Notiz: Dieser Artikel entstand mit einer ziemlich aufwändigen Recherche für das Magazin des SWR im Jahr 2004. Die Zeischrift gibt es leider nicht mehr, vielleicht ein Symptom dafür, dass der von mir hoch geschätzte Öffentlich-Rechtliche Rundfunk immer mal wieder an der falschen Stelle spart. Jedenfalls gab mir die gelegentliche Arbeit für diesen Auftraggeber die Möglichkeit, hinter die Kulissen interessanter Veranstaltungen zu blicken. Und da ich kein Bluesexperte bin, habe ich in diesem Fall auch noch einiges über diese Musik erfahren. Als Titelbild habe ich Joy Fleming gewählt, weil sie eine der ersten war, die beim Lahnsteiner Bluesfestival auf der Bühne standen. Und im übrigen habe ich den Artikel mit Fotos von Künstlern bebildert, die dort irgendwann mal aufgetreten sind. Die Fotos stammen – da aus meinem Archiv – aber nicht aus Lahnstein. So…. here we go.
Lahnstein Blues
Das „Blues Mecca Of The World“ hat Siegfried Schmidt-Joos Lahnstein genannt. Er muss es wissen, ist er doch immerhin der Urheber des Standardwerkes über populäre Musik: Des immer wieder aufgelegten „Rock-lexikons“. Draußen Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern, Burgenromantik, Kopfsteinpflaster, rheinisches Schiefergebirge. Drinnen in der Stadthalle: Sehr gelb, sehr rot, sehr lila, sehr Seventies, der Teppichboden, man muss ihn gesehen haben. Menschen strömen herein in diese Stadthalle. Eine architektonische Zeitreise. Im Foyer stehen sie in Gruppen und diskutieren über das gerade Gehörte. Bier trinkt man hier aus Flaschen. Der Blues aber ist zeitlos. Mehr ansehen
Der unbekannte Gitarren-Star
Der Saarländer Thomas Blug verdient sein Geld als „Sound Designer“ und im Studio
Notiz: Das Porträt entstand auf Anregung von Rudi Metzler. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich meine, geschrieben habe ich es auf der Basis eines längeren Telefoninterviews, das ich mit Blug führte. Veröffentlicht wurde es wohl seinerzeit in den BNN. Ich hatte ihn vorher nicht gekannt, keinen Ton von ihm gehört. Seit diesem Porträt war ich angefixt und habe immer wieder geschaut, diesen wunderbaren Gitarristen in diversen Formationen live erleben zu können. Vielleicht ist dieses Porträt ganz interessant für Leute, die ihn – wie ich – auch erst spät entdeckt haben. Die Fotos dazu entstanden viele Jahre später, bei Konzerten in Karlsruhe und Remchingen.
Die Finger sausen über die Saiten, die Fender Stratocaster singt in erdigen, vollmundigen Ton. Hier schöpft einer aus dem Vollen: Wohlgesetzte Riffs, scheinbar mühelos pendelnd zwischen Lead und Rhythmusspiel. Präzision und Gefühl, die ganz Geschichte der Rockgitarre im Hinterkopf und was Eigenes daraus geformt. Ekstatische Soli mit kontrollierter Aggression gespielt. Ein Gitarrist der Extraklasse. Mehr ansehen
Bei uns zuhaus
Ein Jahr nach dem 50jährigen Bandjubiläum und nur zwei Jahre nach Indian Camel hat Bröselmaschine, die Duisburger Rock-Institution in Sachen grenzenloser musikalischer Freiheit ein neues Album am Start. Elegy spannt den Bogen von Folk über Weltmusik bis Metal und klingt erstaunlich jung. Das sollte mit einer raschenden Releaseparty begangen werden.
Duisburg, Grammatikoff, Sonntagabend, Ein kuscheliger Club im Dellviertel. Nebenan das Programmkino, daneben eine Kneipe mit Hausbrauerei. Der perfekte Ort für ein Release-Konzert von Bröselmaschine. Ich war da, und es war großartig. In musikalischer und in menschlischer Hinsicht. Und kosmisch war es auch. Wie meinen? Nein, ich habe nichts geraucht. Mehr ansehen
„Ich spiele Jack“
Amerkung: Mit Jack Bruce sprach ich zur Zeit seiner Zusammenarbeit mir Robin Trower und Gary Husband. Es war auch die Zeit, in der er in der britischen Presse mal so richtig abgekotzt hatte über Led Zeppelin. Da musste ich als alter Jimmy-Page-Verächter einfach nochmal nachhabken. Und Jack Bruce hat mir genau das erzählt, was ich hören wollte. Ich weiss, das ist biliger Klatsch- und Tratsch-Journalismus, aber es war mir ausnahmsweise ein Vergnügen, den alten weisen Cream-Bassisten ausführlich zu ziteiren.
Heavy Rock, Jazz, Blues, Fusion, Avant-Garde, World Music, R & B, Free Jazz oder auch einfach mal Rock. In alle diese Schubladen wurde das Lebenswerk des Jack Bruce, der am 14. Mai 66 wird, schon hineingesteckt. Bruce, der seinen anhaltend guten Ruf bei Musikliebhabern jeder Couleur auch dieser Vielfalt verdankt, hat Schubladendenken immer abgelehnt. Wer’s von ihm bestätigt haben will, kriegt von ihm postwendend ein druckreifes Zitat: »Ich würde erstmal sagen: ich spiele keinen Jazz, ich spiele Jack.«Mehr ansehen
Musik hilft immer
Erstveröffentlichung im ROCKS Magazin 2013
Eric Burdons aktuelles Album ‚Til Your River Runs Dry zeigt den 71jährigen als scharfen Beobachter und Seismograph politischer und ganz persönlicher Themen, als retrospektiven Geschichtenerzähler ohne Nostalgiekitsch – und vor allem stimmlich auf der Höhe und musikalisch sprühend vor Ideen.
Eric Burdon ist der Mann, der Bruce Springsteen einmal bei einem Treffen nach einer Show im Backstage Bereich die kalte Schulter gezeigt hat: »Er hat mich vor längerer Zeit einmal auf eine Produktion angesprochen, ich wusste nicht was ich sagen sollte. Also sagte ich: Nein, es ist jetzt nicht die richtige Zeit. Danach habe ich gedacht: Vielleicht habe ich jetzt was falsch gemacht. Man muss den Mann doch respektieren, der ist der größte Rockstar, den wir im Augenblick in Amerika haben«. Inziwschen kann Burdon wieder ruhig schlafen: Auf dem South By Soutrhwest Festival 2012 in Austin bekam der Engländer den Ritterschlag vom Boss. Der nämlch gestand, alles was er je geschrieben habe, sei eigentlich nur ein Aufguss des 1965er Animals-Hits ›We Gotta Get Out Of This Place‹ (»That’s every song I’ve ever written«).Mehr ansehen
Eingestellt am 24.9.2026
„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat“. So fasste Erich Kästner das Versagen der Demokratie in der Weimarer Republik zusammen. Er, dessen Bücher von den Nazis verbrannt wurden, steht bestimmt nicht im Verdacht, ein Linksradikaler oder gar Gewaltbefürworter zu sein. Hätte ZDF-Intendant Norbert Himmler in Kästners Worten einen Gewaltaufruf gesehen, wäre er denn ein Zeitgenosse des Schriftstellers gewesen?Mehr ansehen
Kann man Musiker ernst nehmen, die sich Künstlernamen wie Queen Mary K. Hogwallop, Hank Hambone oder Master T. Stan McGorman geben? Spätestens seit 2015 kann die Frage eindeutig mit „ja“ beantwortet werden. Denn da befand Walter Fuchs, Deutschlands sicher bekanntester Country-Experte: „Die Dapper Dan Men gehören mit zu dem Besten, was Deutschland an Bluegrass zu bieten hat“. Mehr ansehen
Erschienen im ROCKS Magazin, 2013
Deep Purple melden sich nach acht Jahren Studio-Abstineinz mit Now what?! Das Album ist ein musikalischer Triumph. Voller einfallsreicher Riffs, großer Melodien, und der Energie der Deep-Purple-Konzerte. Produzent Bob Ezrin hat die Band so aufgenommen, wie sie noch nie klang: ganz groß.Mehr ansehen
„Die Atmosphäre war elektrisch aufgeladen“
Erstveröffentlichung in ROCKS, 2014
Bemerkenswerte Aktivitäten werden aus dem Deep Purple Trainingslager gemeldet: Die ersten Sessions für den Now What-Nachfolger sind gelaufen, Anfang 2015 sollen Songs aus den Ideeen werden. Unterdessen spricht Drummer Ian Paice, über den Gig seines Lebens beim „Celebrating Jon Lord“ Konzert in der Royal Albert Hall und die neuentdeckte Lust an der Studioarbeit. „Die Atmosphäre war elektrisch aufgeladen, es war ein Abend der Freude, in den sich natürlich auch Trauer mischte, weil wir einen Bruder verloren hatten. Als wir von der Bühne kamen und mit ein paar Leuten einen Drink an der Bar nahmen… da kriegten wir vor allem mit, dass sie immer noch eine Gänsehaut hatten“ beschreibt Ian Paice die Stimmung am Abend des 4. April dieses Jahres. Des Abends, an dem sich Musikerkollegen und Freunde von Jon Lord auf der Bühne der Royal Albert Hall trafen, um das Lebenswerk des Komponisten und Rockmusikers Lord zu feiern. Neben der aktuellen Deep Purple Besetzung waren unter anderen Glenn Hughes, Phil Campbell (The Temperance Movement), Paul Weller, Bruce Dickinson und Rick Wakeman beteilgt, für die Orchesterparts war Dirigent Paul Mann zuständig, der schon bei der Neuauflage von Lords Concerto For Group And Orchestra 1999 am Pult gestanden hatte.Mehr ansehen
Eingestellt am 11.12.2025
Warnhinweis: Bevor Sie das lesen, sollten Sie wissen: Die allein selig machende Religion des Autors heisst Deep Purple. So, jetzt zum Thema. 2005 erscheint das Album „Rapture Of The Deep“, das neben dem grandiosen Titelsong wenig Material enthält, an das sich heute noch jemand erinnert. Was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Band damals wenig vorbereitet ins Studio ging und eher durch solides Handwerk denn überzeigendes Songwriting zu punkten wusste. Zudem klingt die Produktion dünn und kraftlos. Besonders der Schlagzeugsound ist zum verzweifeln: Ian Paices Drums klingen gerade so, als trommle er auf alten Waschmittel-Kartons.Mehr ansehen
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