Nochmal abrocken wie damals

Die wiedererstandene Ettlinger Band Tarot will es nochmal wissen.

Notiz: ich fand das eine tolle Story, weil ich selbst etwas Ähnliches mit meiner  Band Purple Haze erlebt hatte. Wenn gereifte Herren sich nach Jahren wieder zusammenraufen und die Chemie immer noch (oder wieder) stimmt, das ist allemal berichtenswert…. und auch einfach schön. Der Artikel erschien in der Ettlinger Ausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten Anfang August 2020.

Es war einmal eine Hardrockband aus Ettlingen. Gegründet 1989 als „Post Grunge-Rockband“ – so ihre eigene Einschätzung, bespielte das Quintett damals alle angesagten Auftrittsorte: „Von Ettlingen über Malsch bis Rüppurr haben wir so ziemlich alles beschallt, was es an Schulfestivals gab“, erzählt Sänger Thorsten Gormanns. Tarot heisst die Band, die sich 1993 auflöste – und 2016 wieder zusammenfand. Aber der eigentliche Neustart kam erst im vergangenen Jahr: Im März erschien ihr Album, mit den Songs von damals, die sie nun endlich „richtig“ produziert hatten.

„Der Witz ist ja, dass man sich durch die sozialen Medien wieder findet, wie bei Klassentreffen“, erinnert sich Schlagzeuger Alexander Gondorf. „Dann denkt man: um der alten Zeiten willen: Lasst uns uns mal in Ettlingen treffen. Und nach dem dritten Bier sagt man: Man könnte man wieder proben. Und danach stellt man fest: oh, das klingt ja immer noch ganz gut.“

Die ersten Songs waren in der Sturm- und Drangzeit der Musiker entstanden, damals waren sie noch keine 20 Jahre alt. „Das waren so Jugendgeschichten, an denen man dann doch kompositorisch und textlich nochmal nachfeilen musste. Damals hatten wir eben so eine typische Abwehrhaltung gegen so ziemlich alles“, lacht Thorsten Gormanns. Er hat sich in den vergangen Jahren in der Region mit einer ganz anderen Musik einen Namen gemacht: Als Sänger und Gitarrist der Bluegrass-Band Dapper Dan Men kennt man ihn unter seinem Aliasnamen Master T. Stan McGorman. „Das hat musikalisch überhaupt nichts miteinander zu tun. Und es ist auch mal schön, bei Tarot ‚nur‘ Frontmann zu sein, ohne ein Instrument in der Hand zu haben.“

Nach der Produktion des Albums wagten sie im Karlsruher Substage die Rückkehr auf die Live-Bühne und begeisterten alte und neue Fans. Inzwischen haben sie Ende 2019 als Vorband von Status Quo und kurz vorm Lockdown in diesem Jahr vor Mothers Finest gespielt. „Für uns war es ein unglaublicher Tag“, erinnert sich Alexander Gondorf an den Auftritt mit Status Quo. Ich bin es ja gewohnt, dass ich mein Schlagzeug selber rumtragen muss, aber da rannten Roadies rum, die uns alles abgenommen haben.“ „Ich hatte ein bisschen Angst, dass die Status Quo-Fans uns nicht mögen, weil sie nur die Hauptband sehen wollen. Aber die waren dermassen fair“, sagt Torsten Gormanns.

Der Plan für 2020 wäre eigentlich gewesen, die Clubs der Region Karlsruhe bis Stuttgart zu erobern. Daraus wurde – wegen Corona- erstmal nichts. Aber an Aufgeben haben die fünf neugeborenen „Altrocker“ nie gedacht. Gitarrist Jochen Hornung hat sich in der Zwangspause drangemacht, neue Songs zu schreiben. Neben drei neuen Werken, die dabei entstanden sind, gibt es zwei aufgearbeitete Neu-Versionen alter Songs. Inzwischen hat die Band den Probetrieb unter Einhaltung der Hygiene-Regeln wieder aufgenommen, und „die neuen Songs wollen wir noch im Herbst aufnehmen“, freut sich Torsten Gormanns. „In welcher Form wird die veröffentlichen, müssen wir noch entscheiden. Und wir hoffen natürlich, dass bis zum Jahresende auch live wieder was geht!“