Tollhaus, Karlsruhe, 11.9.2014

Wer in einem Songtext „Petrosilia, Che Guevara, Mata Hari, Metaplastik“ und „Kama Sutra“ unterbringt, dem wird man kaum zu nahe treten, wenn man ihm einen gewissen Unernst unterstellt. Genau damit trifft man den Markenkern der Jewish Monkeys. Die Band, die sich um Ronni Boiko und Jossi Reich („ein unangenehmer Name“) und Gael Zeidner gruppiert, hat in der Tat einen besonderen, bissigen Humor voll subtiler politischer Anspielungen und erotischer Zügellosigkeiten. Boiko und Reich kennen sich aus Knabentagen in Frankfurt, wo sie in der Synagoge sangen. In ihren Dreissigern nach Tel Aviv ausgewandert, haben sie jetzt als etwa 50jährige mit ihrer kongenialen Bandbesetzung das funkensprühende Vehikel für ihre – durchaus ernstzunehmende – Musik gefunden.
Bei der Karlsruhe-Premiere im Tollhaus am Freitagabend zogen sie alle Register: Vollbedienung für Kopf und Bauch. Jossi Reich beschreibt die Musik als modernen jüdisch-jiddisch-ostjüdischen-ashkenasisch-orientalisch-klesmatischen Sound, und hat damit wohl recht. Sie packen viel rein, am wenigsten Klezmer. Sie integrieren die Rock-Instrumente Bass, Gitarre, Schlagzeug gleichberechtigt mit Akkordeon und Posaune. Sie bringen die Menschen mit vertrauten Mustern tanzbarer Balkan-Folklore auf die Beine, und zwingen sie mit komplexen Rock Arrangements und der klagenden Schwermut der Synagoge zum Hinhören. Wenn man gerade nicht ob der musikalischen Eklektizismen offenen Mundes staunt, fragt man sich: Worum geht’s? Was erlaubt ist bei einer Band, die in umfänglichen Interviews Widerspüchliches über ihr eigenes Selbstverständnis sagt.
Eigentlich geht es ja in „Caravan Petrol“ und Ölreichtum, Geldgier und die Zusammenhänge zwischen all dem. Aber man sei gewarnt: Quasi als Motto steht über der CD „Mania Regressia“ ein Satz, demzufolge jeder genau das nicht ist, was er vorgibt zu sein. Der Held es genannten Songs der erst für saubere Energie plädiert, macht sich zum fröhlichen Offbeat an die Tochter des Ölmagnaten ran. Da ist sie wieder, diese abgrundtief versaute Jewish Monkeys Lyrik, immer mit unschuldigem Lächeln vorgetragen „Fatima Morgana was licking my Banana erupting a fontana“. Das kann ja jeder, werden gestrenge Humorwächter nun sagen. Ja, aber nicht mit diesem harten Akzent, der auch nicht vor grammatikalischen Freiheiten zurückschreckt.
Nebenbei bemerkt: „Caravan Petrol“ ist ein Cover des neapolitanischen Sängers Renato Carosone, das sich die Herren einverleibt und mit neuem Text ausgestattet habe. Ein Trick, der in diesem Programm noch öfter aufs Zauberlichste funktioniert. Da wird Ian Durys „Hit me with You Rhythm Stick“ in einer schier endlosen, in viele populärmusikalischen Verästelungen wandernden Version ins Jiddische verdolmetscht: „Shlug mech mit deym Steckale, shlug mech, shlug mech!“.
Was sind die Jewish Monkeys? Eine politische Band? Pures Entertainment? Beides? Wenn sie in Ihrem um bewusst klischeehaft erweiterete jüdisch-arabische Dialoge („They killed us in Europe, we need real estate“) zu dem Schluss gelangen „Let’s take the banana boat to the fucking middle east.“ Politik oder Entertainment? Am Ende siegt das Entertainment. Der Saal wird von ekstatischen Ausdruckstänzern übernommen, die Jewish Monkeys beginnen, Songs zu wiederholen. „Wir können nicht mehr. Wir müssen nach Hause, unsere Mütter warten“, verkündet Jossi Reich.