Dudenhöffer, Gerd (2005)

Jetzt neu mit Schnaps

Gerd Dudenhöffers neuer Heinz Becker: „Wiederspruch“, Karlsruhe, Konzerthaus, 18.12.2005

Heute mal nicht im Hausmeisterdress. Dudenhöffer alias Heinz Becker sitzt in der Weitläufigkeit der Konzerthausbühne auf diesem gedrungenen Cordsofa, im karierten Hemd, die Batschkapp als Weltanschauungssymbol auf dem Kopf. Und kommt wie gehabt vom hundertsten ins Tausendste, von der Klospülung zur Weltanschauung. Kaum ist die Klospülung aus dem Off verhallt,. hadert er schon mit seinem „Kotlett“, das er sich beim Telefonieren gezerrt hat. Und mit dem Nachbarn, mit dem es Verstimmungen gab, „Weil ich am letschte Silvester länger geschoss han als er“. Klammheimlich schleicht sich das Grauen in Beckers Rede. Immer konterkariert durch die Sparsamkeit der Gesten, die nichts Böses signalisiert und mit ihren Pausen doch ahnen läßt: inter der Batschkapp braut sich was zusammen. Mehr ansehen

Dukes Of The Orient

Dukes Of The Orient

Freakshow

Frontiers I VÖ: 04.09.2020

Biedere Hausmannskost

Das zweite Album der Band, die sich mit einigem Recht in der Nachfolge der Version von Asia sieht, der John Payne als Sänger vorstand. Deren Fans werden auch dieses Werk goutieren. The Dukes Return ist biedere Hausmannskost, geradliniger Mainstream Rock, der nicht besser wird durch ein schwülstiges Bordell-Saxophon-Solo von Eric Tewalt, indes Sänger Payne gleichzeitig erregt, angestrengt und müde klingt. Der im übrigen durch notorisches Gekrächze irgendwie Street Credibility vortäuscht, was im meist plüschigen Sound-Ambiente wie ein Fremdkörper wirkt. Der Titelsong allerdings hat wenigstens einen Hauch progressiver Kantigkeit – sogar Keyboarder Erik Norlander, sonst bekannt für ausufernde Klanglandschaften, hält sich hier eine Weile zurück, dafür tutet das Saxofon umso schwülstiger. The Monitors ist der Hit, den Asia mit Payne nie landen konnten – wobei der Refrain verdächtig nach Magnum klingt. Der Rest ist mehr oder weniger origineller Pomp-Rock mit vorhersehbaren Melodien, üppigen Arrangements und bedeutungsschwangeren Texten, die beiden letzten Songs etwa, The Ravens Cry und Until Them klingen, als habe ein angehender Musical-Komponist hier erste Gehversuche unternommen.

5 ½/10

Dylan, Bob

Dylan, Bob

No Direction Home – Bob Dylan. Deluxe 10th Anniversary Edition

Capitol / VÖ: 25.11.2016

Etwas verspätet erscheint die Jubiläumsedition von Martin Scorseses dreieinhalbstündiger Dylan-Dokumentation aus dem Jahr 2005, die dramaturgisch geschickt aufbereitetes Archivmaterial, Konzertaufnahmen, Interviews mit Dylan, Zeitzeugen und Weggefährten zu einem Bild zusammenfügt, das einen emotionalen Zugang zu den entscheidenden Jahren – 1961 bis 1966 – der „Künstlerwerdung“ des Sängers eröffnet. Der Film beschreibt collagenartig den Weg Dylans von seiner Heimatstadt Hibbing (Minnesota) über sein Eintauchen in die Folk-Szene des New Yorker Greenwich Village bis zum Punkt, an dem er seine Musik elektrifizierte. Mehr ansehen

Dylan, Bob

Dylan, Bob

Suze Rotolo

Als sich die Zeiten zu ändern begannen

Erinnerungen an Greenwich Village in den Sechzigern

Suze Rotolo war die Muse von Bob Dylan zur Zeit von „The Freewheelin‘ Bob Dylan“. Sie ist das Mädchen, das mit ihm auf dem Cover zu sehen ist, und das auch das Cover ihres Erinnerungsbuches ziert. Sie war die Inspiration zu Songs wie „Don’t think twice it’s allright“ – und doch geht es in diesen Erinnerungen um viel mehr als diese drei Jahre, in denen sie „die Frau an seiner Seite“ (als die sie nicht gesehen werden wollte) war. Wer sensationelle Enthüllungen, intime Details oder gar den endgültigen Einblick in Dylans Denken erwartet, wird enttäuscht. Mehr ansehen

East Of Omaho

East Of Omaho

Noch so eine musikalische Coming Of Age Story

1976 und folgende soll es eine Punk-Welle gegeben haben, liest man immer wieder in der Intelligenzpresse. Dergestalt, das alles andere weggefegt wurde. Ich weiss nicht, was ich mit diesem Mythos anfangen soll. Ich jedenfalls fuhr 1977 mit Freunden in einem klapprigen R 4 zu einem Festival im rappelvollen Stadion in Saarbrücken, und dort war keine Punkwelle. Wir liessen uns den ganzen Tag und die halbe Nacht vollregnen, und hörten Lake, der John Miles Band, Manfred Mann‘s Earthband und vor allem Genesis zu. Mehr ansehen

Echoes

Echoes

Barefoot To The Moon – An Acoustic Tribute To Pink Floyd

Sonic 11 Records / Pride & Joy Music / VÖ: 16.10.2015

Tribute-Bands, die eigentlich ein Stadion mieten müssten, um sich den Originalen zu nähern, sind im Regelfall vorn herein zum Scheitern verurteilt. Gerade wenn es um Pink Floyd geht, scheint zur Anmutung des Konzerterlebnisses die Gigantomanie, die schier überirdische technische Dimension der Bühnenauftritte zu gehören. Dass es auch anders geht, haben Echoes bei ihren elekrifizierten Shows schon oft genug bewiesen. Weil sie absolut stilsicher die Essenz der Pink-Floyd-Musik einfangen, und auf den musikalischen Kern, nicht auf die aufgeblasene Inszenierung setzen. Mehr ansehen

Egersdörfer, Matthias & Puntigam, Martin (2017)

Egersdörfer, Matthias & Puntigam, Martin (2017)

Rübe ab! Komplett“

„Erlösung“ mit Matthias Egersdörfer und Martin Puntigam im Tollhaus, Karlsruhe, 22.3.2017 Foto Copyright Tollhaus (Foto von 2021)

Den Matthias Egersdörfer kennt Wikipedia als Kabarettisten „mit unverkennbarem Hang zur Cholerik“, Martin Puntigam wird gelegentlich ein Hang zum Zynismus nachgesagt Zusammen aber, so behaupten der Franke und der Wiener, wollen sie in ihrem Programm „Erlösung“ ganz brav sein und jedweder Bosheit abschwören. Das Ergebnis des Versuchs war am vergangenen Mittwochabend im Tollhaus zu bestaunen.Mehr ansehen

Ehring, Christian (2017)

Ehring, Christian (2017)

Vom Leiden vermeintlicher Altruisten

Christian Ehring im Tollhaus, Karlsruhe, 21.1.2017

Es ist bekanntlich so, dass gut gemeint nicht immer das Gute schafft. Insbesondere bei Menschen, die über eine so muskulöse Moral verfügen wie der Bizeps eines Bodybuilders. Christian Ehring, fernsehbekannt aus extra 3 und heute-show, bringt in seinem Soloprogramm „Keine weiteren Fragen“ einen solchen Moralapostel aus dem Bioladen-Yoga-Veganismus-Milieu auf die Bühne. Dieser Kerl muss sich ständig neu justieren, um den Anspruch der eigenen Ideologie mit der Realität, seinem Egoismus und der Umwelt unter eine Hut zu bringen, und verheddert sich dabei erwartungsgemäß aufs Fürchterlichste. Dabei ist er nicht mal unsympathisch, aber zugleich rasend verlogen.Mehr ansehen

Eine verkaterte Erinnerung

Eine verkaterte Erinnerung

5.12.2021
Weil ich gerade die Heinz Rudolf Kunze-Autobiografie gelesen habe, habe ich mal dieses Foto gesucht: Es war am Morgen des 15.11.1997. Am Abend zu vor hatte er im Tollhaus Tourabschluss der ALTER EGO-Tour gefeiert. Ich war bem Polizei-Pressehock. Wir hatten beide zusammen noch circa 10 Promille Restalkohol und er begrüßte mich mit den Worten: „Die Sonnenbrille werde ich nicht abnehmen“. Ich hatte leider keine. Es wurde ein sehr angenehmes Gespräch, vielleicht gerade deshalb. Vorher hatte ich immer zuviel Respekt vor diesem rätselhaften Sänger, weil ich glaubte, er sei viel zu klug für mich. Ab da ging’s. Sein zweiter Satz war übrigens: „Ich heisse Heinz!“ Von da an waren wir per Du.
ELO

ELO

Live in Hyde Park

eagle vision/ VÖ: 14.9.2015

28 Jahre waren seit dem letzten ELO-Auftritt vergangen, als Jeff Lynne im September 2014 das Flaggschiff des pompös arrangierten Edelpop mit vorsichtig dosierten Rock-Applikationen noch einmal für ein Konzert im Hyde Park reanimierte. Die 50.000 Tickets für die Show sollen in Minuten ausverkauft gewesen sein. Jeff Lynne’s Electric Light Orchestra, dem neben dem Chef als einziges weiteres Originalmitglied Keyboarder Richard Tandy angehört, liefert zusammen mit der Band von Take That (inklusive It Bites- und Steve-Hackett-Tourbassist Lee Pomeroy) und dem BBC Concert Orchestra die Show ab, die die Fans erwarten:Mehr ansehen