Im Land, wo Milch und Honig fiedeln
Festival Of Irish Folk Music im Tollhaus, Karlsruhe, 18.3.2018
Ardmore liegt in Connemara im wilden Westen Irlands und hat ungefähr dreihundert Einwohne. Ein Prozent davon stand am Sonntagabend auf der Bühne des Tollhauses, wie Conall Flaherty schmunzelnd feststellte. Flaherty ist ein Drittel des jungen Trios High Time, das das Festival Of Irish Folk Music eröffnete. Das besondere dieser Band ist zum einen die Besetzung: Neben Flötist Flaherty und Gitarrist und Sänger Ciarán Bolger brilliert Flahertys 19-jährige Bruder Seamus an der keltischen Harfe. Damit schafft er einen perlenden, fliessenden Drive, der die Musik – gleichwohl fest in der Tradition verwurzelt – einen Tick anders klingen lässt. Mehr ansehen
Niedersächsisches Barock
Jane in der Fabrik, Bruchsal, 27.10.2010
Bands wie Jane, die zu den Vätern des Krautrock zählen, können auf eine kleine, treue Fangemeinde zählen, die ihre Helden mit lautstarker Verehrung begrüßt. So war es auch am Mittwochabend in der Fabrik in Bruchsal. Kaum blasen die Hannoveraner die ersten opulenten Töne ihres voluminösen, orchestralen Sounds in den Raum ist war eitel Verzückung, offener Mund und Ausdruckstanz das Gebot der Stunde. Der Song „All My Friends“ weist den Weg zu einer intensiven Party für vielleicht 150 Gäste.
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Wehe, wenn sie losgelassen
Jane Lee Hooker und Layla Zoe im Jubez, Karlsruhe, 16.3.2017
„Wir spielen hart, schnell und laut“ sagen die Damen, die sich als Band Jane Lee Hooker nennen – und wohlan: sie verfügen über eine dem Blues sonst nicht gerade innewohnende punkige Energie, eine gewisse Grundschludrigkeit und das Image von wildgewordenen Rotzgören. Passt alles. Klar, diese aus allen Ventilen dampfende, herausgeprügelte Version von Johnny Winters „Mean Town Blues“ bestätigt ihre Selbstauskunft. Knüppeldick. Mehr ansehen
Viel Lärm um überhaupt nichts
JBO in der Festhalle Durlach, Karlsruhe, 1998
Vito heißt eigentlich Veit. Aber weil er jetzt in dieser tollen Band spielt, darf er sich Vito nennen. Und wer Vito heißt, der kann auch mit seinem Publikum so umspringen, wie es ein Veit gar nimmermehr könnt. Gleich am Anfang macht er seinen gut 1.000 Lemmin-gen klar: „Wenn ich sage: Danke, Karlsruhe, dann sagt Ihr: Bitte, Vito“. Und das Publikum sagt: „bitte Vito“. Dann haut er in die Gitarre und macht drei Minuten lang irgendeinen ge-nialen Rocksong zu Schrott.Mehr ansehen
Tollhaus, Karlsruhe, 11.9.2014
Wer in einem Songtext „Petrosilia, Che Guevara, Mata Hari, Metaplastik“ und „Kama Sutra“ unterbringt, dem wird man kaum zu nahe treten, wenn man ihm einen gewissen Unernst unterstellt. Genau damit trifft man den Markenkern der Jewish Monkeys. Die Band, die sich um Ronni Boiko und Jossi Reich („ein unangenehmer Name“) und Gael Zeidner gruppiert, hat in der Tat einen besonderen, bissigen Humor voll subtiler politischer Anspielungen und erotischer Zügellosigkeiten. Mehr ansehen
Lautstarke Familienunterhaltung
Journey, 11.6.2008, Schwarzwaldhalle Karlsruhe
Es ist eine klassische „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story: Arnel Pineda, ein Sänger aus Manila, der sich aus ärmlichsten Verhältnissen immerhin zu einer popmusikalischen Größe seines Heimatlandes emporgearbeitet hatte, stellt Kostproben seiner Sangeskunst auf YouTube ins Internet, und Neal Schon, Gitarrist von Journey, dem hochglanzpolierten Flaggschiff amerikanischer Mainstream-Familienunterhaltung, sieht Pineda dort Journey-Songs singen, und weiß: Der ist mein Mann. Also versucht er Kontakt aufzunehmen, aber Pineda glaubt zuerst nicht, dass es wirklich Neal Schon ist, der ihn da anmailt. Als er schließlich doch antwortet, ist Schon zehn Minuten später am Telefon und lädt den Sänger zu Proben nach Kalifornien ein.
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Der die Gitarre auswringt
Kenny Wayne Shepherd Band, Tollhaus-Zeltival, Karlsruhe, 26.7.2017
Kenny Wayne Sheperd hat kürzlich mit „Lay it On Down“ ein Album veröffentlich, das in weiten Teilen klingt, als wolle er sich auf Biegen und Brechen unbedingt an ein Mainstreamrock-Publikum ranschmeissen, aber gleichzeitig die Freunde des ungehobelten Bluesrock nicht vergraulen. Genau diese Gratwanderung spiegelt das umjubelte Konzert am vergangenen Mittwochabend beim Zeltival wieder. Die Bühne gemahnt mit dem überlebensgroßen Plektrum und den Initialen des Künstlers an die Tatsache, das hier ein (mit 40 Jahren noch recht junger) Gitarrenheld der alten Schule aufspielt.
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Zweimal scharf mit alles
Kensington Road & Voodoo Kiss, Jubez, Karlsruhe, 18.1.2016
Was tun, wenn zum letzten Konzert einer Tour nur ein erlesenes Häuflein wahrer Kenner erscheint, die Jungs von der lokalen Vorband schon mitgezählt? Routiniert sein Programm runterspielen oder ein verschwitztes Familienfest daraus machen? Stefan Tomek, Frontmann der Berliner Band Kensington Road entscheidet sich für letzteres. Auch wenn das akustische Breitwandkino, das sie in ziemlich viehischer Lautstärke auf der Bühne des kleinen Jubez-Saals entfesseln, hier einen Tick überdimensioniert wirkt: Es lässt ahnen, wie gut die Musik auf größeren Bühnen wirken kann. Mehr ansehen
Grau ist die Farbe der Liebe
Kings X, Karlsruhe, Substage, 4.4.2009
Notiz: Dies war ein Auftrag von ROCKS. Kurze Kritik, dazu ein paar Publikumsstimmen und aschliessend hatte ich noch eine Verabredung mit Doug Pinnikck im Tourbus, wo er den damals üblichen Fragebogen des Magazins beantworten durfte. War lustig und inspirierend, aber auch ein bisschen stressig.
„110 Percent“ hat Doug Pinnick angekündigt, Ty Tabor trägt Ramones-T-Shirt, da kann nichts schief gehen. ›Alright‹ ist das erste atemlose Signal der Hoffnung. Es wird schon gut werden, keine Angst. Ein langes „Yeah“ noch, und Pinnick, gerade mal zehn Minuten am Arbeitsplatz, und schon hat er sie alle, die ausgehungerten Fans.Mehr ansehen
Die Weltmusik-Vermittler
Klangwelten-Festival, Tollhaus, Karlsruhe, 13.11.2014
Es ist das 28. Klangweltenfestival, erzählt ein gut gelaunter Rüdiger Oppermann dem Publikum, und es werde weitergehen. „Ich habe noch so viele neue Stilistiken entdeckt, die ich euch zeigen will“, kündigt er an. Oppermann bringt in diesem Jahr indische, afrikanische und kreolische Musik zusammen und erschafft einen Abend, dessen Reiz von harten Kontrasten ebenso wie von der Verbindung der musikalischen Welten geprägt ist.
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