Frank Schäfer

Being Jimi Hendrix. Ein Essay.

Frank Schäfer, 1966 und damit eigentlich zu späte geboren, hatte sein Hendrix-Erweckungserlebnis mitLittle Wing‹, das ihm Mitte der 80er Jahre nachts auf einer Garagenparty. Also nähert er sich seinem Thema schon mal nicht als kreischender zeitgenössischer Fan und spielt auch nicht den Allwissenden. Und das macht auch den Reiz der atemlosen Collage dieses kurzen Lebens: Schäfer sichtet Presse, zeigt Zeitungsausschnitte, zitiert Zeitzeugen und Hendrix selbst und ordnet alles in den historischen Hintergrund ein. Wenn er sein Hörerlebnisse beschreibt, schreibt er anschaulich über das, was er hört. Die Deutung überlässt er weitgehend anderen, etwa den Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Klaus Theweleit, den er ausführlich zitiert. Eine kritische Würdigung des nach Hendrix’ Tod veröffentlichten Restmaterials („der postume Publikations Terror“) bescheinigt Eddie Kramers Mischpultarbeiten Authentizität, findet aber, dass die 1975 vom Jazz-Produzenten Alan Douglas verantworteten Alben Crash Landing und Midnight Lightning in ihrer Neuanordnung und Bearbeitung vorhandener Fragmente zu weit gehen. Schäfer wäre nicht Schäfer, würde er nicht auch in die Bereiche der eher abseitigen Hendrix Rezeption und -ausbeutung sein Lämpchen leuchten lassen: Da erinnert er etwa an Kaplan Flurys hochpädagogischen „Krautrockfetzer“ „Jimi. oh Jimi Hendrix“, der selbstredend die Jugend der Welt vom Drogenmissbrauch abhalten sollte: „Ji-hi-hi-hi-mi, Ji-hi-hi-hi-mi, die Welt im Rasch, das ist eine Welt die so schnell zerfällt“. Schäfer hält sich aus allen Verschwörungstheorien zu Hendrix’ Tod raus. Stattdessen scheint ihm plausibel, all diese Erklärungsversuche seien aus dem Wunsch geboren „dass wenigstens der Tod eines so exorbitanten Künstlers etwas zu bedeuten hat. Dass er nicht einfach so passiert ist, wie meistens. Lächerlich absurd und fatal willkürlich“.

Verlag Andreas Reiffer, 2012, 96 Seiten, 4,99