Karlsruhe, NCO-Club, 18.4.2026

Schon seit Kindertagen seien sie zusammen, stellt Kraan-Bassist Hellmut Hattler irgendwann im Lauf des Abends fest: Er, Gitarrist Peter Wolbrandt und Drummer Jan Fride. Letzterer sei sein Banknachbar in der Schule gewesen. Und „man hat uns immer gewarnt, wir sollten uns einen richtigen Job suchen.“ Das war 1971. „Nach 55 Jahren haben wir immer noch kein Job“. Diesen Nicht-Job machen die drei Herren über 70 nach wie vor mit hör- und sichtbare Leidenschaft, Gerade ist das neue Album „All In“, das am Merchandising-Stand gern in der Vinyl-Version gekauft wird, und der ikonischen und unverwechselbaren Kraan Musik eine neu Facette gesellt.

Ganz egal, ob die Musik nun originär auf Bassist Hattlers oder Gitarrist Wolbrandts Ideen aufbaut: Kraan ist zuvörderst immer Bandmusik. Musik, die klingt, als entstünde sie aus einer einzigen symbiotischen Kraft, die Emotionen auslotet, konzentriert und dann befreit fliegen lässt. Virtuosität ist bei Kraan nie Selbstzweck, instrumentale Glanzleistungen kommen eher gelassen und als Teil des melodischen Grundbrummens daher denn als ekstatischer Hochleistungssport. Die harmonische Seite der Band gewinnt auch dadurch, dass man sich vor Jahren von der zwischenzeitlichen Triobesetzung verabschiedet hat und der deutlich jüngere Gast-Keyboader Martin Kasper mit seiner Spielweise in manchen Momenten an den 2019 verstorbenen Ingo Bischoff erinnert.

Krautrock? Jazzrock? Hippiemusik? In welche Schublade Du Kraan-Musik auch auch stecken willst, sie passt nicht hinein. Denn immer wenn Du denkst: Erwischt, jetzt habe ich die Schublade, klemmt sie schon.. Für den wallend wabernden Wohlklan des Progressive Rock ist Kraan Musik dann doch nicht fetthaltig genug. Die eiskalte Präzision zeitgenössischer mFusion-Musik ersetzen die Musiker mit dezent schludriger Eleganz. Die einzige passende Schublade heisst Freiheit. Die trägt die Solisten auf Hattlers durchgehend schnurrendem, nie aufdringlichen Groove-Motor und Jan Frides lässigem, mit unzähligen Ghost-Notes gespickten Drumming überall hin, wo sie hinwollen. Per Wolbrandt ist ein Gitarrenklang-Asthetiker. Nie aggressive, den Wert des sorgsam getupften Einzeltones schätzend und immer in direktem Blickkontakt mit Hattler. Man hört und sieht vor allem auch gerne der Interaktion dieser gereiften Schülerband zu. Die immer noch wirkt, als habe sie gerade eine neues Spielzeug entdeckt. Selbst schier endlos erscheinende Klassiker wie „Borgward“ werden so zu einer Übung in kontrollierter Hypnose – und dabei keine Sekunde lang langweilig. Das ebenfalls gereifte, überwiegend männliche Publikum wippt dazu glückselig im Gestühl. Geübt hatte man schon bei der Karlsruher Vorband Trigon, die über mehr als drei Jahrzehnte von anarchischer Improvisation zu klar strukturierter Musik mir zahlreichen Wahwah-getränkten Gitarrensoli gefunden hat.