel „Turning To Crime“ (frei übersetzt „in die Kriminalität abgleiten“ ) an. Das Verbrechen, das sie sich selbst zur Last legen, ist ein Cover-Album. Da darf der Fan schon mal skeptisch sein. Aber was für ein Album das geworden ist: Ohne Scheuklappen arbeitet sich die Band durch ein Repertoire, dessen Originale bis in die 50er-Jahre zurückreichen. ich habe Ian Paice und Don Airey am 11. Oktober 2021 in Oberhausen getroffen. Das haben sie mir erzählt….
Als bekannt wurde, dass ihr ein Cover-Album aufgenommen habt, konnte man die ersten enttäuschten bis entsetzten Kommentare auf den einschlägigen Fanseiten im Netz lesen. Habt ihr diese Reaktionen mit dem Album-Titel Committed To Crime vorweggenommen beziehungsweise vorausgesehen – dass man Euch eines Verbrechens beschuldigen würde?
Ian Paice: Du hast es genau durchschaut. Wir wollten sowas sagen, bevor sie es taten. Es ist ein Vorstrafenregister, genau. Da wollten wir schneller sein. Aber se klang auch einfach wie ein guter Albumtitel – wir sind damit sehr zufrieden.Mehr ansehen
Am 19. August 2026 ist Ian Gillan 81 Jahre alt geworden. Seine Band hat Anfang Juli ein neues Album mit dem Titel „Splat!“ veröfentlicht. Die laufende Welttournee umfasst nahezu 100 Konzerte. Gillan ist zwar „nur“ einer von vier Sängern, die der Band seit ihrer Gründung vor 58 Jahren vorstanden. Aber für Gläubige der Holy Church Of Deep Purple ist er der Sänger, kein anderer. Interviews (die ich leider immer nur am Telefon führte) mit ihm waren für mich immer mehr als Frage-Antwort-Spielchen. Es war immer die Musik-Debatte, die man am liebsten im Freundeskreis bei gutem Wein führt.Mehr ansehen
Die ist ein „historisches Interview“, das ich mit dem „Gitarrenlehrer der Nation“ geführt habe. Anlass war die Veröffentlichung der Bröselmaschine-Werkschau in einer großen Jubiläumsbox. Ich durfte die Liner Notes für diese Veröffentlichung schreiben. Das Gespräch mit Peter in deiem Duisburger Garten war die Grundlage meines Textes. Hier könnt Ihr es hören, in voller Länge und mit Vogelgezwitscher im Hintergrund. Es gab viel zu erzählen über die lange Geschichte dieser einzigartigen Band. „Wir wollten einfach unsere Musik machen, frei von allen Zwängen, möglichst orientierungslos, aber auch mit Einflüssen aus England und den USA – aber eben nicht Pete Seeger oder Joan Baez.“ Bands wie Pentangle, Incredible String Band und Fairport Convention gaben die ungefähre Richtung vor – allesamt in der Folk-Tradition verwurzelt, aber musikalische Freidenker. Die rein akustische Musik des ersten Albums hatte aber auch einen ganz praktischen Hintergrund, lacht Peter Bursch: „Wir haben uns immer bei Jürgensen in Düsseldorf – das war damals das größte Musikhaus – die Nase an der Scheibe plattgedrückt, und die teuren E-Gitarren angeguckt, die wir uns nicht leisten konnte. Und dann wurden uns auch noch Gitarren geklaut. In unserer Wohngemeinschaft schliefen auch Tramper, die wir mitgenommen hatten. Zwei so bekloppte Tramper haben uns zwei Gitarren geklaut. Einen Tag später mussten wir uns fürs Studio Gitarren leihen.“ Was in den folgenden Jahrzehnten noch alles passierte: Hier könnt Ihr es nachhören……
Die Seilschaft und ihr Album „Dein Paket“. Ein Gespräch mit Michael Nass.
Bandfotos: Copyright Die Seilschaft Live-Foto: Copyright Dominik Balkow.
1992 war es, als der Liedermacher Gerhard Gundermann begann, mit einer Band aufzutreten. Die Seilschaft machte seine Lieder zu kraftvollen Rocksongs und verschaffte ihm vor allem im Osten Deutschlands bis zu seinem plötzlichen Tod 1998 eine treue Fangemeinde. Gundermann & Seilschaft spielten unzählige Konzerte, auch im Vorprogramm von Joan Baez und Bob Dylan und wurden ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Im Westen blieb die Band allerdings eher ein Geheimtipp. Das beginnt sich seit 2018 durch den preisgekrönten Film „Gundermann“ von Andres Dresen zu ändern. Die Musiker hatten schon 2008 erstmals wieder bei einem Gedenkkonzert in der Berliner Columbiahalle gemeinsam auf der Bühne gestanden. Jetzt ist „Dein Paket“, das erste Album mit neuen, eigenen Songs erschienen. Ein Album, dessen Musik sich zwischen Rock und Folk, zwischen kraftvollen Mutmacher-Nummern und verhaltener Melancholie bewegt. Die Texte fangen Momentaufnahmen und Stimmungen ein. In den besten Momenten erzählen sie eine Geschichte, für die andere einen Roman geschrieben hätten. Mehr ansehen
Dieses Interview erschien Ende 2012 im KURIER. Ich traf diese nette, zurückhaltende junge Frau damals im Renaissance Hotel in Karlsruhe zum Interview. Vorher hatte ich groooooße Angst vor ihr, weil ich Videos kannte, in denen sie sich auf der Bühne schreiend in Stücke reisst. Kennen lernen konnte ich eine Frau, die so ganz anders war, als ich befürchtet hatte. Das habe ich damals aus dem Interview gemacht.
Beth Hart im KURIER-Interview
Beth Hart – heute 40 Jahre alt – hat eine wechselvolle Karriere hinter sich: 1993 startete sie bei „Star Search“ in den USA, veröffentlichte ihr Debüt und erreichte mit den folgenden Alben in den USA eine wachsende Fangemeinde, kämpfte aber auch mit Alkohol- und Drogenproblemen. Das 21. Jahrhundert erlebt eine cleane Beth Hart, die sich musikalisch immer wieder neu erfindet: Mal ist sie die toughe Rockerin – wie auf „37 Days“ (2007), mal die balladeske Singer/Songwriterin auf „My California“ (2010). Nach ihrem Soul- und Rock Coveralbum „Don’t Explain“ mit Joe Bonamassa im vergangenen Jahr hat sie für sich entdeckt, dass es noch viel mehr Musik gibt, die zu singen lohnt. Ihr neues Album „Bang Bang Boom Boom“ zeugt davon.
Wie kommt es, dass deine Alben der letzten Jahre eine so unterschiedliche Grundfarbe haben?
Man kann Musik nicht vorsätzlich planen, um seinem Publikum zu gefallen. Das ist ein großer Fehler, weil es nicht echt ist. Wenn das Publikum von mir die Farbe lila will, dann kommt das, weil sie diese Farbe gesehen haben, als sie komplett echt war, und drum lieben sie das. Wenn ich ihnen das aber jetzt gebe, aber momentan nicht dahinterstehe, dann werden sie sagen: Ah ja, sie versucht es, aber ich nehm’s ihr nicht ab. Das hat sie doch schon besser gekonnt.
Das neue Album ist sehr vielseitig…
Die Idee des Albums ist: Retro, aber eben nicht 70er Jahre-Rock-Retro. Es geht weiter zurück, zu Soul und Blues und Jazz Ich liebe es, die Stile zusammenzubringen. Als ich zum Beispiel „Spirit Of God“ schrieb, hatte ich das Gefühl, dass ich da gerade eine Art Swing-Nummer schreibe.
Als Du 2010 „My California“ gemacht hast, hat der Produzent gesagt, du solltest das Schreien lassen.
Er wollte ein Konzeptalbum, und ich dachte: es ist ein brillantes Konzept, einfach mal den ganzen schweren Stoff loszuwerden, der sehr schmerzhaft für mich war. Und es macht Sinn, das eben nicht herauszuschreien. Die Platte war auch so eine Art Heilungsprozess. Danach hatte ich dann eine totale Schreibblockade, ich dachte: So, jetzt ist alles raus.
Wie hast Du Dich davon befreit?
Als ich die Platte mit Joe Bonamassa machte, fühlte ich mich beim Singen so wohl, dass ich dachte; Vielleicht kann ich auch so schreiben. Und da war die Blockade durchbrochen, und ich fing an, in diese Richtung zu gehen.
Die Vielseitigkeit hat auch mit deinen musikalischen Vorlieben zu tun. Was hat Dich denn in letzter Zeit begeistert?
Das fing mit Amy Winehouse an. Sie hat mich an die tollen Sänger und Sängerinnen meiner Jugend erinnert. Dann war es das letzte Album von Fiona Apple. Mir kommt es gerade vor, als hätte sie eine ganz neue Musik erfunden. Dann ist da noch Aloe Blaccs Song „I Need A Dollar“.
Wie kriegt man aus so viel unterschiedlicher Musik eine spannende, dynamische Setlist für en Konzert zustande?
So arbeite ich nicht. Es langweilt mich sehr schnell, jeden Abend das Gleiche zu spielen. Es gibt keine Setlist, aber wir haben mindestens 50 Songs auf Abruf geübt. Wir werden versuchen, Songs von jedem Album zu bringen, es wird einige Covers geben, darunter vielleicht auch „Whole Lotta Love“.
Manchmal wirst du auf der Bühne zum „wilden Tier“. Braucht’s da Mut?
Für mich bedeutet Mut: Man hat Angst vor etwas und tut es trotzdem. Aber wenn ich mich auf der Bühne wohlfühle, muss ich einfach nur ich selbst sein.
Raik Adam, sein Bruder Andreas und Dirk Mecklenbeck gehörten zu einer Gruppe Hallenser Heavy Metal-Fans, die sich schon als Schüler an den Verhältnissen in der DDR aufrieben und begannen, sich gegen Indoktrination und Willkür des SED-Staates aufzulehnen. Nachdem sie Wahlen boykottiert und den Wehrdienst verweigert hatten, sahen sie als einzigen Ausweg, ihre „ständige Ausreise“ zu beantragen. Einer nach dem anderen verliess die DDR. 1989 waren alle Freunde in West-Berlin wieder vereint und begannen von dort aus, die Mauer zu attackieren. Mit gezielten Aktionen, die Aufsehen erregten. So setzten sie beispielsweise einen Wachturm der Grenztruppen in Brand oder beschädigten mit Bolzenschneidern den Grenzzaun. Über ihre Geschichte haben sie zwei Graphic Novels veröffentlicht. Mit Raik und Dirk habe ich im August 2026 über die „Musikalischen Möglichkeiten“ im Halle der 80er-Jahre gesprochen.Mehr ansehen
Groupies, Champagner, ausschweifende Parties und viel Geld: Das ist das Klischeebild des Profimusikers. Die Realität sieht aber für die meisten freischaffenden Berufsmusiker deutlkich anders aus. Benny Mokross ist einer von ihnen: Der Schlagzeuger und Percussionist spielt vor allem Jazz und Weltmusik, er hat über 3.000 Konzerte gespielt und ist auf rund 60 Tonträgern zu hören. Er berieibt ein Tonstudio und ist Dozent. Zusammen mit dem Transorient-Orchestra sowie der Glen-Buschmann-Jazzakademie erhielt er 2017 den WDR Jazzpreis.
Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „… hier können Sie aber nicht parken“. Man ahnt, worum es geht: der Musiker will sein Equipment ausladen, soll es aber einen Kilometer vom nächsten Parkplatz zur Bühne tragen. Die mal zu klein ist oder bei einer Open Air-Verantaltung nicht überdacht. Kaum hat die Band den ersten Ton gespielt, ruft der Gastgeber der Veranstaltung, für die sie gebucht ist: „Das ist viel zu laut, sie dürfen die Gäste nicht erschrecken, schließlich soll das hier kein Konzert sein, sonderm gepflegte Hintergrundmusik.“ Er erlebt Situationen zwischen Tragikomik, Unverschämtheit von Veranstaltern und schlichter Ignoranz gegenüber seiner Arbeit. Da wird eine Jazzband für eine Veranstaltung gebucht, deren Publikum eher betrunkene Punker sehen will. Manchmal spottet das Catering jeder Beschreibung, Mokross nennt es „Nährschleim“. Was er im amüsanten Plauderton beschreibt, erleben Jazz- und Rockmusiker in ähnlicher Form immer wieder. Ich habe mich mit ihm ausführlich über das Buch unterhalten. Hier ist das komplette Interview…..
Pink Cream 69 wieder in Hochform mit „Electrified“ – neue Platte, neues Glück
Notiz: Dieses Interview von 1998 habe ich auf alten Daten-CDs gefunden. Ich habe keine Ahnung mehr, wann und wo genau ich es geführt habe. Es könnte sein, dass es im privaten Radiosender „Die Welle“ war, einfach aus Spass. Denn senden konnten wir ja bei diesem ekligen Formatradio vom infrage stehenden Album nichts. Vermutlich habe ich das Interview also sozusagen mit stillschweigender Duldung der Verantwortlichen zum eigenen Spaß aufgezeichnet und dann irgendwann transkribiert. Das wurde also bisher nirgends in irgendeiner Form veröffentlicht. Here we go……
Vor 10 Jahren waren sie angetreten, von Karlsruhe aus die Welt zu erobern: Pink Cream 69 waren bis dahin lange Jahre „Germany´s Greatest Unsigned Hope“ gewesen. Dann kam der Major-Deal und alles ging gut bis Sänger Andi Deris 1994 zu Helloween abwanderte. Nach kurzfristiger Verwirrung kam David Readman aus Manchester an Bord- und die Band klang erstmal modern, was nicht allen Fans zusagte. Vier Jahre und drei Alben später sind die Pinkies musikalisch wieder eines der wenigen verbliebenen Flaggschiffe des melodischen Hardrock, wie er eben vor 10 Jahren seine Blütezeit hatte. „Electrified“ ist geradeaus, wuchtig, pathetisch und reizt dazu, unsichtbare Gitarren zu spielen, wenn keiner guckt. Es ist ja 1998. Vorhang auf zum Tanztee mit Kosta Zafiriou und David Readman.
Also jetzt, meine Herren- Hand aufs Herz- welche Eurer neuen Songs elektrifizieren Euch selbst am meisten? Und bei welchen wird sich das Publikum vor Begeisterung in Stücke reissen?.
Kosta: Da würde ich auf jeden Fall „Stranger in Time“ nennen und dann noch „Shame“. Ich denke, dass das vielen Leuten genauso geht- einfach durch die Kombination harte Riffgitarren mit extrem melodischem Refrain, wie es jedem ins Ohr geht. Das kann man dann auch gut den ganzen Tag im Auto vor sich hinsummen. Die Ballade „Gone Again“ gehört sicher auch dazu, und ganz klar die Doublebassgeschichten, die auch immer ein Element der Band waren, hardrockiger, was uns musikalisch sehr viel Spaß macht, was aber nicht jedermanns Sache ist. Mehr ansehen
Mein erster Podcast in Englisch. Can we call it „The ear hears with“? Absurde Idee…. Anyway: ich habe Corky Laing getroffen. Eine Schlagzeug-Legende. Mountain, West Bruce & Laing …. und hier ist die vergnügliche Dreiviertelstunde …Canadian Drummer Corky Laing is best known as the drummer for rock legends Mountain and West, Bruce & Laing. Over the decades he has played, recorded and written with lots of well known musicians. He has received god records, Juno Awards and was given the Bonzo Bash Legend Award in 2014. In 2019 he released „Letters to Sarah“ – a rock autobiography with a difference. Meanwihlie, the book has been translated into German by an enthusiastic fan. I met Corky at the best and coziest living room for Metal- and Rock fans in rhe village Waldbronn/Neurod in southern Germany. We talked about Mountain, W,B & Laing, the importance of the mighty cowbell, Jimi Hendrix, Clicktracks and why and how to avoid them, Woodstock and the rest of the universe… . And so he missed the soundcheck für this interwiew an for a good german Schnitzel“. Here we go!
Poor Genetic Material sind eine Progressive Rockband aus Mannheim. Sie vertonen gerne Literatur. So haben sie Shakespeares „The Tempest“ zu Musik werden lassen, ein weitere ihrer Alben ist von James Joyces „Ulysses“ inspiriert. Im Gegensatz zum literarischen Werk ist die Musik der Band um Sänger Philip Griffiths (Prog-Fans auch bekannt als Sänger von Alias Eye) aber alles andere als schwer zugänglich. Poor Genetic Material haben sich einer Spielart des Progressive Rock verschrieben, die auf Melodien setzt, die Pathos aus eben jenen statt aus meterhohen Arrangement-Ungetümen zieht, und die immer den Song über handwerkliche Protzerei stellt. Eloy, Pink Floyd, RPWL oder Camel mögen als Referenzgrößen für Einsteiger herhalten. Da hört man eine Gitarre, die nachdenklich die Räume durchmisst, dazu eine hingetupfte Flöte. Oft perkussiv gespieltes Schlagzeug und ostinate Bässe bilden das Gundament für eine Musik, die sich viel Zeit lässt. Und Platz schafft für den Gesang. Bei dem Junior Philip immer mal unterstützt beziehungsweise abgelöst wird von seinem Vater Martin Griffiths, dereinst Sänger von Beggars Opera. Der seit einiger Zeit festes Mitglied der Band ist. Die Stimmen der beiden liegen ziemlich nah beeinander, klingen gut miteninander und sind zusammen einfach nur schön. Gerade ist ihr neues Album „Here Now“ erschienen. Ein besonderes Highlight darauf ist „The Garden“, eine 13 Minuten lange mehrteilige Suite mit wiederkehrenden Motiven, die auf der Geschichte des Schwetzinger Schlossgartens basiert. Komponiert und gesungen von Martin Griffiths, der dieser Tage Schlossführer in eben jenem herrlichen Garten ist.
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