Mark Blake (Edited by Mal Peachey)

The Ballad Of Jethro Tull

Man reibt sich die Augen und fragt sich: was? Noch ein Buch über Jethro Tull? Seit Jahren kommt man kaum hinterher, all die bisher erschienen Publikationen und die in den hintersten Winkel der Bandgeschichte leuchtenden – im positiven Sinne – monströsen Booklets der Jethro-Tull Re-Releases zu lesen, und nun das. Aber The Ballad Of Jethro Tull präsentiert sich als »das erste offizielle Buch« über die Band und setzt noch einen drauf. Schon die Classic Version ist ein hochwertiges Buch, mit viel bislang nicht gezeigetem Fotomaterial und ansprechenden Illustrationen ausgestattet, die auch den Tull-Addicionado befriedigen sollte, der bislang glaubte, schon alles zu haben und zu wissen. Es ist auch eines dieser Bücher, die im Herrenzimmer auf dem Beistelltisch neben dem Humidor und dem Whisky-Tumbler eine gute Figur machen. Inbesondere die auf 500 Exemplare limitierte (bereits durch Vorbestellungen ausverkaufte), in einer handgearbeiteten Box gelieferte und von Ian Anderson handsignierte Signature Edition, der eine Vinylsingle mit speziell für das Buch entstandenen Aufnahmen und Originaldrucke der Werke des Illustrators Peter Klucik beiliegt.  Der Inhalt? Ian Anderson und viel ehemalige und aktuelle Mitglieder der Band erzählen entlang der Hostorie ihre ganz persönliche Sicht der Dinge, gelegentlich kontrovers und vor allem gespickt mit Anekdoten. Da will ein ihm unbekannter Fan von Anderson Autogramme auf Tull-Alben seiner Mutter und bekennt, auch selbst ein Fan zu sein. Und dass Jethro Tull sein eigene Musik sehr beeinflusst habe. Der Name des Fans: Joey Ramone. Da wunderte sich Drummer Clive Bunker, als Ian Anderson erstmals mit einer Flöte auftauchte: »Hör mal, Ian: Wir sind eine Blues Band, keine Jazz Band«. Eine Bluesband? Anderson sagt über die Anfänge: »Ich hatte nicht den kulturellen, ethnischen oder geographischen Background eines schwarzen amerikanischen Bluesmusikers. Der Versuch, in diese Fusstapfen zu treten als weisser britischer Junge aus der unteren Mittelschicht war einfach nicht glaubwürdig.«.Das Buch beschrteibt die Band als musikalisches Cvhamäleon, das sich auch mal an seinen eigenen Ansprüchen verhen konnte. Die Amerikaner verstanden Thick As A Brick nicht, A Passion Play – von den einen geliebt, von den anderen hehasst, verstand die Band zum Teil selbst nicht. Während Jeffrey Hammond Hammond findet, es habe auch viel Gutes, meint der Chef, es sei viel Selbstgefälligkeit im Spiel gewesen. Und dass die Drum Machines, die er für Under Wraps statt eines lebendigen Drummes einsetzte, ein Fehler waren – das gibt er heute offen zu. Da darf Barriemore Barlow, Ex-Drummer über die kurzlebige Besetzung mit Eddie Jobson zu Zeiten des Albums A. Ablästern. »Es kam einem so vor, als täte er ihnen einen Gefallen, indem er mitspielte.« Die Gründe, warum sich Anderson von seinem jahrzehntelangen Gitarristen Martin Barre trennte, werden allerdings auch hier nicht wirklich erhellt. Dafür wissen wir jetzt, warum die Band für Crest Of A Knave den Grammy für das beste Heavy Metal Album bekam – was damal allgemeine Heiterkeit unter den echten, wahren Hedbangern auslöst. »Sie gaben uns den Grammy, nicht weil wir Heavy Metal waren, sondern weil wir ein Haufen netter Kerle waren, die noch nie einen Grammy gweonnen hatten«, frotzelt Anderson.

Rocket 88 Books, 2019, 216 Seiten, 40 GBP