Frank Schäfer

Metal Antholögy

Ansichten und Meinungen eines Schwermetallsüchtigen

Natürlich ist der Titel Etikettenschwindel: Hier gibt es nichts nachzuschlagen, als Lexikon taugt das Buch nix. Eher schon als Reiseführer durch den Kopf des Autors, in dem ganztägig die Gitarren sägen, das Dosenbier schwappt und der Mitteilungsdrang in Sachen Metal und Artverwandtes nach wie vor ungebremst ist. „Ansichten und Meinungen eine Schwermetallsüchtigen“, der Untertitel, trifft es ganz gut. Schäfer erzeugt in seinen skizzenartigen, anekdotischen Erlebnisberichten – sei es von Festivals oder aus dem Innenleben des Heavy Metal Clubs Braunschweig – aber auch in einem kurzen Abriss über prägende Live-Alben eine Unmittelbarkeit, die fast schon zu riechen und zu schmecken ist. Wenn der Duden nicht mehr reicht, werden neue Wörter geprägt. Oder was beschreibt einen, der verzückt zu Birth Controls ›Gamma Ray‹ entschwebt, besser als das luzide Wörtchen „Teilzeitbatiker“? Meinungsstark ist Schäfer allemal. Ein ums andere mal führt er vor, dass Sachlichkeit der Tode jedweder wertenden Musikrezeption ist: da erklärt er es etwa kurzerhand zum Sakrileg, dass Rory Gallaghers Bruder Donal Joe Bonamassa dereinst die Strat des Verstorbenen für ein Konzert ausgeliehen hat. Schäfers ganz große Stärke ist seine Schreibhaltung zwischen Intellektualität und Rock’n’Roll, die man schon fast als – im positiven Sinne – schizophren bezeichnen könnte. Zum einen schreibt aus der Sicht des begeisterten Kindes, das sich im Dreck – in diesem Fall Lärm – suhlt, zum anderen steigt er gern mal hinauf auf die vielzitierte „höhere Warte“ des seriösen Kulturkritikers, von der er aus er nie den Überblick verliert. Dazu kann dann auch mal Adorno bemüht werden.

Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2014, 260 Seiten, 14.95 €