The Theory Of Everything

Inside Out / VÖ: 28.10.2013

Die falbelhafte Welt des Arjen

Arjen Lucassen hält mit unerschrockener Standhaftigkeit das Genre Rockoper am Leben. Nun hat er wieder einmal unter der Ayreon Flagge Gastsänger (dieses Mal nur sieben!) versammelt und dazu Progrock-Veteranen wie Rick Wakeman, Keith Emerson, John Wetton und Steve Hackett. Die inhaltliche Klammer des Doppelalbums ist „der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn“, sagt der Schüpfer. Musikalisch wandert Ayreon wie immer auf dem schmalen Grad zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Virtuosität und Selbsverliebtheit – und stürzt dabei nie ab. Obwohl die vier langen Sücke des Werkes in 42 einzelne Titel unterteilt sind, obwohl sich nur ganz selten eine komplett durchgehaltene Songstruktur auftut, wirken die einzelnen Teile so, als folgten sie einem roten Faden. Nichts wirkt zsammengezwungen, nichts mit dem Rechnschieber aneinander geschraubt. Faszinierend vor allem, wie diese schnell wechselnden Stimmungen zwischen Metal, Folk-Elementen, Klassik-Anleihen, dramatischen Gesangsduetten und morgenländischen Harmonie-Einsprengseln, ja sogar Musical-nahem Pomp dann doch ein Ganzes ergeben, das man nicht anders als anheimelnd bezeichnen kann. Schönheit siegt immer über Klebrigkeit. Das Album ist das laut flackernde Kaminfeuer, an das man sich setzen möchte, wenn draussen der Sturm tobt.

8/10