Familienunterhaltung

Europahalle, Karlsruhe, 29.10.2011

Die Kombination ist perfekt: Zwei Bands, die ihre Variante vom Perpetuum Mobile des Rock’n’Roll zelebrieren. The Hooters als Vorband, dann Satus Quo. Zwei Bands, die Tag für Tag da auf die Bühne hinausgehen, um zu beweisen, dass die Wiederholung des ewig gleichen alles andere als langweilig ist.

Die Hooters wissen ihre Stunde zu nutzen: Hits, Hits Hits. Die meisten aus den 80er Jahren – und dennoch völlig unbelastet von damaligen Sound- und Imagekrankheiten. Erdverbunden, unprätentiös, geradlinig. Einzig der hochglanzpolierteste Hooters-Song „All You Zombies“ will mit seinem nebligen Reggae Groove ganz hoch hinaus und entfaltet dabei eine nachgerade hypnotische Wirkung. Aber selbst in diesen fünf Minuten keyboardgetriebener Erhabenheitswallung siegt Emotion immer über Perfektion, und Robustheit über Glätte. Ausser dem eigenen Material überzeugt die entschleunigte Coverversion von Don Henleys „Boys of Summer“. Mit „Caroline“ steigen Status Quo in den Ring. Das Hohelied der schnellen Liebe im schrappenden Drive der Doppelgitarrenspitze Francis Rossi und Rick Parfitt. Die Seligkeit spendende Kraft der Riffs kann schon nach wenigen Sekunden Halluzinationen verursachen. Da meint man gar, der seit einigen Jahren kurzhaarige Francis Rossi lasse immer noch seinen Pferdeschwanz fliegen. Gründe gäbe es rund 20 an diesem Abend voll dreckigem Rock’n’Roll, der den Genuss einiger überproduzierter Studio Alben völlig obsolet werden lässt. Die Bühne ist und bleibt der Ort der Berufung für diese Band. Schrille Gitarren, der ewige Shuffle-Rhythmus, das Honky-Tonk Piano – alles mit der geradezu arroganten Lässigkeit jahrzehntelanger Routine gespielt. One two three four. Da wird nicht lange gefackelt, da werden keine Gefangenen gemacht. „Something bout you baby I like“ überfährt die Tom Jones Vorlage mit der Dampfwalze, genau wie am Ende des 90minütigen Saunagangs John Fogertys „Rockin’ all Over The World“. Glatt klingt hier überhaupt nichts, nicht einmal „In The Army Now“. Da glänzt „The Oriental“ ein Song aus der Neuzeit mit einer weiteren Drehung der alten drei Akkorde und einem Quäntchen anders gestrickter Ryhtmik – und schon macht haarsträubender Blödsinn einen Riesenpsaß „Her name was Mia
from North Korea.
I said, come over, bring your Land Rover“. Aber sicher, so macht Philosophie Spaß! Herr Ober, noch ein Bier. Zwei drei vier…. und weiter, was Neues, klingt wie das Alte: „Let’s Rock“! Was denn sonst. Drei vier. Bumm. „Roll over lay down and let me in. Roll over its’a long way where I’ve been“ Aber ach, spätestens hier merkt der gestählte Dezibel-Experte: Das ist ja alles viel zu leise, und exakt an dieser Stelle kommt noch ein weiterer unangenehmer Gedanke auf: Was Francis Rossi da mit seinem Solo macht, ist keine Interpretation mehr, sondern jaulende, splatternde Parodie. Sollte der Alte gar so langsam das Interesse an der eigenen Musik verloren haben? Schrecklicher Gedanke, drum schnell noch ein Bier, die imaginierte Gitarre fest umklammert und hineingehackt bis zur finalen Reverenz an Chuck Berry. „Bye Bye Johnny“ – Johnny be goode.