Diese Interview erschien Ende 2012 im KURIER. Ich traf diese nette, zurückhaltende junge Frau damals im Renaissance Hotel in  Karlsruhe zum Interview. Vorher hatte ich groooooße Angst vor ihr, weil ich Videos kannte, in denen sie sich auf der Bühne schreiend in Stücke reisst. Kennen lernen konnte ich eine Frau, die so ganz anders war, als ich befürchtet hatte. Das habe ich damals aus dem Interview gemacht.

Beth Hart im KURIER-Interview

Beth Hart – heute 40 Jahre alt – hat eine wechselvolle Karriere hinter sich: 1993 startete sie bei „Star Search“ in den USA, veröffentlichte ihr Debüt und erreichte mit den folgenden Alben in den USA eine wachsende Fangemeinde, kämpfte aber auch mit Alkohol- und Drogenproblemen. Das 21. Jahrhundert erlebt eine cleane Beth Hart, die sich musikalisch immer wieder neu erfindet: Mal ist sie die toughe Rockerin – wie auf „37 Days“ (2007), mal die balladeske Singer/Songwriterin auf „My California“ (2010). Nach ihrem Soul- und Rock Coveralbum „Don’t Explain“ mit Joe Bonamassa im vergangenen Jahr hat sie für sich entdeckt, dass es noch viel mehr Musik gibt, die zu singen lohnt. Ihr neues Album „Bang Bang Boom Boom“ zeugt davon.

Wie kommt es, dass deine Alben der letzten Jahre eine so unterschiedliche Grundfarbe haben?

Man kann Musik nicht vorsätzlich planen, um seinem Publikum zu gefallen. Das ist ein großer Fehler, weil es nicht echt ist. Wenn das Publikum von mir die Farbe lila will, dann kommt das, weil sie diese Farbe gesehen haben, als sie komplett echt war, und drum lieben sie das. Wenn ich ihnen das aber jetzt gebe, aber momentan nicht dahinterstehe, dann werden sie sagen: Ah ja, sie versucht es, aber ich nehm’s ihr nicht ab. Das hat sie doch schon besser gekonnt.

Das neue Album ist sehr vielseitig…

Die Idee des Albums ist: Retro, aber eben nicht 70er Jahre-Rock-Retro. Es geht weiter zurück, zu Soul und Blues und Jazz Ich liebe es, die Stile zusammenzubringen. Als ich zum Beispiel „Spirit Of God“ schrieb, hatte ich das Gefühl, dass ich da gerade eine Art Swing-Nummer schreibe.

Als Du 2010 „My California“ gemacht hast, hat der Produzent gesagt, du solltest das Schreien lassen.

Er wollte ein Konzeptalbum, und ich dachte: es ist ein brillantes Konzept, einfach mal den ganzen schweren Stoff loszuwerden, der sehr schmerzhaft für mich war. Und es macht Sinn, das eben nicht herauszuschreien. Die Platte war auch so eine Art Heilungsprozess. Danach hatte ich dann eine totale Schreibblockade, ich dachte: So, jetzt ist alles raus.

Wie hast Du Dich davon befreit?

Als ich die Platte mit Joe Bonamassa machte, fühlte ich mich beim Singen so wohl, dass ich dachte; Vielleicht kann ich auch so schreiben. Und da war die Blockade durchbrochen, und ich fing an, in diese Richtung zu gehen.

Die Vielseitigkeit hat auch mit deinen musikalischen Vorlieben zu tun. Was hat Dich denn in letzter Zeit begeistert?

Das fing mit Amy Winehouse an. Sie hat mich an die tollen Sänger und Sängerinnen meiner Jugend erinnert. Dann war es das letzte Album von Fiona Apple. Mir kommt es gerade vor, als hätte sie eine ganz neue Musik erfunden. Dann ist da noch Aloe Blaccs Song „I Need A Dollar“.

Wie kriegt man aus so viel unterschiedlicher Musik eine spannende, dynamische Setlist für en Konzert zustande?

So arbeite ich nicht. Es langweilt mich sehr schnell, jeden Abend das Gleiche zu spielen. Es gibt keine Setlist, aber wir haben mindestens 50 Songs auf Abruf geübt. Wir werden versuchen, Songs von jedem Album zu bringen, es wird einige Covers geben, darunter vielleicht auch „Whole Lotta Love“.

Manchmal wirst du auf der Bühne zum „wilden Tier“. Braucht’s da Mut?

Für mich bedeutet Mut: Man hat Angst vor etwas und tut es trotzdem. Aber wenn ich mich auf der Bühne wohlfühle, muss ich einfach nur ich selbst sein.