Hier können Sie aber nicht parken“

Der Schlagzeuger Benny Morkross schreibt über sein Musikerleben

Groupies, Champagner, ausschweifende Parties und viel Geld: Das ist das Klischeebild des Profimusikers. Die Realität sieht aber für die meisten freischaffenden Berufsmusiker deutlkich anders aus. Benny Mokross ist einer von ihnen: Der Schlagzeuger und Percussionist spielt vor allem Jazz und Weltmusik, er hat über 3.000 Konzerte gespielt und ist auf rund 60 Tonträgern zu hören. Er berieibt ein Tonstudio und ist Dozent. Zusammen mit dem Transorient-Orchestra sowie der Glen-Buschmann-Jazzakademie erhielt er 2017 den WDR Jazzpreis.

Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „… hier können Sie aber nicht parken”. Man ahnt, worum es geht: der Musiker will sein Equipment ausladen, soll es aber einen Kilometer vom nächsten Parkplatz zur Bühne tragen. Die mal zu klein ist oder bei einer Open Air-Verantaltung nicht überdacht. Kaum hat die Band den ersten Ton gespielt, ruft der Gastgeber der Veranstaltung, für die sie gebucht ist: „Das ist viel zu laut, sie dürfen die Gäste nicht erschrecken, schließlich soll das hier kein Konzert sein, sonderm gepflegte Hintergrundmusik. Er erlebt Situationen zwischen Tragikomik, Unverschämtheit von Veranstaltern und schlichter Ignoranz gegenüber seiner Arbeit. Da wird eine Jazzband für eine Veranstaltung gebucht, deren Publikum eher betrunkene Punker sehen will. Manchmal spottet das Catering jeder Beschreibung, Mokross nennt es Nährschleim“. Was er im amüsanten Plauderton beschreibt, erleben Jazz- und Rockmusiker in ähnlicher Form immer wieder. Es gibt da eigentlich keinen Unterschied. Viele Leute denken: Wer Musiker ist, der ist ein Star und verdient automatisch viel Geld. Aber als Schlagzeuger bist du in der Regel der Arbeiter im Hintergrund.“ Den man dann eben auch einmal dort antreffen kann, wo man ihn überhaupt nicht vermutet. „Der spielt, wenn er gerade nicht mit dem Star unterwegs ist, für 150 Euro in der Kneipe. Das Publikum denkt dann: Das ist wahrscheinlich irgend so ein Hobbymusiker.“

Er hat er über mehr als drei Jahrzehnte beobachtet, dass zunehmend weniger Live-Musik gebucht wird. „Heute ist bei vielen Veranstaltungen der DJ der Hauptact.“ Zudem habe sich das bild, das die elekronischen Medien von Musikdarbietungen prägen, stark gewandelt, nicht zu Gunsten der Musiker. „Das hat die Wahrnehmung verändert. Ein Star ist jemand, der singt. Wird der von Musikern begleitet? Nein. Der ist entweder alleine oder hat Tänzer um sich rum. Das sehen die Kids heute: keinen mit einem Instrument, die sehen Tänzer.“

Sein Anliegen war es erklärtermaßen nicht, ein gesellschaftskritisches Buch zu schreiben. Dass der Leser eher nebenbei dennoch eine Vorstellung bekommt von der verbreiteten Geringschätzung der Arbeit von Musikern im Besonderen und Kultur im Allgemeinen, ergibt sich aus der oft amüsanten, oft aber auch erschreckenden Lektüre von selbst. Der Subtext ist stets spürbar: Nach wie vor halten viele Menschen Kultur nicht für einen Beruf. „Sie denken offenbar, wenn eine Tätigkeit erfüllend ist, darf man nicht von Beruf reden. Sobald man Spaß hat, ist das ein Hobby.

Er selbst hat trotz der berschriebenen Widrigkeiten immer noch Spaß und auch genug Arbeit, „weil ich vielseitig interessiert bin. Manche Kollegen haben sich spezialisiert auf Hardbop zwcshein 1959 und 1963. Danit kriegst du den Kalender nicht voll.“ Wenn er mal keinen Jazz spielt, tut er das nicht aus Not, sondern aus Interesse. Darauf legt er Wert, genauso wie auf die Feststellung „ich wäre aber auch kein Drummer für die Stones. Das wäre mir einfach zu langweilig. Dann stehst Du aber jeden Abende mit den gleichen Leuten auf der Bühne und spielst die selben Stücke. Schau mal, Bill Wyman hat ja dann irgendwann wieder in Kneipen gespielt mit seiner Bluesband.“

Benny Mokross, … hier können Sie aber nicht parken. Aus dem Leben eines freischaffenden Musikers, Verlag tredition, 228 Seiten, 12 Euro

Fotos (Credit: Archiv Benny Mokross): Vielbeschäftigter musikalischer Freiberufler in Sachen Jazz, Weltmuik und Rock bei der Arbeit im Sudio.