Roachford

Roachford

April 2014, Jubez, Karlsruhe

„Thank you, my family“

Der kommt auf die Bühne, fragt kurz nach, ob man sich denn wohlfühle und grinst dann breit: „You’re ready“, gar keine Frage. Schon hat er sein Publikum. Dennoch: Der breiten Masse dürfte Andrew Roachford, der 49-jährige Londoner Sänger, Pianist, Gitarrist, Songschreiber eher als der Mann bekannt sein, der Paul Carrack bei Mike And The Mechanics beerbte. Seine eigene Musik hat noch einiges mehr zu bieten hat, als der Rutherfordsche Wohlfühlpop zulässt.Mehr ansehen

Rob Tognoni

Rob Tognoni

30.10.2019
Jubez Karlsruhe

Obacht! Explosives Power-Trio

Rob Tognoni – ein Schrank von Kerl mit einem Sack, prall gefüllt mit Millionen von Tönen – wird auch gern als „Tasmanian Devil“ bezeichnet. Sein Gitarrenspiel rechtfertigt diesen Ehrentitel allemal. An seinem 59. Geburtstag kalfakterte er sich im Jubez Töne ejakulierend durch einen Set, der den Gläubigen wieder einmal ohrenbetäubend vor Augen führte, dass das klassische Powertrio noch nicht tot ist. Tognoni und seine Sidemen spielten sich mit filigraner Brachialgewalt (das ist kein Widerspruch!) durch ein Jahrzehnt umspannendes Repertoire, und da werden wahrlich keine Gefangenen gemacht.Mehr ansehen

Rory würde das gefallen

Rory würde das gefallen

Gerry McAvoys Band Of Friends, Jubez, Karlsruhe, 11.3.2020

Am 14. Juni 1995 starb der irische Gitarrist Rory Gallagher. Noch heute, 25 Jahre später gilt er als eine Ikone. Gallagher gehörte zu den Gitarristen, die in den 70er Jahren den Blues auch für ein Rockpublikum massenkompatibel machten, und die Überlebenden dieses Massenpublikums strömen heute in fiebriger Erwartung zu den Konzerten, die Gerry McAvoy, Gallaghers Bassist von Anfang bis Ende, unter dem Etikett Band Of Friends veranstaltet. Ihre Erwartungen wurden am Mittwochabend im Jubez nicht enttäuscht – wo McAvoy genau die richtigen Friends auf geboten hat. Mehr ansehen

Stromgitarren zu Strumpfhosen

Stromgitarren zu Strumpfhosen

Blackmores Night

Brahmssaal, Stadthalle Karlsruhe, 13.9.2008

Ein paar plastikverbrämte Monitorboxen, die wohl Felsbröckchen in mittelalterlicher Landschaft darstellen sollen und die um die Mikrophonständer gewickelten Fischreusen weisen den Weg ins ganz persönliche Auenland des Richie Blackmore und seiner Muse Candice Night. Die sparsame Bühnendekoration allerdings steht im Widerspruch zu der Opulenz dessen, was Herr Blackmore und seine Spielleute in den nun folgenden gut zweieinhalb Stunden anrichten werden. Auftritt Candice Night, die wirbelnde, wallende Hexe. Sie steht im Rampenlicht, niemand sonst. Sie singt, sie redet, auch für den Lebensgefährten. Der steht da, wie man ihn schon zu Deep Purple Zeiten kannte: schweigend. Die Gesichtsmimik symbolisiert: Obacht, ich bin ein mysteriöser Mann!“.

Die Musik von Blackmores Night ist nichts dergleichen. Man nehme „Under A Violet Moon“ in seiner beispielhaften fast schmerzhaften Eingängigkeit. Hätte er es denn geschrieben, hätte Mike Oldfield damit seiner Hit-Phase einen weiteren passenden Knaller hinzugefügt. Candice Night versucht, dem poppigen Leichtgewicht des Songs durch eine Art Ausdruckstanz Gewicht zu geben, ähnliches passiert durch schweres Rockgeorgel. Das den eh weit hinten im Mix liegenden Blackmore noch weiter nach hinten schiebt.

Der macht sich stattdessen in den eher leisen Stücken durch gefühliges Umspielen der Melodien, durch tändelnde Arpeggios und allerhand Kunststückchen auf der Akustischen Gitarre beliebt. Ja, das kann er. Doch, weh und ach: Das balladeske wird gar oft zugeschüttet vom unbändigen Keyboardbrummen. Dann packt man gleich zwei Perlen der Songschreiberkunst des vergangen Jahrhunderts zusammen: Ralph McTells unverwüstliches „Streets of London“ und Dylans „The Times they are a changin“. Abgesehen davon, dass es ein Sakrileg ist, solche Songs in einem Medley zu verwursten, bringt diese Interpretation nichts weiter als die Erkenntnis, dass Candice Night eine technisch hervorragende Sängerin ist, die jede Nuance beherrscht, die auch in schwierigen Tonlagen immer präsent ist. Und es trotzdem konsequent schafft, jedwedes Musikmaterial zu wohl tönender Hintergrundmusik zu machen.

Man stelle sich vor, Pablo Picasso hätte plötzlich angefangen, röhrende Hirsche vor kristallklaren Quellen zu malen. So etwa wirkt Blackmores Wandel – auch noch nach über 10 Jahren, denn mit Folk hat diese Als-Ob-Musik nur die Instrumentierung gemein. Das hörbare Bemühen um Abwechslung erschafft einen musikalischen Gemischtwarenladen, der Kosmopolitentum und die Suche nach Musikgeschichte vorgaukelt, in dem russische Kasatschok Stimmung, ein bisschen Balkanromantik, weitere zuckersüße Balladen und sogar über die Bühne laufendes lebendes Gemüse ihren Platz haben. Wenn dann alle aufstehen und brav auf die eins und die drei klatschen ist das Ziel erreicht. Nach Bierzeltstimmung mit viel n „falleri fallera“ und „knapsack on my back“ plus sämig aufgestrudeltem Deutschlandlied jetzt also ein paar Takte Rock. Aber vorsichtig. Mit „Ariel“ und seinen arabischen Anklängen gibt es den besten Song vom letzten „Rainbow“ Album. Der CD, nach der der Rockmusiker Blackmore aufhörte, zu existieren. Der Sound ist noch da, der „alte Blackmore“ ist selbst für Taube erkennbar. Netter Versuch, aber ein paar Minuten später ist die Stromgitarre wieder weg, und mancher alte Fan, der nur deswegen gekommen ist, harrt bis zum Schluss aus, um eine mediokre Version von „Smoke On The Water“ als Erlösung hingeworfen zu bekommen. Es reicht für rasende Begeisterung.

The Musical Box

The Musical Box

Leblose Imitation

31.10.2019
Konzerthaus Karlsruhe

Jon Lord, 2012 verstorbener Keyboarder von Deep Purple hat einmal sinngemäß gesagt, die Musik seiner Band sei genauso relevant wie irgendwas von Bach. Das ist natürlich einerseits wahr. Was schon dadurch bewiesen ist, dass „ernsthafte“ Orchestermusiker sich heute die Finger danach lecken, eine Band wie Deep Purple begleiten zu dürfen. Das birgt aber auch andererseits die Gefahr, den eingefleischten Fan von klassisch inspirierter Rockmusik zu der Überzeugung zu verleiten, die Werke seiner Lieblingsmusik zu kanonisieren und vom Interpreten abzukoppeln. Die Folge dieses Missverständnisses: Tribute-Bands haben Zulauf. Man geht zu Pink Floyd- oder eben Genesis-Tribute-Bands mit der gleichen Rezeptionshaltung, mit der man ein Sinfoniekonzert besucht. Um dann enttäuscht festzustellen: It‘s the singer, not the song. Anders gesagt: Die Wirkung von Rockmusik hängt sehr vom Interpreten ab. Mehr ansehen

Thorbjørn Risager and The Black Tornado

Thorbjørn Risager and The Black Tornado

Blues von der Sonnenseite des Lebens
Jubez, Karlsruhe, 22.11.2019

Es mag ja ein abgedroschenes Klischee sein, aber weil Thorbjørn Risager und seine glorreichen Sieben zum ersten Mal in Karlsruhe gastieren, sei es hier gestattet: Wer den Mann nicht kennt, nicht sieht und nur singen hört, der glaubt, er habe einen alten, dicken schwarzen Mann aus dem Mississippi-Delta vor sich, Dann öffnet er die Augen und sieht einen langen, höchstens zehn Gramm schweren Schlacks vor sich, Typ Weisser-Riese im Anzug. Mehr ansehen

Tito & Tarantula

Tito & Tarantula

Die Wüste lebt immer noch

Fabrik Bruchsal,Juli 2010

Vierzehn Jahre ist es her, als Tito & Tarantula in Quentin Tarantinos Film „From Dusk To Dawn“ ihren Auftritt hatten. Der Song hieß „After Dark“ und blieb ihr einziger wirklicher Hit bis heute. So falsch es wäre, die Band auf diesen einen Song zu reduzieren, so richtig ist die Aussage: Der Song hat alles, was das Tito & Tarantula Universum in seiner Gesamtheit ausmacht: Es knarrt, es ächzt, man spürt die Hitze der Nacht irgendwo zwischen Texas und Mexico und halluziniert verrostete Zapfsäulen zwischen verdorrten Kakteen. Ein wildgewordener Gitarrist versucht jaulend, seine Seele ins Griffbrett zu stülpen, und Tito Larriva singt oben drüber mit einer Stimme, die nach intensiv zerlebtem Leben klingt.Mehr ansehen

UFO

UFO

Zwischen dampfenden Gullys

Mai 2010, Fabrik Bruchsal

Irgendetwas muss schiefgelaufen sein in der Welt der Dezibel: Da bringt die britische Hardrocklegende UFO im Jahr 2009 (dem 40. Jahr ihres Bandbestehens) mit „The Visitor“ ein Album auf den Markt, das vor 30 Jahren unverzüglich zum Klassiker ernannt worden wäre, und keiner kriegt es mit. Mehr ansehen

Unisonic

Unisonic

Überzeugungstäter in Sachen Melodic Rock

Fabrik Bruchsal, Juni 2010

Legt man die Messlatte hoch, könnte man Unisonic als neue Supergroup des Melodic-Hard-Rock bezeichnen: Drummer Kosta Zafiriou, Bassist Dennis Ward (die Rhythmussection der Karlsruher Pink Cream 69), Gitarrist Mandy Meyer (ehemals Asia, Krokus, Gotthard) und Sänger Michael Kiske (Ex-Helloween) haben diese Band zusammen gegründet. Mehr ansehen