Grimspound

Giant Electric Pea / VÖ 28. 4.2017

Landpartie mit üppigem Picknick

Da ist sie wieder, diese für die Band so typische englische Landmusik, die Halluzinationen erzeugt: entweder kommt gleich Inspector Barnaby um die Ecke oder ein buckliges Tantchen mit Schürzchen serviert den Five O’ Clock Tea mit Scones und Clotted Cream. ›Brave Captain‹ gibt die Richtung vor, setzt auf Vielseitigkeit, ohne dass man bewusst mitbekommt, dass ständig neue Rhythmen und Klangfarben ein eingeführt werden.

David Longdon erweist sich einmal mehr als großer Stimm-Schauspieler, zumal er dieses Mal noch mehr interessanten Chor-Arrangements vorstehen darf als bislang – insbesondere im Titelsong, der allerdings aufs Ganze etwas zerfahren herumfuhrwerkt. Das passiert noch ein weiteres Mal: ›On the Racing Line‹ beginnt als irrlichternder Fusion Jazz, versandet aber in ziellosem Gitarrengeplänkel. ›Experimetal Gentleman‹ dagegen kommt stolz schreitend mit einem eingängigen, geradlinigen Refrains. Mit ›The Ivy Gate‹ schafft die Band ein Sahnestückchen schön-schauriger Mystery-Folklore. Rachel Halls Geige schluchzt geheimnisvoll, und Gastsängerin Judy Dyble (die auf dem Debütalbum der Folkrock-Ikonen Fairport Convention gesungen hatte) kündet vom Erscheinen eines Geistes an einem alten Friedhofstor. Ein wunderbarer Kontrast zum darauf folgenden Höhepunkt des Albums, dem hymnisch-feierlichen A Mead Hall In Winter, das in einer instrumentalen Orgie der chorgeschwängerten Erlösung entgegenfiebert, die nach 15 erregenden Minuten auch eintritt.

8 1/2 / 10