Eingestellt am 7.11.2026. Mit KI-Material.
Leute, ich bin kein kritikloser Böhmermann-Fanboy, und einige seiner letzten Magazin Royale- Sendungen waren recht schwach. Zudem, mit 70 ist man sowieso kein „Fanboy“ von irgendwas mehr, ausser von Freiheit, Demokratie und Deep Purple. Aber was für einen grandiosen Coup Böhmermann mit dem Selenskij-Interview gelandet hat, merkst Du schon an den Reaktionen. Was wir sehen: Zwei Demokraten im Gespräch. Der eine, Selenskij, bekämpft die Massenmörder von heute. Der andere – Böhmermann – arbeitet mit seinen Mitteln satirisch gegen die Massenmörder von morgen. Was sehen die anderen, die Feinde der Freiheit? Die Linksextremen sind empört, die Rechtsextremen sind empört.
Julian Reichelt macht gleich eine Staatsaffäre draus, darunter macht er es ja nicht. Gut – das ist der Mann, der John Lennons „Imagine“ für den islamistischen Terrorismus verantwortlich macht, da wundert nur wenig. Reichelt also schäumt, man müsse jetzt der Ukraine (wegen Böhmermann!) jede Unterstützung entziehen und den ukrainischen Flüchtlingen in ihren fetten SUVs müsste man das Bürgergeld wegnehmen. Da schau her, und ich dachte immer, Satiriker hätten keine Macht. Und jetzt sehen wir: Sie bringen sogar Demokratieverächter zur Implosion. Auf der anderen Seite des Spektrums, bei den Putinknechten der „Nachdenkseiten“ schreibt ein Tobias Riegel: „Selenskyj darf in der befremdlich kumpelhaften Plauderei praktisch sagen, was er will – und (fast) nichts wird hinterfragt. Zum Beispiel Selenskyjs Äußerungen zur Vorgeschichte des russischen Einmarsches, also zur Zeit zwischen 2014 und 2022, sind eine total unseriöse Verzerrung der Vorgänge“. Aha. Die Vorgeschichte ist meines Wissens die Besetzung der Krim durch grüne Männchen, vulgo Putins Schergen. Aber für die fünfte Pressekolonne des Moskauer Schlächters gibt es ja alternative Fakten.
Bleiben noch die „richtigen Journalisten“. Einige wenige ordene dieses Interview sachlich ein und attestieren Böhmermann, dass er die richtigen Fragen stellt. Beispielsweise die Frage, warum derzeit keine Präsidentenwahl abgehalten wird. Die Rheinische Post konstatiert durchaus wohlwollend: „Das Ambiente während des exklusiven Interviews für „ZDF Royale“ in einem Berliner Hotel ist gedämpft, die Beleuchtung sparsam. Es geht um Krieg, Macht und den Einfluss reicher Männer – bis ganz zuletzt doch ein paar heitere und optimistische Noten angeschlagen werden.“ Und was macht der traurige Rest unserer Qualitätsjournalisten? Lässt sich zur Ader und demaskiert sich bis zur Kenntlichkeit. Beispiele gefällig?
Falls man den Cicero zum „Qualitätsjournalismus“ zählen darf: Auch hier ist der verzweifelte Neid auf Böhmermanns Scoop herauszulesen. „Jan Böhmermann hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj interviewt. Doch statt die Gelegenheit für ein ernsthaftes Gespräch zu nutzen, verliert sich der Moderator in Klamauk und politischen Seitenhieben. Aus einem Scoop ist eine Farce geworden“, schreibt dort ein Journalisten-Darsteller namens Mathias Brodkorb. Bei der Süddeutschen Zeitung kommt der Neid etwas subtiler, schüchterner, verklemmter daher: „Man muss dem Moderator nicht absprechen, dass es ihm mit diesem überraschenden Interview-Coup auch darum ging, Solidarität mit der Ukraine zu zeigen. Aber mindestens an zweiter Stelle – sehr knapp hinter Selenskij – ging es Jan Böhmermann bei diesem Interview sicher um Jan Böhmermann. Der es allen noch mal zeigt. Böhmermann bot Selenskij eine spezielle mediale Bühne, aber vor allem schlich er sich natürlich auf die große Bühne, die dieser Mann selbst mitbringt“. Jahaha! Janchen, der fiese Bühnen-Erschleicher. Selbstverständlich ist Böhmermann auch ein eitler Fatzke. Genauso wie Wolf Biermann, den ich an dieser Stelle vor kurzem gelobhudelt habe. Auch für seine Eitelkeit. Leute, die immer wieder zu solchen Überraschungscoups fähig sind, die dürfen das. Da kenne ich garnix. Fällt mir gerade ein: Böhmermann interviewt Biermann. Das wäre doch mal was. Weniger anzeigen