Chris Thompson, Fabrik Bruchsal am 20.3.2014

Welch ein Konzertbeginn: Punkt 20 Uhr flutet ein mehrstimmiger Gesang, glasklar und präzise. Chris Thompson und Band zelebrieren vor rund 250 Zuschauen ihre neue Single „Million Dollar Hit“. Selbstironie? In den 80er Jahren wäre diese Musik, die die intelligente Seite des radiofreundlichen Pop widerspiegelt, mit Sicherheit ein Hit gewesen. So wirkt sie eher als Reminiszenz an eine Zeit, in der es vorrangig um packende Refrains, empathische Stimmen und solides Handwerk ging.

Die Stimme hat der heute 67jährige immer noch. Mit ihr hat er die erfolgreichste Phase von Manfred Manns Earthband geprägt, und so verwundert es nicht, dass knapp die Hälfte des Programms beim Konzert in der Bruchsaler Fabrik aus dieser Zeit stammt. Die norwegische Band hinter dem Frontmann interpretiert das Material nah an den Arrangements der originalen Studioaufnahmen aber doch mit eigenen „Versatzstücken“ ergänzt, und man hört und staunt: Das Zeug hat zeitlose Qualität. Wert 80er Jahre Musik, die streckenweise unter produktionstechnischem Firlefanz zu leiden hatte, heute so lebendig, mit enormen Druck und vor allem einer solchen Spielfreude zelebriert, der hat schon gewonnen. Allen voran Mads Eriksen, der als Gitarrist zumindest in seiner Heimat ein Star ist. Was der in „Demolition Man“ solistisch aufführt, lässt manch einem Zuschauer die Kinnlade herunterfallen: Eine mehrstufige Rakete von sorgsam umspielten Akkorden bis zum jaulenden Wah-Wah- und Tapping-Exzess. Sein Spiel steht exemplarisch für das, was die Band als Ganzes tut: Sie hält den Pophits den Spiegel vor und zeigt ihnen, was sie in Wahrheit sind: Krachende, aber stets freundliche Rocknummern.

Aber sie könne auch anders: Für „Whole Lot To Give“ packt Thompson die Mundharmonika aus und startet damit einen Midtempo-Bluesshuffle, in dem sofort ein ganz andere, intimere Stimmung herrscht. Sie tun es nicht, aber man traut den Herren, insbesondre dem Ausdrucks-Stoiker Gunnar Bjelland and den Keyboards jederzeit zu, auch Jazz spielen zu können. Derselbe Gunnar Bjelland zeigt aber eine merkwürdige Zurückhaltung, wenn es um Manfred-Mann-Soli geht. Sprich: Er vermeidet alles, was an den Meister erinnert.

Im Intro zu „For You“ schwächelt Thompson stimmlich leicht – wie überhaupt immer dann, wenn er leise und eher verhalten singt. Aber diese Brüchigkeit der Stimme passt ganz gut zum Inhalt: „Crawl into my ambulance, your pulse is getting weak“. Sobald wieder Druck gefordert ist, ist die Stimme wieder präsent wie eh und je. „The Voice“ kommt als nächstes, der von Thompson geschriebene Song, der seinerzeit für John Farnham zum Welthit wurde, und der vermutlich Chris Thompsons Rente bis heute sichert. Spätestens jetzt ist das Publikum völlig aus dem Häuschen und singt mit glänzenden Augen mit.

Thompson leistet sich den Luxus, nach „Blinded By The Light“ nochmal zwei seiner neuen Songs an das Ende des regulären Sets zu stellen. „Woe is me“ ist der, der eine ganz andere Seite zeigt: Musikalisch nah an einem traditionellen Worksong umgebaut, überzeugt diese Stückchen vor allem durch sein charmante Schlichtheit. Dass im Zugabenteil der „Mighty Quinn“ zu vollfettem Volumen aufgeblasen wird, versteht sich von von selbst. „Davys On The Road Again“ ist der Schlusspunkt, und da ist man ganz sicher, dass Chris noch lange „on the road“ sein wird.