Weder entlarven noch sezieren
Max Goldt im Tollhaus, Karlsruhe, 14.1.2020
Der Teufelsaustreiber in Sachen Sprache für die vermeintlich, nein: vermutlich gebildeten Stände, Bastian Sick, hat einmal Udo Jürgens für seine „nicht weniger als 19 Konjunktivformen in einem schlichten Liebeslied von dreienhalb Minuten Dauer“ gepriesen, und bei Max Goldts virtuoser Handhabung des Konjunktivs möchte man wähnen, er spränge (sprünge?) gleich aus den Kulissen, um ihm den Udo-Jürgens-Orden für nicht gesungene Konjunktiv-Verwendung anzuheften. Kürzlich hat Goldt in einem viel zitierten Interview verkünden lassen, er gehe nur äusserst selten zu Lesungen, wegen der dabei anfallenden Trivialitäten wie „fürchterliche Ansagen und Podiumsgespräche“. Ein Erfolg dagegen sei eine Lesung, „wenn die Leute ganz konzentriert zuhören und anschliessend fest und lang applaudieren“.Mehr ansehen
Radio Gnome Invisible Trilogy ( Compilation / Re-Release)
BYG Records / VÖ: 18.12.2015
Gong – die multinationale musizierende Hippie-Kommune, waren von Anfang an nie eine gewähnliche Rockband. Mojo-Autor Marc Paytress beschreibt sie in seinem ausführlichen erhellenden Essay, das Teil des Booklets ist, als eine Band, die ihre Einflüsse aus dem Jazz, Psychedelia, der Avantgarde, sogar Music Hall bezog. Mehr ansehen
Solides Handwerk
Gotthard in der Festhalle Karlsruhe-Durlach, 23.4.1999
Es muß eine Renaissance der achtziger Jahre geben, alle Anzeichen sprechen dafür: Die Menschen wollen wieder schreckliche Popmusik a la Pet Shop Boys hören. Das macht uns Angst. Nun haben aber jüngst zeitgleich die Kritikerpäpste vom deutschen Rolling Stone, die unter dem Motto schreiben „alles gehört, nix begriffen“, eine Renaissance des Hardrock ausgemacht, sehr zu ihrer Beunruhigung. Das wiederum macht uns alten Luftgitarrenschwingern alles andere als Angst. Mehr ansehen
Back To The Rhythm
Frontiers / VÖ: 17.7.2017
Great White sind die Rolling Stones des Hardrock: Sie schreiben erdverbundene, einfache Songs und spielen sie im Studio ein, als hätten sie sie vielleicht gerade einmal geprobt. Arrangementfinessen sind dieser amerikanischen Band auch in ihrem 25. Existenzjahr völlig fremd, Gitarrensoli sind Pflicht, aber Überlänge ist streng verboten. Mehr ansehen
Horizons / The Going’s Easy
Esoteric Recordings / VÖ: 26.11.2012 (Originalveröffentlichung beide 1970)
Verkannte Erfinder
Die Kernbesetzung der englischen Truppe hatte ihre Live-Erfahrungen vor der eigentlichen Bandgründung als Backing-Group für amerikanische Soulsänger gemacht. Aus diesem Humus schöpft die Band auch noch nach dem Einstieg ihres Landsmannes, des Sängers und Flötisten Colin Horton-Jennings, erweitert die Kernkompetenzen aber deutlich.Mehr ansehen
Rainald von Münchhausen, der Verwirrende
Rainald Grebe mit dem „Münchhausenkonzert“ im Tollhaus, Karlsruhe, 22.2.2020
Rainald Grebe, das ist diese irritierende Bühnenfigur, bekannt für illusionslose Hymnen auf desolate Bundesländer, der früher mal mit langem abnehmbarem Bart aus Dichtungshanf, ein anderes Mal mit Indianer-Kopfschmuck auftrat. Heute kommt er in einem schwerem, rotem Königsmantel mit Lichterkette auf dem Kopf in den Saal, als wäre gerade Weihnachten und Karneval gleichzeitig. Da schon fängt das Spiel mit verdeckten Karten an: Was soll das? Warum tut er das? Ah: Vermutlich der Baron von Münchhausen!Mehr ansehen
Mit vier Saiten um die Welt
53 Jahre auf der Bühne: Der Wahl-Karlsruher Bassist Georg Grimm
Notiz: Georg Grimm ist eines der vielbeschworenen „Urgesteine“ der Karlsruher Musikszene. Ein Mann, der voller Geschichten ist und sie auch erzählen kann, der eigentlich so langsam mal in die Pötte kommen sollte mit einem Buch seiner Erinnerungen. Ich habe selbst ein paar Jahre lang mit ihm in einer Band gespielt, und von daher war es mir ein Vergnügen, nach unserer gemeinsamen aktiven Zeit dieses Porträt zu schreiben, das 2015 in den BNN erschien. Here we go….
„Es war wie in vielen Bands: Da gab’s Gitarristen, einen Schlagzeuger, und dann hieß es: Wer macht jetzt Bass? Ich hab‘ gesagt: Okay, ich probiere es mal“. So kam Georg Grimm zu seinem Instrument – und mit dem stand er bei seinem ersten Profi-Engagement 1962 in Bochum auf der Bühne. Der Beat hatte die deutsche Jugend infiziert, und die Silver Strings hatten ein Engagement, dass jedem Musiker 1200 Mark im Monat einbrachte. Georg war einfach von zu Haus abgehauen, ohne die notwendige Erlaubnis seiner Eltern einzuholen, und „mein Vater war Lokfüher, der hat 800 Marl verdient. Der konnte es überhaupt nicht fassen, dass man mit ‚Negermusik‘ so viel Geld verdienen kann“. Mehr ansehen
Wir sind die Sonne
Grobschnitt, Festhalle Karlsruhe-Durlach, 26.4.2008
Darf man Leute ernst nehmen, die sich bei der Ausübung ihres Berufes Willi Wildschwein, Toni Moff Mollo oder Admiral Top Sahne nennen? Darf man natürlich nicht. Aber unter der Voraussetzung, dass man sie nicht ernst nimmt, kann man ziemlich viel Spaß haben bei einem Grobschnitt-Konzert. Etwas enttäuschende 650 Fans sind zu einem der Reunion- Konzerte der Legende aus der einstigen Popmetropole Hagen in die Durlacher Festhalle gekommen, und es ist wie damals an gleicher Stelle in den 80ern: Die Gemeinde huldigt ihren Göttern. Sprich: Der Ungläubige wird kaum bekehrt werden, der Gläubige wird in der Darbietung der 2007 nach 18 Jahren Pause wiederbelebten Band alles finden, was er zur Ausübung seiner Religion braucht, Schall und Rauch zuvörderst.
Mehr ansehen
It’s All About Love
In-Akustik / VÖ: 26.9.2014
Erzählt uns nicht, dass Bluesrock nur noch eine Wiederholung sattsam bekannter Klischees und Phrasen ist, so tot wie Dixieland oder Rock’n’Roll. Und wenn es so wäre? Das Entscheidende ist bei dieser Art Musik immer das „Wie“, nicht das „Was“. Mehr ansehen
Heavy Soul
Grand Cru Records / VÖ: 23.9.2016
Zentnerschwere Seelen
Was macht denn der da? Das ist ja so ein elektronisches Zeug da am Anfang! Falsche CD? Nein, Timo Gross hat ›Gallis Pole‹– Rocker kennen es von Led Zeppelin als ›Gallows Pole‹ neuzeitlich unterfüttert und stellt damit das, was nachher mit Gitarre, Bass und Schlagzeug passiert, nur noch besser heraus. Mehr ansehen