Live in Hyde Park

eagle vision/ VÖ: 14.9.2015

28 Jahre waren seit dem letzten ELO-Auftritt vergangen, als Jeff Lynne im September 2014 das Flaggschiff des pompös arrangierten Edelpop mit vorsichtig dosierten Rock-Applikationen noch einmal für ein Konzert im Hyde Park reanimierte. Die 50.000 Tickets für die Show sollen in Minuten ausverkauft gewesen sein. Jeff Lynne’s Electric Light Orchestra, dem neben dem Chef als einziges weiteres Originalmitglied Keyboarder Richard Tandy angehört, liefert zusammen mit der Band von Take That (inklusive It Bites- und Steve-Hackett-Tourbassist Lee Pomeroy) und dem BBC Concert Orchestra die Show ab, die die Fans erwarten: Perfekt inszenierte, notengetreue Wiedergabe der Vorlagen – allesamt Hits – von Evil Woman bis Telephone Line‹. ›Do Ya‹, der einzige wirkliche Rocker der Band, fehlt in der Setlist. Ansonsten ist alles da: Lynnes Stimme – die nichts an Volumen verloren hat, die fetten Streicherarrangements, eine ansprechende aber nicht überzogene Licht-Optik, die Geigerin im Mini-Kostüm und die Gewissheit, dass es fast keine Überraschungen geben wird. Immerhin hat sich mit Handle With Careein Traveling Wilburys- Song ins Set geschlichen, den Lynne den George Harrison und Roy Orbison widmet. Es ist ein Abend familienfreundlicher Abendunterhaltung. Wie ein gelungener Hollywood-Film, der 90 Minuten lang Laune macht. Bis man sich wieder den wirklich wichtigen Dingen zuwendet. Obendrein bietet die DVD die BBC-Dokumentation Mr. Blue Sky, die den Meister als einen eher schüchternen, zurückhaltenden Tüftler zeigt, der sich seinen Erfolg nicht so recht erklären kann. Das tun dafür andere: Tom Petty nennt als Lynnes wichtigste Einflüsse Del Shannon, Roy Orbison und die Beatles und hat damit vermutlich recht. Joe Walsh attestiert ihm: »Er hört das fertige Produkt, bevor es aufgenommen ist«, und Paul McCartney vergleicht ELO mit Sgt. Pepper. Monty Python-Veteran Eric Idle allerdings findet es schade, dass Lynne seine erste Band Idle Race verlassen hat: »Das wäre ein viel besserer Name für eine Band gewesen.« Weiters Bonusmaterial ist ein aktuelles Interview. Untertitel in Deutsch, Spanisch und Französisch sind anwählbar.

6/10