The Grand Illusion/ Pieces Of Eight

Edel / VÖ: 1.1.2017

Zeitreise im Theatersessel

Der Konzertbeginn und damit die Einladung zur Zeitreise zitiert den Star Wars Vorpann, und genau darauf nimmt sie auch Bezug: 1977 kam er erste Star Wars Film ins Kino, 1977 erschien Styx’ Erfolgsalbum The Grand Illusion, ein Jahr später Pieces Of Eight. Die beiden Alben hintereinander aufzuführen, macht Sinn, denn sie sind stilistisch aus einem Guss, und haben bis heute den nötigen Massenappeal. Styx zu mögen gehört zu den „Guilty Pleasures“ gesetzterer Menschen in der Mitte des Lebens, die auch wissen, dass Gimmicks wie das drehbare Keyboard eigentlich Affentheater sind – aber in diesem Kosmos ihre Berechtigung haben, Das altehrwürdige Orpheum Theater in Memphis ist zudem der perfekte Rahmen für die opulente Inszenierung, die musikalisch höchst ansprechend ist: mit ruhigen Schnitten auf DVD gebracht und auch akustisch top: Transparent klingt es, die Band spielt das alte Zeug mit Inbrunst, gar präziser, zupackender und härter. Das liegt zum einen an Tommy Shaws Soli, die er mit eiskalt lächelnder Coolness herausschleudert, zum anderen am sichtbar kommunikativen Teamplay, und nicht zuletzt an Drummer Todd Sucherman, der technische Finesse mit akkurater Prügelwut verbindet. Dass James Young einige Gesangsparts zerbrüllt, ist eine lässliche Sünde. Dafür freut er sich offensichtlich wie ein Kind, weil sie nun auch Stücke live umsetzen können, an die sie sich zu Star Wars Zeiten nicht herangetraut hätten. Alt-Basser Chuck Panozzo kommt für ein paar Nummern mit auf die Bühne – und so wird alles ein großes, harmonisches Familienfest. Nett auch, dass im Bonusmaterial die Roadcrew erzählen darf, was sie so vor, während und nach dem Konzert treibt. Wirklich wissen will das aber wohl keiner. Da hätte man lieber die Bandmitglieder zur Wirkungsgeschichte der beiden Alben gehört.

8/10