Nuits de Fourvière – Live in Lyon (CD/Blue Ray)

Eagle Rock / 20.9.2013

Der Rockkritiker Lester Bangs hat vor Jahrzehnten über eine Begegnung mit Bryan Ferry gesagt: »Der Mann war so gleichgültig. Er stand da im weißen Smoking mit einer Zigarette in der Hand und sagte nicht ein Wort. Man hätte ihn in eine Ecke schieben, ihm einen Martini in die Hand drücken und ihn völlig vergessen sollen. Wie alle diese auf Effekte eingestellten Bands ist auch Roxy Music mehr darauf aus, sich in immer anderer Kleidung zu zeigen und anzukommen, als sich mit der echten Rock’nRoll Musik auseinanderzusetzen.« Dafür tut Ferry bis heute so, als habe er irgendwas mit Rock-Musik zu am Hut, wie die vorliegende DVD beweist. Er bietet seinen Fans eine geschickt zusammengestellte Karriere-Werkschau von Roxy Music bis zum bislang letzten Solo-Output Olympia, und leistet sich eine kompetente Band, in der besonders der junge Gitarrist Oliver Thompson positiv auffält, der mit seinen Soli den Alibi-Rock’n’Roll für Ferrys aufwendig inszenierte Cocktail-Party gegen darf, die aussieht wie ein Silvesterball auf einem Kreuzfahrtschiff. Da gibt es Background Sängerinnen, die ein wenig Pep in des Meisters gelangweilten Gesang bringen, da gibt es zwei Drummer, was zur Musik absolut nichts beiträgt. Der Zeremonienmeister regiert lässig desinteressiert im Anzug eine überinstrumentierte Soundsuppe, um ihn herum allweil Tänzerinnen, die sich irgendwie lasziv räkeln, während musikalisch selbst eine Nummer wie das ursprünglich mal knackige ›Love Is The Drug‹ zu einem saft-und kraftlosen Bar-Schlenderer eingeebnet wird, als wolle er es schnell hinter sich bringen. Von der seifigen Belanglosigkeit, mit der er Fremdes wie Neil Youngs ›Like A Hurricane‹ zugrunde richtet, mal abgesehen. Die CD und eine Dokumentation der Entstehung des Albums Olympia runden das Paket ab, dazu gibt es ein feines 80-seitiges Booklet, das die Geschichte von Ferrys Soloalben nachzeichnet und die Musiker der DVD vorstellt. Für Fans sicher ein hochklassiges Angebot.

2/10