Niedecken, Wolfgang (2008) … über Bob Dylans „Desire“

Niedecken, Wolfgang (2008) … über Bob Dylans „Desire“

Die Initialzündung

NOTIZ: Anfang Mai 2008, habe ich dieses Foto von Wolfgang Niedecken gemacht, und er hat mir zu dem Dylan-Album diese Geschichte erzählt. (Das Album hatte ich fürs Foto selbst mitgebracht, es gehört meiner Frau.) Erschienen ist das in der Rubrik „Helden über Helden“ im ROCKS Magazin

Ohne Dieter Müller hätte es BAP nie gegeben. Bei der Fußball-EM 1976 gab der Kölner sein Nationalmannschafts-Debüt. Die Bundesrepublik lag gegen Jugoslawien mit 2:1 hinten. Müller kam in der 79. Minute und schoss drei Tore. Herr Niedecken hatte einen entsprechenden Brummschädel am Tag danach, und war zu schwach, dem frühen Anrufer am 18. Juni 1976 abzusagen. Der Saxophonist seiner ehemaligen Schülerband rief zu einer ersten Bandprobe für das was später einmal BAP werden sollte. Aber auch ohne Bob Dylan hätte es BAP wohl nie gegeben. Denn seine 76er LP „Desire“ war die Initialzündung für Niedecken, nach langer Pause wieder zur Gitarre zu greifen. Mehr ansehen

Niedecken, Wolfgang (2011)

Niedecken, Wolfgang (2011)

Momentaufnahmen

Wolfgang Niedecken las und sang im Tollhaus, Karlsruhe, 17.4.2011

NOTIZ: Das Foto entstand im März 2011 vorm WDR-Funkhaus, Köln

„Es ging darum, dass das Schreiben das Erinnern nachahmt“, sagt Oliver Kobold zur Einführung. Der Literaturwissenschaftler, der zusammen mit BAP Sänger Wolfgang Niedecken dessen Biographie zu Papier gebracht hat. Und also sind des Sängers und bildenden Künstlers Memoiren nicht chronologisch angeordnet und handeln beileibe nicht nur von BAP. So ist einer der Momente, in denen es im Saal ganz still wird der, in dem er über sein Engagement zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in Norduganda berichtet und dazu das sonst üppig arrangierte „Noh Gulu“ mit ganz einfacher Gitarrenbegleitung intoniert. Mehr ansehen

Niedecken, Wolfgang (2020) Auf Bob Dylans Spuren

Niedecken, Wolfgang (2020) Auf Bob Dylans Spuren

Auf keinen Fall ein Dylan-Hansel

Ohne Bob Dylan hätte es BAP nie gegeben. Wer die Geschichte der Kölner Band auch nur bruchstückhaft kennt, weiß das. Jetzt hat Wolfgang Niedecken ein Buch über Bob Dylan geschrieben, das seine eigene Karriere mit der seiner amerikanischen Inspirationsquelle verschränkt. Es ist auch eine vorläufige Bilanz der jahrzehntelangen Beschäftigung des Kölners mit Dylan.

2018 geht Wolfgang Niedecken für die TV-Dokumentation »Bob Dylans Amerika« auf Spurensuche kreuz und quer durch die USA. Er besucht Wirkungsstätten seines Vorbildes und trifft Weggefährten wie Dave Stewart von den Eurythmics, den großen Popkultur-Fotografen Elliot Landy oder Todd Gitlin, Soziologe und ehemaliger Aktivist der 68er Bewegung. 2020 erscheint das BAP-Album Alles fliesst, Live-Auftritte sind wegen Corona nicht möglich. So findet der Kölner Zeit, endlich das dem Verlag schon länger zugesagte Buch »Wolfgang Niedecken über Bob Dylan« zu schreiben, das Dylan würdigt und zugleich offenlegt, welchen wichtigen Einfluss der Amerikaner auf das Lebenswerk des Kölners hatte und hat. Dabei will Niedecken sich nicht als »Dylanhansel« verstanden wissen.Mehr ansehen

Niedecken, Wolfgang (2021)

Niedecken, Wolfgang (2021)

Fortsetzung folgt…. Wolfgang Niedecken wird 70

Fotos: Copyright Tina Niedecken

Es hätte anders kommen können: 1974 hatte Wolfgang Niedecken sein Kunststudium erfolgreich abgeschlossen und in New York monatelang bei Larry Rivers, dem „Großvater der Pop Art“, gewohnt. Der Weg schien vorgezeichnet, wäre der junge Kölner, der am 30. März 70 wird, nicht 1976 im Zivildienst einem Hardvore-Bob-Dylan-Fan begegnet, der jeden Tag dessen „Desire“ Album zu Gehör brachte. Der Kunststudent nahm die schon beiseite gelegte Gitarre wieder in die Hand. Noch im gleichen Jahr entstand BAP. Niedecken hatte schon 1974 einen eigenen Song auf Kölsch geschrieben: „Helfe kann dir keiner“. Damit war der Weg für die kommenden 45 Jahre vorgezeichnet: Niedecken hielt seine Band durch alle Stürme, Besetzungswechsel und gegen jede Mode auf Kurs: Rockmusik, von Vorbildern wie Dylan, Neil Young und den Rolling Stones beeinflusst, aber immer auf Kölsch. „All ming Jedanke, all ming Jeföhle. Hann ich – sulang ich denke kann.Immer noch ussjelääf oder erdraare, En unserer eijne Sprooch.“ heißt es im 1999 veröffentlichten Song „Für ‘ne Moment“.Mehr ansehen

Niedeckens BAP (2022)

Niedeckens BAP (2022)

Zeitlose Zeitreise mit Haltung

Niedeckens BAP in der Schwarzwaldhalle. Karlsruhe, 4.11.2022

Etwas ungewohnt mag es einem schon vorkommen, Wolfgang Niedecken und seine Band in der voll bestuhlten Schwarzwaldhalle zu erleben. Insbesondere deshalb, weil die Setlist der aktuellen Tour ein gerüttelt Maß an Klassikern der frühen 80er Jahre enthält, in denen die Band ihre größten Erfolge feierte. Die hatten damals wie heute das Potenzial, die Fans im wahrsten Sinne des Wortes von den Sitzen zu reißen. Was sie denn auch unmittelbar tun.

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Night Ranger

Night Ranger

Somewhere In California

Frontiers / VÖ: 21.6.2011

Wo ist meine Spandex-Hose?

Klar, irgendwie leiden die Herren im doch schon ziemlich reifen Alter (Bassist und Mastermind Jack Blades ist 57) unter einer Art musikalischem Peter-Pan-Syndrom, und liefern im Jahr 30 ihrer Existenz den Soundtrack ewiger Jugend mit großen offenen Autos am Strand, Dosenbier und drallen Mädels.Mehr ansehen

Night Ranger (2011)

Night Ranger (2011)

Und ewig scheint die Sonne

Night Ranger bleiben mit Somewhere In California kalifornisch bis ins Mark

Notiz: Die Story basiert auf einem Telefoninterview, das ich mit Jack Blades fürs ROCKS-Magazin geführt habe

Bandfotos: Copyright Ash Newell Photography

Night Ranger auf Dienstgipfelhöhe beim ersten Rock am Ring Festival, Sonntag, 26. Mai 1985. Gegeben wird ›Don’t tell me you love me‹, die Eröffnungsnummer ihre Debütalbums Dawn Patrol von 1983. Da singt ein junger Jack Blades, gewandet in die Modesünden der damaligen Zeit, mit dem etwas übermotiviertem Bewegungsdrang eines B-Movie Darstellers. Die anderen sehen auch nicht besser aus und bewegen sich ebenso linkisch wie hektisch. Die Herren Gitarristen Jeff Watson und Brad Gillis springen auf die Rampen, duellieren sich mit ihren ultraschnellen Läufen, suhlen sich förmlich im Wohlklang. Diese Verbindung von Gitarrenattacke und sehr pop-affinem Songwriting ist das Alleinstellungsmerkmal der kalifornischen Kapelle, und am Schluss ruft Jack Blades „Thank You very much, we’ll see you again very soon“. Das mit dem very soon ist nichts geworden, denn Night Ranger sind in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1985 in Deutschland zu sehen. Mehr ansehen

Nils Lofgren: Über Neil Young, den Boss und die Solokarriere (2008)

Nils Lofgren: Über Neil Young, den Boss und die Solokarriere (2008)

„Wenn Du irgendwann mal einen Gitarristen suchst….“

2008 hatte Nils Lofgren, Gitarrist bei Bruce Springsteen und Verwalter einer eigenen, künstlerisch integren aber kommerziell eher unauffälligen Karriere, der Songs des Mannes angenommen, dem er als Sideman in den frühen 70ern diente: Neil Young. Für das Album „Nils sings Neil“ gab er einige Interviews, eines davon fand am 15. Juni 2008 im Hyatt Hotel in Köln statt. Ich hatte viel Zeit und der brutalst sympathische Herr Lofgren auch – und erzählte mir sehr viel. Viel mehr, als ich erwartet hatte, und es wurde diese lange, runde Geschichte draus, die dann im ROCKS erschien. Eins muss ich aber noch verraten, und es ist mir fast peinlich: Da das Interview ja stattfand, während Nils mit der E-Street-Band auf Tour war, dachte ich die ganze Zeit: Ich könnte wetten, Herr Springsteen ist jetzt bestimmt in einem der Zimmer auf dem gleichen Flur. Ich würde mich ja gern mal wenigstens eine Sekunde vor ihm in den Dreck werfen. Aber der Gedanke war schnell wieder weg, denn was Nils L. zu erzählen hatte – das war mindestens so interessant. Here we go…..

Live-Fotos: Copyright Joseph Quever

„Ich bin damals zu jedem Konzert gegangen, das in erreichbarer Nähe lag, auf der Suche nach Inspiration. Außerdem versuchte ich immer, ein Schlupfloch in den Backstage-Bereich zu finden. Ich wollte alles über die Musikindustrie wissen“, erinnert sich der heute 58jährige Nils Lofgren an den 17jährigen der Jahre 1968/69. Nils hat damals die Band Grin am Start, aber es gibt noch keinen Plattenvertrag. Einer der bevorzugten Orte seiner Studien ist der winzige Club „The Cellar Door“ in Washington D.C. Ein kleiner Laden mit einer intimen Atmosphäre. Vielleicht 150 Menschen finden hier Platz. Der Laden hat sich schnell einen Namen gemacht, nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Mischung von Künstlern, die hier auftreten und in den kommenden Jahren auftreten werden. Von BB King über Joni Mitchell bis zu Miles Davis. Eines Abends sieht Nils ein Plakat, das Neil Young & Crazy Horse ankündigt, vier Shows an zwei Tagen. „Ich habe mich in den Backstage Bereich geschlichen, hinter dem Haus ging eine Wendeltreppe zur Garderobe hoch, ich war dort schon oft gewesen. Ich wollte alles über das Musikgeschäft wissen“. Lofgren wird seine Fragen los, und der fünf Jahre ältere Young drückt ihm spontan seine Gitarre in die Hand und bittet ihn, vorzuspielen. „Ich spielte ihm also einen Song von Grin vor. Es wurden schließlich drei, vier oder ein paar mehr. Er hat mir dann einen Tisch besorgt, Ich hätte da mit 17 eigentlich nicht sein dürfen, aber ich war sein persönlicher Gast. Er spendierte mir Cola und einen Cheeseburger.“ Wenn Lofgren die Geschichte heute erzählt, klingt sie immer noch so, als wolle er sie selbst nicht glauben.

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Nimm das, Lauterbach!

Nimm das, Lauterbach!

19.2.2022

Heute vorgestellt: Meine ganz persönliche Impfkampagne. So müsste das doch funktionieren.