Eingestellt am 20.10.2026
Deep Purple. Support: Jefferson Starship. Stuttgart, Schleyerhalle. 14.10.2022.
Es mag dem Ehrgeiz oder menschlicher Hybris geschuldet sein. Aber es ist keine allzu gute Idee, den Set ausgerechnet mit ›Highway Star‹ zu beginnen. Jenem Trademark-Song aus dem wohl bekanntesten Deep Purple-Album Machine Head, bei dem der mittlerweile 77jährige Ian Gillan doch arg zu kämpfen hat. Aber geschenkt, denn davon abgesehen hört man schon in diesen ersten Minuten: Deep Purple bleiben auch dann Deep Purple, wenn nun anstelle von Steve Morse Simon McBride die Gitarre bedient. Denn es ist alles da, was es braucht; der fette Klang, der mit den zwei Lead-Instrumenten eben nur bei dieser Band so erzeugt wird. Selbstverständlich hält sich auch McBride in den melodischen Bestandteilen der Gitarrensoli an die Linien, die schon weiland Ritchie Blackmore vorgegeben hatte. Da allerdings, wo er sich alle Freiheiten nehmen kann, wirkt sein Spiel weniger leichtfüßig als das seines Vorgängers Steve Morse. Wie das zu bewerten ist, mag der geneigte Musikerpolizist im Publikum individuell für sich selbst entscheiden.
Der Originalaufnahme nahe ist der bewährte Konzertklassiker ›Pictures Of Home‹, gefolgt von ›No Need To Shout‹ und ›Nothing At All‹ – den beiden einzigen Stücken vom 2020er-Album Whoosh, die es in die Setlist geschafft haben. Hier sitzt Gillans Stimme genau richtig und verbreitet die Emotionalität und Wärme, die den Songs und auch ihren Textinhalten angemessen ist. Bemerkenswert ist die ansprechende optische Umsetzung auf drei Videowänden, bei der immer wieder beeindruckende – aber nie überladene – Bilder im Wechsel mit den Nahaufnahmen der hart arbeitenden Musiker gezeigt werden. Diesbezüglich sind die Herren, denen man ihr Alter überdeutlich ansieht, vollkommen uneitel.
Im weiteren setzt die Band auf Nummer sicher. Zählt man ›When A Blind Man Cries‹ mit, bietet das Konzert ein halbes Dutzend Machine Head-Songs. Wobei Gillans Interpretation dieses Songs zum Niederknie ist: da wringt er jeden Ton bis in den letzten Winkel emotionaler Tiefe aus und Don Airey spendiert ein extra Orgelsolo. Warum vom hervorragenden Now Whah?!-Album ausgerechnet das pompös-nichtssagende ›Uncommon Man‹ im Programm ist, weiß alleine die Band. Und Simon McBride macht es mit seinem überlangen, ziellos lärmigen Intro auch nicht besser. Überzeugend dagegen wie immer ist ›Perfect Strangers‹, das nichts an Wucht und Brillanz verloren hat.
Gillan meistert es souverän, während McBride in den Strophen den Mittelweg zwischen Blackmores kompletter Arbeitsverweigerung und den Space-Klängen à la Steve Morse sucht, indem er einfach ein bisschen heavier spielt, und das steht dem Song. Auch in der Zugabe geht die Band auf Nummer Sicher: Nichts vom Cover-Album, was hier ganz gut passen würde, dafür ›Hush‹ mit einer schönen, ausgedehnten Gitarre-Orgel-Jam-Orgie und ›Black Night‹. Kein überragendes Konzert, aber ein solider Einstand der neuen Besetzung.
Jefferson Starship hatten als Support Act die schwierige Aufgabe, die Airplane-Klassiker ›White Rabbit‹ und ›Somebody To Love‹ mit den eher pappigen Starship-Hits der 80er-Jahre zusammenzubringen. Was schon fast unfreiwillig komisch wirkte, aber souverän präsentiert wurde.