Elegy
MiG / Indigo I VÖ: 25.10.2019
Die zweite Rückkehr der Zentralhippies

»Einerseits kommen wir aus der Hippiezeit und haben auch dieses Flair, aber wir spielen eben auch Blues und Hardrock und akustische Gitarrenteile und Psychedelic-Teile mit Sitar und machen daraus ein Programm.« Wenn Peter Bursch sagt, dass die Bröselmaschine ebensogut auf Folk- und Freakfestivals wie auf Metal-Klassentreffen passt, dann hat er recht. Dieses neue Album der deutschen Institution in Sachen gelebtes Hippietum stellt es unter Beweis – und schafft trotz der Wundertütenhaftigkeit musikalischer Vielfalt dennoch, eine eigene, unverwechselbare Band-Identität auszustrahlen. Der Titelsong ›Elegy‹ legt die Folkwurzeln der Band frei, elektrisiert sie und lässt das Licht der neuen Sängerin Stella Tonon scheinen. Klingt sie hier, als kleide sie sich in vegane Jutesäcke, gibt sie in ›Black Is My Colour‹, einem feist pumpenden Riff(Hard)Rocker mit schönen Doppelgitarren-Manierismen und Kalorienorgel, die brandgefährliche Lederbraut. Der Blues-Klassiker ›I’d Rather Go Blind‹ (von Etta James 1968 erstmals aufgenommen) zeigt, dass man auch in Duisburg den Blues spürt. ›Sofa Rock‹ ist von einer ähnlich meditativ-tranceartigen Stimmung getragen wie der Titelsong des Vorgängeralbums Indian Camel – nur kürzer und beschwingter. Für die angemessene Beschreibung von ›Oriental Mind‹ sei ausnahmsweise das abgestandene Bild der tanzenden Derwische erlaubt. So lange, bis sich das Stück in eine heftige Upbeat-Progressive-Rocknummer mit viel Tempo verwandelt. ›Sole Ruler‹ dagegen schleicht mit einer gehörigen Portion Mackie Messer-Feeling durch den Raum, und ganz am Schluss tut die Band das, was sie vielleicht am allerbesten kann: vor Publikum explodieren. Der ›Meidericher Shuffle‹, aufgenommen bei einem der Duisburger Jubiläums-Konzerte 2018, brennt ein wahres Feuerwerk an Inspiration des Augenblicks ab.

9/10