Eingestellt am 25.10.2026

Schwetzingen, Schlossgarten, 29.7.2022

Naturgemäss ist ein Open Air Konzert in einem Schlosspark eher ein familienfreundliches Event, bei dem man sich über Greatest-Hits-Programme freut. Eine Band wie Toto, die doch für gelegentlich etwas mutigere Setlisten bekannt ist, macht da auch mal Kompromisse und verzichtet auf sonst gern gespielte ausgedehnte Fusion-Eskapaden vom Schlage ›Jake To The Bone‹. Aber nur Hits spielen – das kommt für Steve Lukather, Joseph Williams und die 2020 komplett neuformierte Band nicht in Frage.
Schon der Einstieg mit ›Orphan‹ vom (vermutlich) finalen Studioalbum XIV ist ein Statement der Marke »Damit habt Ihr aber jetzt nicht gerechnet«. Überzeugender kann man die Qualitäten der Band in fünf Minuten kaum in Szene setzen, insbesondere die bis zu sechs perfekt arrangierten Stimmen. Zudem hat der Sound Studioqualität und doch merkt man unmittelbar: Hier wird nicht einfach nur werkgetreu reproduziert. Vielmehr bringen die neuen Musiker ihre eigene Duftnote ein. Etwa Drummer Robert Searight, dessen Groove deutlich funkier ist als der seiner Vorgänger. Was sich besonders in der knackigen, von Keyboarder Dominique Tamplin neu arrangierten Version von ›Georgy Porgy‹ offenbart. Tamplin ist allerdings auch für den für den einzigen Durchhänger der Show verantwortlich, ein etwas orientierungsloses, spannungsarmes und vor allem zu langes Keyboardsolo. Nach dem dann allerdings die für Toto-Verhältnisse geradezu brachiale Performance von ›White Sister‹ um so überwältigender wirkt.
Steve Lukather ist in bester Laune, stellt mit hörbarem Stolz die Bandmitglieder vor und erklärt dem Publikum, warum es diese Band überhaupt noch beziehungsweise wieder gibt: Weil eben die Musik da und wert ist, von den richtige Leuten gespielt zu werden. Allen voran er selbst, der auch an diesem Abend beweist, dass er nie routinemäßig die gleichen Soli abliefert und der inzwishen vor allem auch weiß, wann es genug ist. Als Leadsänger bereichert er ›Kingdom Of Desire‹ mit dem nötigen Quäntchen Blues. Aber auch Keyboarder Steve Maggiora und Multiinstrumentalist Warren Ham tragen mit ihren Lead Vocals bei ›Waiting For Your Love‹ und ›Home Of The Brave‹ eine weitere Farbe auf die Palette auf. Das finale ›Africa‹ vor der Zugabe ist wie immer: Weihnachten, Ostern, Kirchentag und Toto-Heiligsprechung gleichzeitig: ein Hochamt der kollektiven Verschmelzung von Band und Publikum, das den vollends sinnfreien Text so beseelt wie falsch mitsingt, als wäre er eine Offenbarung von höchster Stelle.