Wallungen auf stählernem Fundament
Tarja in der Festhalle Durlach, Karlsruhe, 7.5.2011
Ist es der Muezzin, der da ruft? Kann sein. ist es die Gitarre, die ihre Innereien herauswürgt? Oh, aber sicher. Im Bunde mit ihren Brüdern schwellende Keyboardburg und donnerndes Schlagzeugraumschiff plus finsteres Stakkato-Cello findet sich so ein treffliches Königreich, durch das die Herrscherin Tarja mit gebieterischem Schritt, schwarzem Gewand und hochfahrender Gesangstechnik untadelig einherwallt. Mit „Dark Star“ sind Tarja und ihre Mannen in der fast ausverkauften Durlacher Festhalle auf Betriebstemperatur: eine archetypische Nummern des Repertoires der finnischen Opernmetal-Diva. Mehr ansehen
Ditsche ist ein Country Boy At Heart
Texas Lightning im Tollhaus, Karlsruhe, 1.10.2005
Mindesten zwei Leute in dieser Band kennt man aus „anderen Arbeitszusammenhängen“. Trommler Olli Dittrich und Leadsänger Jonny „The Flame“ Olsen sind fernsehbekannt als Ditsche und sein kongenialer Tresenpartner Imbisswirt Ingo. Die Namen dürften der Kapelle noch ein wenig zusätzliches Publikum außerhalb der Zielgruppe „Liebe Countryfreunde“ in die Säle treiben. Schon vor fünf Jahren tingelte die Kapelle um Jonny Olsen tapfer durch Hamburger Clubs mit so schönen Namen wie „Anna’s Country & Western Saloon.“ Olli Dittrich hat einfach mitgeholfen, sie nach einigen Umbesetzungen wiederzubeleben. Mehr ansehen
Chris is on the road again
Chris Thompson, Fabrik Bruchsal am 20.3.2014
Welch ein Konzertbeginn: Punkt 20 Uhr flutet ein mehrstimmiger Gesang, glasklar und präzise. Chris Thompson und Band zelebrieren vor rund 250 Zuschauen ihre neue Single „Million Dollar Hit“. Selbstironie? In den 80er Jahren wäre diese Musik, die die intelligente Seite des radiofreundlichen Pop widerspiegelt, mit Sicherheit ein Hit gewesen. So wirkt sie eher als Reminiszenz an eine Zeit, in der es vorrangig um packende Refrains, empathische Stimmen und solides Handwerk ging.
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Pop kann so schön rocken
Chris Thompson und Band, Fabrik, Bruchsal, 5.2.2015
Es ist nicht einmal ein Jahr her, dass Chris Thompson und seine Band die Bruchsaler Fabrik in einen Hexenkessel mitsingbereiter Fans im eher gesetzten Alter verwandelt haben. Und siehe da: Der ehemalige Manfred Mann-Sänger und seine hochkarätigen norwegischen Mitstreiter schaffen es auch an diesem Donnerstagabend wieder, die alten Hymnen in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Eigentlich geht es ja bei der diesjährigen Tournee darum, die vierzig Jahre andauernde Karriere des Sängers zu feiern. Mehr ansehen
Blues von der Sonnenseite des Lebens
Jubez, Karlsruhe, 22.11.2019
Es mag ja ein abgedroschenes Klischee sein, aber weil Thorbjørn Risager und seine glorreichen Sieben zum ersten Mal in Karlsruhe gastieren, sei es hier gestattet: Wer den Mann nicht kennt, nicht sieht und nur singen hört, der glaubt, er habe einen alten, dicken schwarzen Mann aus dem Mississippi-Delta vor sich, Dann öffnet er die Augen und sieht einen langen, höchstens zehn Gramm schweren Schlacks vor sich, Typ Weisser-Riese im Anzug. Mehr ansehen
Die sich in Stücke reißen
Thunder / Heavens’s Basement, Nürnberg, Hirsch, 26.2.2009
Anmerkung: ich hatte den Auftrag, lediglich Heaven’s Basement zu fotografieren. deshalb gibt‘ hier keine Fotos des Hauptacts. Sorry.
Wuchtig vier Schläge auf die unverschämt offene Hi-Hat gedengelt, und jeder im Saal ahnt, was Sache ist. Chris Rivers, mit nacktem Oberkörper an der Schießbude signalisiert zischend Kampfbereitschaft. Und so kommt’s. Heaven’s Basement, konditionsstarke britische Twens, haben 40 Minuten Zeit, um den Topact-Status von Thunder ins Wanken zu bringen, und ein aufgeschlossenes Publikum nachhaltig zu erschüttern, und zumindest letzteres tun sie. Indem sie jede der ihr zugestanden Minuten so nutzen, als wäre es der letzte Gig des Leben. Mehr ansehen
Die Wüste lebt immer noch
Tito & Tarantula, Fabrik, Bruchsal, 14.7.2010
Vierzehn Jahre ist es her, als Tito & Tarantula in Quentin Tarantinos Film „From Dusk To Dawn“ ihren Auftritt hatten. Der Song hieß „After Dark“ und blieb ihr einziger wirklicher Hit bis heute. So falsch es wäre, die Band auf diesen einen Song zu reduzieren, so richtig ist die Aussage: Der Song hat alles, was das Tito & Tarantula Universum in seiner Gesamtheit ausmacht: Es knarrt, es ächzt, man spürt die Hitze der Nacht irgendwo zwischen Texas und Mexico und halluziniert verrostete Zapfsäulen zwischen verdorrten Kakteen. Ein wildgewordener Gitarrist versucht jaulend, seine Seele ins Griffbrett zu stülpen, und Tito Larriva singt oben drüber mit einer Stimme, die nach intensiv zerlebtem Leben klingt.Mehr ansehen
Vampire und Vulkanausbrüche
Tito & Tarantula in der Fabrik, Bruchsal, 1.9.2015
Es ist schon ein Ritual geworden bei Tito & Tarantula-Konzerten: „After Dark“, der Song gewordene Vampir-Biss aus dem Quentin-Tarantino-Film „From Dusk Til Dawn“ und zugleich der einzig wirkliche Hit der Band, wird mit nachgerade schamanischer Inbrunst gegen Ende der regulären Spielzeit auf der Bühne gefeiert. Mit Tänzern aus dem Publikum, die sich zu diesem hypnotischen, fies-düsteren Rhythmus wiegen, auf das die Dunkelheit sie erleuchte. So geschehen auch am Donnerstagabend in der Fabrik, wo die Band in unterschiedlichen Besetzungen schon 2009 und 2013 gastierte.
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Eingestellt am 18.10.2026
Musiktheater REX, Bensheim, 15.10.2026
Es ist der Vorabend seines 73. Geburtstags, als Tony Carey die Bühne des REX in Bensheim betritt. Ein Club, wie gemacht für ein intimes Storyteller-Konzert. Dieses Mal haben sie bestuhlt, und das ist gut so. Denn es schafft die Atmosphäre für das konzentrierte Zuhören. Carey spilet ee One Man Show, nur mit Piano und akustischer Gitarre. Das ist nun wirklich unpluggeder als unplugged. Manches klingt wie nur zart angedeutet. Musik wie vielfarbig bemaltes Pergamentpapier, gelegentlich auch grau in grau und mit einem Hang zur Dystopie. Was zur fragilen Erscheinung dieses weisshaarigen, durch alle Stürme eines bewegten und beweglichen Lebens gegangenen Mannes passt.

Der Autor und der Künstler. Eine Stunde vor „Showtime“.
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Eingestellt am 25.10.2026
Schwetzingen, Schlossgarten, 29.7.2022
Naturgemäss ist ein Open Air Konzert in einem Schlosspark eher ein familienfreundliches Event, bei dem man sich über Greatest-Hits-Programme freut. Eine Band wie Toto, die doch für gelegentlich etwas mutigere Setlisten bekannt ist, macht da auch mal Kompromisse und verzichtet auf sonst gern gespielte ausgedehnte Fusion-Eskapaden vom Schlage ›Jake To The Bone‹. Aber nur Hits spielen – das kommt für Steve Lukather, Joseph Williams und die 2020 komplett neuformierte Band nicht in Frage.Mehr ansehen