Focus

Focus

Golden Oldies

Focus Music / VÖ: 14.04.2014

Alter Wein, neu gekeltert

Man kann über Neuaufnahmen älteren Materials durch eine aktuelle Bandbesetzung trefflich streiten. Wobei nicht einmal alle Stücke wirkliche Oldies sind. Neuroticaund Aya Yippie Hippie Yeestammen aus dem 21. Jahrhundert. Die Band entfernt sich nur sehr vorsichtig von den früheren Einspielungen. Bei Hocus Pocusdreht Thijs van Leer mit seinem gejodelten „Ungesang“ noch ein wenig mehr auf, als man es kennt, und Gitarrist Menno Gootjes weiß neue Akzente zu setzen. Sylviakriegt ein angefunktes Intro verpasst mit glasklaren Orgeleinwürfen, serviert auf einer zurückhaltenden Gitarre. Für den detailverliebten Archäologen gibt es beim Vergleichen viele Entdeckungen zu machen, die die Band vom Verdacht befreien, hier nur ihre eigene Coverband zu sein. Selbst wenn man sich gewünscht hätte, dass die aktuelle Bandbesetzung der Neuinterpretation der „Oldies“ mehr Freiraum gegeben hätte: Die pure Spielwut, die in jeden Takt zu hören ist, sollte die Kritik zumindest leiser werden lassen. Es gilt, was auch schon für das letzte Studioalbum X halt: Kategorien wie „neu“ und „alt“, „modern“ und „traditionell“ besitzen für diese Band überhaupt keine Gültigkeit.

7/10

Hank Shizzoe

Hank Shizzoe

Songsmith

Blue Rose Records / VÖ: 30.05.2014

Weniger wäre mehr

Der Schweizer Singer/Songwriter (bürgerlich Thomas Erb) kannte schon bisher keine stilistischen Scheuklappen: Er hat sumpfigen Roots-Rock gespielt, im nächsten Momnet auf „Jazzversuche“ umgeschaltet und auch vor Anklängen von Zigan Swing nicht Halt gemacht. Mit Dynamik und Kontrasten hat er schon immer gearbeitet, auf diesem Album treibt er es allerdings ziemlich wild mit der Vielfalt. Was sicher auch seinem Produzenten, dem musikalischen Tausendsassa Stephan Eicher geschuldet ist, der auch mitspielt.

Da gibt es einen staubtrockenen Wüstenrocker (Rocket Ship‹) mit verschlurften Beats und einem Gesang, der in seiner Gelassenheit an Mark Knopfler in seinen besten Momenten erinnert.

Da steht eine verhaltenen Klavierballade neben einem Popsong mit allerhand gewöhnungsbedürftigen elektronischen Spielereien. Like It’s 1929‹ spielt bestimmt in einem Western- Saloon. Oder in einer Music Hall? Jedenfalls irgendwas mit viel Patina. Minuten später erklingt etwas extrem ländliches, bis der Sänger schließlich seine Energien in einem knackigen Shuffle-Rocker der Marke ZZ Top (Where I Come From‹) bündelt. Alles ist absolut stilsicher und mit geschmackssicheren Produktionsideen ausgestattet, wirkt aber am Stück gehört doch etwas zerrissen.

7/10 Thomas Zimmer

Ian McLagan

Ian McLagan

United States

Yep Roc / Cargo Records / VÖ: 17.06.2014

Eingeschlafen im Pub

McLagan hat sich mit den Small Faces und danach als Pianist und Organist für Größen wie die Rolling Stones, Bob Dylan oder Bonnie Raitt die Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall Of Fame 2012

redlich verdient. Sein eigenes Baby heisst The Bump Band, mit der er jetzt sein erstes Studioalbum nach fünfjähriger Pause vorlegt. Die Band runkelt sich tiefenentspannt durch zehn Nummern ohne bemerkenswerte Höhepunkte und verbreitet dabei gemütliches und sympathisches Pub-Rockflair. Da hört man leicht altersschwache Balzgesänge, Kirmesorgeln und immer wieder den gleichen, gemächlich schlendernden Grund-Groove. Manches lässt aber doch aufhorchen: Etwa der raue Charme von Don’t Say Nothing, bei dem McLagan stimmlich signalisiert: Baby, du kannst mir nichts vormachen, ich kenne den Lauf der Welt. Womit er vermutlich recht hat. Er kennt natürlich auch seinen Rod Stewart, sogar ein bisschen zu genau: Love Letter klingt wie ein Nebenprodukt den dessen Erfolgsalbum Sailing. Und das war schon damals nicht mehr so aufregend.

5/10

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In Continuum

In Continuum

Accelerated Theory (Part One: Alien A)
RecPlay/Just for Kicks I VÖ: 01.01.2019
Kino für den Kopf

Dave Kerzner setzt eine Lovestory aus dem All ins Werk, die ursprünglich für das zweite Sound Of Contact Album geschrieben wurde. Mehr ansehen

In Continuum

In Continuum

Acceleration Theory Part Two – Annihilation
RecPlay I VÖ: 06.12.2019
Wohlfühl-Prog für Anspruchsvolle

Dave Kerzner und eine lange Liste befreundeter Musiker (darunter Marco Minnemann, Nick D‘ Virgilio, John Wesley Jon Davison und Michael Sadler setzen die Geschichte über das Schicksal der Menschheit und die Begegnung mit ausserirdischem Leben fort. Mit den Stilmitteln und musikalischen Versatzstücken, die ihre Inspiration durch Altvordere wie Genesis, Pink Floyd und Yes nie verleugnen. Mehr ansehen

Interstatic

Interstatic

Arise

Rare Noise Records / VÖ 12.05.2014

Schmutziger Progrockjazz

Welch schönes lautmalerisches Wort ist „Mugwump“. Im Doozy Mugwamp Blues liefert das Trio gleich 30 Kilo Mugwump mindestens. Ach so: „Mugwump“ bedeutet Großer Häuptling, mächtiger Mann. Na gut, passt zum Sound, bestehend aus verspieltem und doch forschem Drumming und Gitarrenspiel, und einer Orgel, die um all das flächendeckend herumwest. Plus dem Mut, draufloszuspielen. Roy Powell klotzt mit Orgelakkorden, die ein warmes, sattes Klangbild schaffen. Zu dem Gitarrist Jacob Young seine teils schrillen, schrägen, wahwahverschmierten Einwürfe beisteuert, auf die Drummer Jarle Vespestad unmittelbar reagiert. Da braucht es keinen Bass: Bassdrum und Orgel machen den fetten Bumm, und im nächsten Moment hat sich die Musik schon wieder gedreht in einen Strudel, der Hightech-Jazzrock und feisten Retroprog versöhnt, nur irgendwie schmutziger. Schrill der Synthie aufjault wie seinerzeit – und nur Minuten später swingt es traditionell, und immer wieder bricht diese irrlichternde Gitarre durch. Das Album klingt nach mit heissem Herzen umgesetzten spontanen Ideen in einem dennoch sorgfältig geplanten Rahmen. Die von den Protagonisten angegebenen Einflüsse von Zappa bis McLaughlin, von Tony Williams Lifetime und Jimmy Smith spürt man. Aber auch, dass das Instrumental-Trio etwas ganz Eigenes draus macht. »Nichts geht über koordinierte Verrücktheit im Einklang mit einem heftigen Groove und ein paar ordentlichen Soli«, sagt Roy Powell. Er hat recht.

8/10

IQ

IQ

Resistance
Giant Electric Pea I VÖ: 11.10.2019
Kein Konzept, aber ein Doppelalbum

Die dunkle und härtere Seite der Band stelle dieses Doppelalbum in den Vordergrund, verspricht das Info.Mehr ansehen

Isilddurs Bane & Peter Hammill

Isilddurs Bane & Peter Hammill

In Amazonia
Ataraxia I VÖ: 10.05.2019
Beklemmend und befreiend

Isildurs Bane sind ein musikalische Chamäleon, das sich scheinbar mühelos in unterschiedlichen Welten bewegen kann und schon bewiesen hat, dass es sich Gast-Stimmen ganz wunderbar anpassen kann, ohne die eigen Band-Identität aufzugeben, so etwa mit Marillion-Sänger Steve Hogarth.Mehr ansehen

Kayak

Kayak

Seventeen
Inside Out / VÖ 2.2.2018
Kalorienhaltige Käsesahne

Ordentlich, sauber, immer auf der Gratwanderung zwischen ausufernden, vielschichtig arrangierten progressiven Werken wie dem 11-minütigen ›La Peregrina‹, nicht ganz klischeefreiem 80er-Jahre AOR (›Feathers And Tar‹) und einer leicht schwülstigen Pop-Gefühligkeit balanciert dieses 17. Album der legendären Holländer in der neusten Inkarnation, die Band-Nukleus Ton Scherpenzeel um sich geschart hat.Mehr ansehen

Lost World Band

Lost World Band

Spheres Aligned
Samum Publishing I VÖ: 23.04.2019
Kunst um der Kunst willen

Seit 1990 gibt es die russische Band, der man in jedem Moment anhört, dass ihre kreativen Köpfe Andy Didorenko und Vassili Soloviev mal Musik studiert haben. Handwerklich ist das überwiegend instrumental zu Werke gehenden Quintett über jeden Zweifel erhaben – und stilistisch können sie aus einem dicken Füllhorn von Musik schöpfen. Aber meist packen sie von allem zu viel in ihre Musik.Mehr ansehen