Erbarme! Wieder mal so’n hysterisches Fest
Karlsruhe, Jubez, 31.1.2004
Es gibt Zeiten, in denen vergisst man vor lauter Kunst, Anspruch und Innovation die dringende und niemals obsolete Pflicht zum Rock’n’Roll. Solche Zeiten bedürfen einer umgehenden Verpflichtung der Rodgau Monotones. Das Jubez ist diesem Ruf nach 26 Jahren Bandexistenz nunmehr endlich nachgekommen, und hat seit Freitagabend eine neu justierte Statik. Vom ersten Ton an machen Raimund Salg und Ali Neander klar, wo der Bartel den Bembel holt: im Lande der Gitarren nämlich. Die beiden Herren haben zusammen den dreckigsten Rock’n’Roll Gitarrensound östlich von Texas. Und sie sind laut, sehr laut. Das Tourmotto 2004 lautet denn auch: „Taub und verwirrt“.Mehr ansehen
Die Europahalle liegt am Loch Lomond
Karlsruhe, Europahalle, 14.5.2010
Spätestens seit 2007 und dem Album „Everything You See“ hat sich die schottische Nationalinstitution Runrig neu definiert: Als zupackende Rockband, die sich nicht auf den Lorbeeren der 80er Jahre ausruht, aber auch ihre Folkwurzeln nicht verleugnet.Mehr ansehen
Humor hilft dem Blues
Mitch Ryder & Engerling, Karlsruhe, Tollhaus, 6.3.2020
Mitch Ryder ist wieder da, wo er vor fast auf den Tag genau vor vier Jahren eine orgiastisches Konzert gefeiert hat. Da schlurft er auf die Bühne und wirkt gerade so, als müsse man ihm beim blossen Herumstehen helfen. Als wäre er nicht gerade erst 75 geworden, sondern mindestens doppelt so alt. Oder ist es etwas anderes? Mehr ansehen
Ying und Yang
Saga & It Bites, Remchingen, Kulturhalle, 25.5.2009
Saga seien gepriesen dafür, dass sie It Bites hervorragenden Ton und prima Licht spendieren. Die wissen das zu nutzen und spielen einen dynamischen, energiegeladenen 40-Minuten Set. Das neu formierte Quartett mit John Mitchell an Gitarre und Gesang bettet alten Klassiker perfekt in ein Programm mit dem aktuellen Material einbettet. Keiner, der It Bites noch nie gehört hat würde einen Bruch bemerken. Mehr ansehen
Schenker macht keine Gefangenen
Temple Of Rock, Fabrik, Bruchsal, 9.11.2014
Es waren vermutlich nicht die aktuellen Songs von Michael Schenkers Band Temple Of Rock, die die Menschen in Massen am Samstagabend in die Fabrik strömen liessen. Wohl auch nicht die Tatsache, dass Herr Schenker in seiner Band die alten Scorpions-Haudegen Herman Rarebell (Schlagzeug) und Francis Buchholz beschäftigt. Sicher auch nicht Sänger Doogie White. Der Mann, der Ritchie Blackmore’s Rainbow mit seiner großen Stimme in den 90er-Jahren einen ehrenwerten Abgang verschaffte. Schenker dürfte das bewusst sein. Ergo stellt er die Kraft seines Gitarrenspiels in den Mittelpunkt, und die lässt sich am besten mit einer Setlist zelebrieren, die auf bewährte Klassiker seiner Zeit bei UFO und der Michael Schenker Group setzt. Dazu ein bisschen Scorpions und eine homöopathische Dosis neueren Materials.Mehr ansehen
Stimmgewaltig und saukomisch
Die Schöne Mannheims mit ihrer Jubiläumsshow in der Schlossgartenhalle Ettlingen, 26.2.2022
„Hunderttausende gefahrene Kilometer auf deutschen Autobahnen, Hunderte Hotelbetten, 798 zerfetzte Nylonstrümpfe. Aber auch Lebensfreude, Musik, Gesang, Mobbing und Tinnitus. Das ist die kurze Bilanz, die die Sängerinnen Anna Krämer, Smaida Platais und Susanne Back und ihre Pianistin Stefanie Titus gleich zu Beginn der 10 Jahre-Jubiläumsshow der Schöne Mannheims ziehen. „Das wird ja immer schöner“ ist der Abend betitelt, und man möchte hinzufügen: immer komischer. Mehr ansehen
Perfektes Gipfeltreffen
Zeltival-Abschluß mit Treacy Band und Groove Incorporation, Karlsruhe, Tollhaus, 4.8.2008
So viel Musikerglück war selten: Der eine, Seán Treacy, freut sich, dass er „Living Years“ von Mike and The Mechanics singen kann. „Der Song kam in der Zeit heraus, als mein Vater starb, das bedeutet mir sehr viel“, sagt er. Der andere, Olli Roth, erzählt eine andere Geschichte. „Seit ich ein bisschen zugenommen habe, werde ich immer wieder drauf angesprochen, ob ich nicht was von Meat Loaf drauf hätte. Heute wird’s passieren.“ Heute war Sonntagabend, zum dritten Mal bildete die Bühnenkooperation der profiliertesten Coverbands der Region, der Seán Treacy Band und der Groove Incorporation den Abschluss des Zeltivals beim Kulturzentrum Tollhaus. Mehr ansehen
Ausdruckstanz im 9/8 Takt
Seconds Out im Jubez, Karlsruhe, 18.12.2015
Wenn das Original nicht mehr zu haben ist, tut es – und nicht nur zur Not – auch die mehr oder weniger werkgetreue Kopie. Die Sehnsucht, die verschrobene, verschachtelte, fantastisch versponnene Musik der frühen Genesis wieder auf Bühnen zu hören, scheint vor allem bei den über Vierzigjährigen ungebrochen. Nachdem Genesis-Originalmitglied Steve Hackett in den vergangenen Jahren mit seinen „Genesis-Revisited“-Tourneen die Hallen füllte, nachdem die Franko-Kanadier The Musical Box ganze Alben jener Ära in Gänze aufführten, bleibt immer noch genug Publikum für eine „kleine“ Band wie die Aschaffenburger Seconds Out, die seit 1991 in unterschiedlichen Besetzungen in der gleichen Mission unterwegs sind. Mehr ansehen
Mein Herz, das schlägt sich noch ganz gut
SILLY in der Festhalle Durlach, Karlsruhe, 4.12.2010
Sie hatten schon immer das Zeug, die gesamtdeutsche Popwelt zu erobern, damals zu DDR Zeiten. Da war Silly eine Band, die wirklich das im anderen Deutschland so oft beschworene Weltniveau hatte und deren Musik man auch im Westen kaufen konnte. Hätte man es getan, hätte man gewusst, was die Musiker und ihre Sängerin Tamara Danz treiben: leicht schrägen Powerpop plus Texte mit Anspruch, leicht aufmüpfig. Aber damals interessierten sich im Westen allenfalls Spezialisten für Silly. Mehr ansehen
Im Lande der Gitarren
Sinner und Voodoo Circle in der Fabrik, Bruchsal, 30.11.2011
Zugegeben, die beiden Hauptattraktionen des verschwitzen Mittwochabend in der Bruchsaler Fabrik haben weder der Hardrock noch den Heavy Metal erfunden, aber sie haben sich mit soviel Liebe in den Geist der Erfinder hineingeprügelt und soliert, mit soviel Emotion ihre eigenen Songs daraus gemacht und mit soviel Inbrunst auf die Bühne gebracht, dass es einen Orden wert wäre. Zum Beispiel dafür, die besten Whitesnake oder Rainbow (Voodoo Circle) oder – zumindest für Momente – die besten Thin Lizzy zu sein, die es im 21. Jahrhundert gibt (Sinner).Mehr ansehen