Ein Treffen mit Albert Hammond

Erschienen in den Badischen Neuesten Nachrichten im April 2017

Deutschland hat Albert Hammond immer geliebt, seit er in den 60er-Jahren mit der Band Family Dogg zum ersten Mal im legendären ‘Beat Club’ aufgetreten ist. „Das hat nie aufgehört. Als ich nach 35 Jahren wieder angefangen habe, auf Tour zu gehen, wusste ich, dass ich in Deutschland anfangen würde. Damals haben mir eine ganze Menge Fans gesagt: Wir dachten, du wärst tot, weil sie nichts mehr von mir gehört hatten. Viel wussten nicht, dass ich diese ganzen Songs geschrieben hatte. Songwriter sind eben nur im Business Promis, für die Leute draussen zählt nur der Sänger“.

Hammond aber ist noch immer sehr lebendig. Der Mann, der mit rund 360 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Songschreibern aller Zeiten zählt, der mit selbst gesungenen Hits wie „It never rains in Southern California“ die Hitparaden stürmte und ungezählte Welthits für andere schrieb – von „The Air that I breathe“ (Hollies), bis „One Moment in Time“ (Whitney Houston) – hat vor kurzem das Album „In Symphony“ veröffentlicht. Er hat es mit Musikern der bekanntesten Londoner Symphonieorchester im legendären Abbey Road Studio aufgenommen.

Mit den Neuaufnahmen der größten Hits seiner über fünfzigjährigen Karriere ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung. „Aber bisher hatte mir niemand die Gelegenheit dazu gegeben. Die Leute von der Plattenfirma kamen zu einer meiner Shows und fanden sie so toll, dass sie mich gebeten haben, so eine Platte aufzunehmen“. Hätte er ein solches Projekt zu Zeiten von „It Never Rains In Southern California“ in Angriff genommen, die Orchestermusiker hätten ihn wohl von oben herab behandelt. Heute ist das anders: „Es war unglaublich. Da war ein so tiefer Respekt für die Musik, die sie spielen sollten. Schliesslich waren sie ja alle mit dieser Musik aufgewachsen. Sie haben das wirklich mit Herzblut gemacht“. Was ihn aber hörbar wundert, ist die Bereitschaft der Plattenfirma, viel Geld in einen „uralten“ Künstler zu investieren. Der am Tag nach seinem kommenden Karlsruher Konzert 73 Jahre alt wird.

Hammond betrachtet seinen jahrzehntelangen Erfolg immer noch wie ein Kind, dem gerade ein wunderbares Geschenk gemacht worden ist. Schmunzelnd erinnert er sich an den Tag, als der riesengroße Johnny Cash dem eher kleinen Albert Hammond von oben herab einen Kompositions-Auftrag erteilte: „Ich fühlte mich wie Paul Simon. Ich war ganz neu im Geschäft und hatte gerade ‘It Never Rains In Southern California’ gemacht. Er hatte es vielleicht gehört und dachte: Der Junge könnte einen Song für mich schreiben. Er hat mich dafür eingeladen, eine Woche bei ihm in Nashville zu wohnen. Kurz davor wäre ich der glücklichste Mensch gewesen, wenn ich ein Autogramm von jemandem wie ihm gekriegt hätte.“

Hammond hatte immer ein glückliches Händchen für den Zeitgeist. Nicht nur in rein musikalischer Hinsicht. Mit „Down By The River“ sang Hammond 1972 einen der ersten erfolgreichen Protestsongs gegen Umweltverschmutzung. Würde er heute einen politischen Song schreiben, was wäre sein Thema? „Derzeit kümmern sich die Politiker nur um sich selbst. Wir wählen sie und sind von ihnen abhängig. Aber sie haben die Macht, das zu tun, was sie wollen, zunmindest vier oder acht Jahre. Das große Problem unserer Zeit ist die Korruption.“

Im Jahr 2000 hat der gebürtige Engländer, der seit über 50 Jahren in den USA lebt, aus den Händen der Queen den Verdienstorden Order Of The British Empire erhalten. Auch das kam ihm wie eine Traum vor, den er bis heute kaum fassen kann: „Meine Reaktion damals war: Wow, da nehme ich meine Mutter mit und sie wird mächtig stolz sein, in den Buckingham Palast eingeladen zu werden und darauf, dass der Sohn eines Feuerwehrmannes und einer Hausfrau die Königin trifft, und die ihm einen Orden ans Revers heftet. Sie hat es genossen.“ Ihr Sohn ist ganz sicher, dass er sich bei diesem Anlass angemessen benommen hat. Seine Mutter habe sich jedenfalls nicht beklagt. „Sie ist jetzt 97. Wenn wir uns unterhalten, nennt sie das immer noch einer der Höhepunkte ihres Lebens.“