Frank Schäfer

Talking Metal

Headbanger und Wackengänger. Die Szene packt aus

Frank Schäfer stellt den richtigen Leuten die richtigen Fragen, deshalb ist es auch durchaus verdienstvoll, sich dem Innenleben der Metal-Szene in Interviewform zu nähern. Schäfer ist Fan, Journalist und Musiker. Er stellt nicht einfach Fragen, er diskutiert seine Themen mit den Interviewpartnern, die durch die Bank Überzeugungstäter sind: der Produzent, der Musiker, der Journalist, der Festival-Veranstalter, der Roadie u.a.. Schäfer meidet weitgehend Superpromis, die eh nur Politikerantworten geben würden. Damit wird er seinem eigenen Anspruch gerecht: der Frage nachzugehen „wie sich die Menschen ihre Passion so lange erhalten können, selbst nachdem die zu ihrem Job geworden ist“. Der Journalist Matthias Penzel ist überzeugt, der Metalfan höre seine Musik laut, weil sie ihm mehr ist als ein Accessoire. Der Produzent Sascha Paeth erzählt vom Spagat zwischen den Möglichkeiten der Studiotechnik und der metal-immanenten angestrebten Gefühlsechtheit, der Radiomann Jakob Kranz will jede Woche neue „aufregende, anregende und auch polarisierende“ Songs vorstellen. Wer Logos entwirft, muss ein Fan sein, bekennt der Grafiker Christophe Szpaijdel. Trefflich diskutieren lässt sich über Thesen des Musikwissenschaftlers Dietmar Elflein: Der findet, British Steel sei „schon sehr Pop“ und Black Sabbath seien zumindest auf dem ersten Album keineswegs der Gegenentwurf zur Hippiebewegung. Unter den Metalhörern verortet er „einige, die sich damit auch intellektuell beschäftigen, andere wiederum ‘wanna have fun’ Beides ist absolut gleich legitim.“ Genau so ist es – und von beiden „Sorten“ gibt es in dem Buch noch einige mehr.

Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2011, 240 Seiten, 14,95 EURO