Eingestellt am 28,9.2026
576.073 Menschen haben am 6. September in Sachsen-Anhalt Faschisten gewählt. Das sind nicht viele, wird jetzt wieder verharmlosend abgewinkt. Ach, was ist schon Sachsen-Anhalt. Ein Fliegenschiss auf der Landkarte. Soso. Immerhin so wichtig, dass die gefährlichsten Demokratiefeinde der westlichen Welt, Donald Trump und Elon Musk, vor Begeisterung auf dem Tisch tanzen und gratulieren und der Massenmörder im Kreml dazu sicher die Krimsekt-Korken knallen lässt. Das Wahlergebnis ist eine Katastrophe und eine unmittelbare Bedrohung, für Sachsen-Anhalt, für die Bundesrepublik. Für jeden anständigen Menschen.Mehr ansehen
Eingestellt am 28.9.2026
Ich bekenne mich schuldig. Ich habe den Meinungskorridor massiv verengt. Schon lange bevor dieser rechte Kampfbegriff überhaupt die Runde machte. Was war geschehen? Es war in den 90er- Jahren, die rechtsextremen Republikaner hatten gerade einen erschreckenden Höhenflug in Baden-Württemberg. Ich war verantwortlich für die Wahlsendung eines regionalen Privatsenders. Nun also ein hohes Ergebnis für die braune Partei in Pforzheim. Aus dem dortigen Studio meldet sich die Marketing-Abteilung: Der örtliche Republikaner-Chef müsse unbedingt mit einem wichtigen Statement auf Sendung. Und noch wichtiger: Er sei auch ein wichtiger Werbekunde. Ich gab zu verstehen, dass es ein Republikaner-Statement auf diesem Sender nur über meine Leiche geben würde und legte auf. Es gab kein Republikaner Statement an diesem Abend. Die Idee, einen Vertreter dieser Partei zu Wort kommen zu lassen, fand ich vollkommen absurd. Wie überhaupt wohl die meisten Menschen damals diese Idee vollkommen absurd gefunden hätten, dem Vertreter einer Partei ein öffentliches Statement zuzubilligen, deren prominentester „Politiker“ lange Zeit der ehemaliger SS-Mann Franz Schönhuber gewesen war. Würde Schönhuber heute noch leben, wäre er wohl ein gefragter Talkshow-Gast, fürchte ich. Man würde ihn bestimmt nett fragen: „Was macht die AfD besser als Sie es damals gemacht haben?“Mehr ansehen
Eingestellt am 24.9.2026
„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat“. So fasste Erich Kästner das Versagen der Demokratie in der Weimarer Republik zusammen. Er, dessen Bücher von den Nazis verbrannt wurden, steht bestimmt nicht im Verdacht, ein Linksradikaler oder gar Gewaltbefürworter zu sein. Hätte ZDF-Intendant Norbert Himmler in Kästners Worten einen Gewaltaufruf gesehen, wäre er denn ein Zeitgenosse des Schriftstellers gewesen?Mehr ansehen
Fotos: KI-generiert
Vorbemerkung: es geht im Folgenden vor allem um die Kulturberichterstattung. Auch über die anderen Ressorts wäre zu berichten. Dafür gibt es kompetentere Stimmen. So, Anschnallen: Kürzlich hatte ich Post in meinem E-Mail-Fach. Die Zeitung, für die ich noch gelegentlich schrieb, teilte mir mit: „Wir möchten die Mitarbeiter belohnen, die in einem Jahr die stärksten Artikel, gemessen nach Mediatime, schreiben. Dafür loben wir Prämien aus, die wir zum Ende des Jahres vergeben. …. Für den ersten Platz gibt es 300 Euro, für den zweiten 200 Euro, für den dritten 100…“ Ich traute meinen Augen nicht. Stand das da wirklich? Ich schaute nochmal hin, blinzelte kurz, und ja. Es stand da immer noch. Mensch, Zimmer. Jetzt ruhig bleiben, sagte ich mir. Nicht den Kaffee in die Tastatur schütten. Nicht bei der Redaktion anrufen und die unschuldige Sekretärin anbrüllen. Keine Gläser gegen die Wand werfen. Ich nahm eine Blutdrucktablette und las weiter. Viel Schönes bei den prämiierten Beiträgen: „Maultaschen-Manufaktur stellt drei neue Automaten in der Region mit goldenen Tickets auf“. 210,62 Stunden Mediatime konnte dieser herausragende Content erzielen. Die Thinktanks im Backoffice des Verlagshauses werden sich vor Begeisterung zur Ader gelassen haben. Das ist Street Credibility hart am Darmausgang der Leserinteressen. Wow.Mehr ansehen
Sie hätten es ahnen können, die adretten Damen in ihren Chefsekretärinnen-Kostümen, ausgehfertig gemacht mit Pumps und feinen Handtäschchen. Alle waren sie mit ihren fönfrisierten Beistellherren gekommen, um noch einmal die wachsweichen Musikalien der schottischen Weltenretter Simple Minds zu hören, in deren Texten es aber so was von knallhart gegen das Böse in der Welt zur Sache geht. Sie wollten sich schwelgerisch erinnern an jene Zeiten, als man nach dem übermässigen Genuss von „Mandela Day“ und „Belfast Child“ sein politisches Bewusstsein bis hin zur steuerlich absetzbaren Spendenquittung erweitern konnte.
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Das Foto ist 50 Jahre alt, mein jüngeres Ich leistet widerwillig seinen Grundwehrdienst ab. Schütze Zimmer dient in der Nachschubkompanie. Bringt es mit Eifer zum per Zeugnis dokumentierten Lochkartenprüfer (!) – ein schöner Beruf mit guten Zukunftsperspektiven. Denkt beim Schießen und Handgranaten-Weitwurf aber nicht an Krieg, sondern an die Mittagspause und die anschliessende Wochenend-Heimreise.Mehr ansehen
Intro:
Ich habe den Toten Hosen den Punk nie so ganz geglaubt. Was daran liegen mag, dass ich sie zum ersten Mal im Jahr 2000 live erlebt habe. Okay, ich gebe zu: Jahre zuvor besaß ich ein Tour-T-Shirt der Band mit der poetischen Aufschrift „Ficken Bunsen Blasen“. Das ich aber nicht tragen konnte, weil mir ein anderes mit der Aufschrift „Bier formte diesen wunderschönen Körper“ viel besser passte. 2000 also hatte ich sie als eine routinierte Stadionrock-Band empfunden und sie in meiner Rezension schnöde abgekanzelt: „Und so rumpelt es in einem fort, in schnöder Bierseligkeit bis zur bitteren Unsterblichkeit. Kein Punk. Vielleicht Volksrock. Früher hätte man mit der daraus destillierten Energie Häuser besetzen lassen. Ach was, ganze Straßenzüge. Aber heute?“ Immerhin endete meine Suada mit der Erkenntnis „Alles zu verzeihen und allemal besser 10.000 beim Tote Hosen-Konzert als nur ein einziger bei den Böhsen Onkelz“. Daran hat sich nichts geändert Und genau deshalb ist es meine verdammte Bürgerpflicht, die Düsseldorfer und ihr Abschuiedsalbum „Trink aus! Wir müssen gehen“ zu feiern. Dazu später.Mehr ansehen
„Faschismus und faschistische Haltungen sind keine Meinungen, sondern müssen strikt strafrechtlich verfolgt werden. Jede Gesellschaft braucht Grenzen des Sagbaren, des Machbaren. Faschismus steht ausserhalb der Grenzen, wie sie das Grundgesetz zieht.“ So steht es in den „Zehn Grundsätzen“, die der Historiker Ilko Sascha Kowalczuk seinem neuen Buch „faschismus ist keie Meinung – Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ voranstellt. Damit ist der Ton gesetzt für einen Rundumschlag über den neuen Hang zum Autoritären. Es ist eine erhellende und zugleich erschreckende Abrechnung mit den Akteuren und Verharmlosern des neuen erstarkenden Faschismus und zudem eine Argumentationshilfe für die Verteidiger von Freiheit und Demokratie. Dazu einige persönliche und sicher unvollständige Anmerkungen.
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„Ihr kennt mich wahrscheinlich als Geddy Lee, aber mein Geburtsname war Gershon Eliezer Weinrib, nach meinem Großvater mütterlicherseits, der im Holocaust ermordet wurde“. Nicht die Worte, mit denen üblicherweise eine Rockstar-Autobiographie beginnt. Geddy Lee, 1953 geborener Bassist und Leadsänger der größten Band des Landes, der Progressiv-Rocker Rush, hat die Geschichte seiner Familie in der 2023 erschienen Autobiographie „My Effin’ Life“ erzählt. Eine Geschichte, die für sein späteres Leben und Handeln prägend war und ist. „Ich habe das Gefühl, wir leben in einer Zeit, die offenbar vergessen hat, was passieren kann und auch wird, wenn der Faschismus sein Haupt erhebt“, schreibt er vor dem Hintergrund des Schicksals seiner Familie, einer Familie polnischer Juden. Weil nicht jeder ein Buch über das Leben eines ihm vielleicht unbekannten Musikers – der auch noch seltsame Musik macht – lesen will, erzähle ich euch jetzt, was im den ersten Kapiteln dieses aussergewöhnlichen Buches steht. Mehr ansehen
Als Privilegierter, der sein ganzes Leben in einem Land der Freiheit und Sicherheit und in geradezu brüllendem Wohlstand gelebt hat, frage ich mich immer wieder einmal: Wie hätte ich in einer Diktatur wie der DDR gelebt? Gerade in diesen Zeiten, da wieder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung im Osten die Rückkehr zur Diktatur wählen. Hätte ich mich in einer „Nische“ eingerichtet? Hätte ich gegen das Regime aufbegehrt oder wäre ich ein Mitläufer gewesen? Die Frage treibt mich umso mehr um, seit ich 2023 Raik Adam, seinen Bruder Andreas und Dirk Mecklenbeck kennengelernt habe. Sie gehörten zu einer Gruppe Hallenser Heavy Metal-Fans, die sich schon als Schüler an den Verhältnissen in der DDR aufrieben und begannen, sich gegen Indoktrination und Willkür des SED-Staates aufzulehnen.
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