Ein Weckruf: Ilko-Sascha Kowalczuks neues Buch

Ein Weckruf: Ilko-Sascha Kowalczuks neues Buch

„Faschismus und faschistische Haltungen sind keine Meinungen, sondern müssen strikt strafrechtlich verfolgt werden. Jede Gesellschaft braucht Grenzen des Sagbaren, des Machbaren. Faschismus steht ausserhalb der Grenzen, wie sie das Grundgesetz zieht.“ So steht es in den „Zehn Grundsätzen“, die der Historiker Ilko Sascha Kowalczuk seinem neuen Buch „faschismus ist keie Meinung – Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ voranstellt. Damit ist der Ton gesetzt für einen Rundumschlag über den neuen Hang zum Autoritären. Es ist eine erhellende und zugleich erschreckende Abrechnung mit den Akteuren und Verharmlosern des neuen erstarkenden Faschismus und zudem eine Argumentationshilfe für die Verteidiger von Freiheit und Demokratie. Dazu einige persönliche und sicher unvollständige Anmerkungen.

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Rock im Schatten des Holocaust: Die Autobiographie von Rush-Bassist Geddy Lee

Rock im Schatten des Holocaust: Die Autobiographie von Rush-Bassist Geddy Lee

„Ihr kennt mich wahrscheinlich als Geddy Lee, aber mein Geburtsname war Gershon Eliezer Weinrib, nach meinem Großvater mütterlicherseits, der im Holocaust ermordet wurde“. Nicht die Worte, mit denen üblicherweise eine Rockstar-Autobiographie beginnt. Geddy Lee, 1953 geborener Bassist und Leadsänger der größten Band des Landes, der Progressiv-Rocker Rush, hat die Geschichte seiner Familie in der 2023 erschienen Autobiographie „My Effin’ Life“ erzählt. Eine Geschichte, die für sein späteres Leben und Handeln prägend war und ist. „Ich habe das Gefühl, wir leben in einer Zeit, die offenbar vergessen hat, was passieren kann und auch wird, wenn der Faschismus sein Haupt erhebt“, schreibt er vor dem Hintergrund des Schicksals seiner Familie, einer Familie polnischer Juden. Weil nicht jeder ein Buch über das Leben eines ihm vielleicht unbekannten Musikers – der auch noch seltsame Musik macht – lesen will, erzähle ich euch jetzt, was im den ersten Kapiteln dieses aussergewöhnlichen Buches steht. Mehr ansehen

Molotov-Cocktails gegen den Mauerstaat DDR: Wie mutige Metal-Fans den „antifaschistischen Schutzwall“ angriffen

Molotov-Cocktails gegen den Mauerstaat DDR: Wie mutige Metal-Fans den „antifaschistischen Schutzwall“ angriffen

Als Privilegierter, der sein ganzes Leben in einem Land der Freiheit und Sicherheit und in geradezu brüllendem Wohlstand gelebt hat, frage ich mich immer wieder einmal: Wie hätte ich in einer Diktatur wie der DDR gelebt? Gerade in diesen Zeiten, da wieder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung im Osten die Rückkehr zur Diktatur wählen. Hätte ich mich in einer „Nische“ eingerichtet? Hätte ich gegen das Regime aufbegehrt oder wäre ich ein Mitläufer gewesen? Die Frage treibt mich umso mehr um, seit ich 2023 Raik Adam, seinen Bruder Andreas und Dirk Mecklenbeck kennengelernt habe. Sie gehörten zu einer Gruppe Hallenser Heavy Metal-Fans, die sich schon als Schüler an den Verhältnissen in der DDR aufrieben und begannen, sich gegen Indoktrination und Willkür des SED-Staates aufzulehnen.

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Keine Demo mit falschen Freunden. Bekenntnisse eines Demo-Muffels

Keine Demo mit falschen Freunden. Bekenntnisse eines Demo-Muffels

Eine Demonstration. Konstantin Wecker sitz auf der Bühne mit violettem Kopf. Schweiss in Fontänen verspritzend verkündet er „Man muss den Flüssen trauen“. So prügelt er seine unerhörte poetische und musikalische Sensibilität für das Leben hinein in die Tasten des Flügels und hinaus in den Abendhimmel. Vor tausenden von Menschen, die seinen schweissgetränkten Flüssen trauen. Wecker singt ein Plakat nach dem anderen, seine Band spielt dazu mit der tückischen Harmlosigkeit eines Kaffeehausorchesters. Als nächstes kommen die Bots: „Das weiche Wasser bricht den Stein“. Ich erwache schweissgebadet und muss brechen. Ein blick ins dunkle Zimmer: Es war nur ein Alptraum. Gottseidank. Schnitt.Mehr ansehen

Der Mief des abgestandenen Anti-Imperialismus: Nicholas Potters Buch über linken Antisemitismus. Eine Lese-Empfehlung

Der Mief des abgestandenen Anti-Imperialismus: Nicholas Potters Buch über linken Antisemitismus. Eine Lese-Empfehlung

Als ich noch ein jungdummer Vulgär-Antiimperialist war, führte ich ein Interview mit dem damaligen ARD-Nahost-Korrespondenten Friedrich Schreiber. Ich fragte ihn doch tatsächlich, ob denn Israel nicht irgendwie ein repressiver Polizeistaat sei. Das war damals common sense meiner Redaktion. Daraufhin stauchte mich Schreiber dermassen wirkungsvoll zusammen, dass ich schlagartig vor Scham im Boden versinken wollte, in mich ging und anfing, mich zu bilden. Was manche meiner „antiimperialistischen“ Freunde bis heute nicht geschafft haben. Ganz zu schweigen von den heutigen Free Palestine—Aktivisten. Deren kollektiver Wahn in Teilen dessen, was sich selbst für links hält, seine Wiedergeburt in nur schlecht als Israelkritik camoufliertem Judenhass feiert. Der zeigt sich seit dem 7. Oktober 2023 immer unverhüllter, schamloser und aggressiver in der Öffentlichkeit.

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Kraan: Die gereifte Schülerband

Kraan: Die gereifte Schülerband

Karlsruhe, NCO-Club, 18.4.2026

Schon seit Kindertagen seien sie zusammen, stellt Kraan-Bassist Hellmut Hattler irgendwann im Lauf des Abends fest: Er, Gitarrist Peter Wolbrandt und Drummer Jan Fride. Letzterer sei sein Banknachbar in der Schule gewesen. Und „man hat uns immer gewarnt, wir sollten uns einen richtigen Job suchen.“ Das war 1971. „Nach 55 Jahren haben wir immer noch kein Job“. Diesen Nicht-Job machen die drei Herren über 70 nach wie vor mit hör- und sichtbare Leidenschaft, Gerade ist das neue Album „All In“, das am Merchandising-Stand gern in der Vinyl-Version gekauft wird, und der ikonischen und unverwechselbaren Kraan Musik eine neu Facette gesellt.Mehr ansehen

Die Bröselmaschine-Story. Von Peter Bursch selbst erzählt. Ein Podcast-Extra

Die Bröselmaschine-Story. Von Peter Bursch selbst erzählt. Ein Podcast-Extra

Die ist ein „historisches Interview“, das ich mit dem „Gitarrenlehrer der Nation“ geführt habe. Anlass war die Veröffentlichung der Bröselmaschine-Werkschau in einer großen Jubiläumsbox. Ich durfte die Liner Notes für diese Veröffentlichung schreiben. Das Gespräch mit Peter in deiem Duisburger Garten war die Grundlage meines Textes. Hier könnt Ihr es hören, in voller Länge und mit Vogelgezwitscher im Hintergrund. Es gab viel zu erzählen über die lange Geschichte dieser einzigartigen Band. „Wir wollten einfach unsere Musik machen, frei von allen Zwängen, möglichst orientierungslos, aber auch mit Einflüssen aus England und den USA – aber eben nicht Pete Seeger oder Joan Baez.“ Bands wie Pentangle, Incredible String Band und Fairport Convention gaben die ungefähre Richtung vor – allesamt in der Folk-Tradition verwurzelt, aber musikalische Freidenker. Die rein akustische Musik des ersten Albums hatte aber auch einen ganz praktischen Hintergrund, lacht Peter Bursch: „Wir haben uns immer bei Jürgensen in Düsseldorf – das war damals das größte Musikhaus – die Nase an der Scheibe plattgedrückt, und die teuren E-Gitarren angeguckt, die wir uns nicht leisten konnte. Und dann wurden uns auch noch Gitarren geklaut. In unserer Wohngemeinschaft schliefen auch Tramper, die wir mitgenommen hatten. Zwei so bekloppte Tramper haben uns zwei Gitarren geklaut. Einen Tag später mussten wir uns fürs Studio Gitarren leihen.“ Was in den folgenden Jahrzehnten noch alles passierte: Hier könnt Ihr es nachhören……

Udo Lindenberg wird 80. Ein seltsamer Highliger. Eine kritische Würdigung.

Udo Lindenberg wird 80. Ein seltsamer Highliger. Eine kritische Würdigung.

Udo Lindenberg wird am 17. Mai 80 Jahre alt. Die Presse überschlägt sich sich geradezu panisch vor Lobeshymnen. Der Rolling Stone, die Prawda des Musikjournalismus, macht Lindenberg zur Titelgeschichte. Die ZEIT druckt eine ganzseitiges Interview mit Benjamin Stuckrad-Barre, dem Lindenberg-Verehrer, -verklärer und -erklärer der Nation. Wir erfahren darin Sensationelles: Der kleine Benjamin, der sich schon im Alter von sieben Jahren als Udos Freund betrachtete, hat kürzlich mit Udo telefoniert, und der habe ihn mitten im Gespräch gefragt, wo denn wohl der Lichtschalter in seinem, Udos Hotelzimmer, sein könne. Weiter berichtet Stuckrad-Barre noch, Udo habe auch nicht gewusst, wo die Küche in seiner Berliner Wohnung ist. Na, wozu hat man gute Freunde. Aber sonst ist heute wieder alles klar? Keine Panik auf der Andrea Doria? Oder so?

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Kein Alaska: David Heidler kommt mit seiner Band in die alte Heimat

Kein Alaska: David Heidler kommt mit seiner Band in die alte Heimat

Eingestellt 5.1.2025

Anmerkung: David war der Gitarrist der Schülerband, die mein Sohn mit 13 Jahren gegründet hat.

Mit 13 Jahren stand David Heidler zum ersten Mal mit seiner Gitarre und der an diesem Tag gegründeten Band „E 2“ im Proberaum. Der Ettlinger ging damals aufs Karlsruher Fichte-Gymnasium, seine Mitmusiker waren zwei Klassenkameraden und der Name der Band leitete sich ab von „Englisch als zweite Fremdsprache“. Das war 2003. Inzwischen ist viel passiert: Nach dem Abitur machte Heidler Zivildienst in Tansania, studierte Afrikanistik und gründete ein Unternehmen, das Afrika-Reisen anbietet. Er lebt in der Nähe von Leipzig. Dort entstand auch seine Band „Kein Alaska“, die sich mittlerweile eine Fangemeinde in der deutschen Alternative- und Post-Hardcore-Szene aufgebaut und viel im Osten der Republik, aber auch in Wien, Hamburg oder Regensburg gespielt hat.Mehr ansehen

„Waren wir nicht schon per Du?“ Christa Moog ist die Seele des Literaturhotels in Berlin-Friedenau

„Waren wir nicht schon per Du?“ Christa Moog ist die Seele des Literaturhotels in Berlin-Friedenau

Clemens Meyer, Volker Braun, Christa Wolf, Hans Christoph Buch, Peter Schneider, Judith Hermann, Christoph Meckel. Diese Schriftsteller haben aus ihren Büchern gelesen im Uwe Johnson-Salon. So heißt der Frühstücksraum des Literaturhotels in Berlin Friedenau. Dem beschaulichen Kiez, in dem Literatur einen ausgezeichneten Nährboden fand. Erich Kästner, Uwe Johnson und Günter Grass wohnten in der Niedstraße, Max Frisch in der Sarrazinstraße, Herta Müller in der Menzelstraße und Hans-Magnus Enzensberger in der Fregestraße. Fregestraße 68, das ist auch die Adresse des Literaturhotels.
Literatur ist allgegenwärtig in diesem aus der Zeit gefallenen Hotel, das vom Parterre bis hin zum Obergeschoss mit handverlesenen Biedermeier-Möbeln, Kronleuchtern und gerahmten Spiegeln ausgestattet ist und in dem die Fernsehgeräte in den Zimmern beinahe wie störende Fremdkörper erscheinen. Kein Zimmer gleicht dem anderen, alle sind individuell eingerichtet.Mehr ansehen