Poor Genetic Material: Vater und Sohn (2020)

Poor Genetic Material: Vater und Sohn (2020)

Atmosphärischer Progressive Rock aus Mannheim

Foto-Credits: Marco Magin (Live-Fotos)

Poor Genetic Material sind eine Progressive Rockband aus Mannheim. Sie vertonen gerne Literatur. So haben sie Shakespeares „The Tempest“ zu Musik werden lassen, ein weitere ihrer Alben ist von James Joyces „Ulysses“ inspiriert. Im Gegensatz zum literarischen Werk ist die Musik der Band um Sänger Philip Griffiths (Prog-Fans auch bekannt als Sänger von Alias Eye) aber alles andere als schwer zugänglich. Poor Genetic Material haben sich einer Spielart des Progressive Rock verschrieben, die auf Melodien setzt, die Pathos aus eben jenen statt aus meterhohen Arrangement-Ungetümen zieht, und die immer den Song über handwerkliche Protzerei stellt. Eloy, Pink Floyd, RPWL oder Camel mögen als Referenzgrößen für Einsteiger herhalten. Da hört man eine Gitarre, die nachdenklich die Räume durchmisst, dazu eine hingetupfte Flöte. Oft perkussiv gespieltes Schlagzeug und ostinate Bässe bilden das Gundament für eine Musik, die sich viel Zeit lässt. Und Platz schafft für den Gesang. Bei dem Junior Philip immer mal unterstützt beziehungsweise abgelöst wird von seinem Vater Martin Griffiths, dereinst Sänger von Beggars Opera. Der seit einiger Zeit festes Mitglied der Band ist. Die Stimmen der beiden liegen ziemlich nah beeinander, klingen gut miteninander und sind zusammen einfach nur schön. Gerade ist ihr neues Album „Here Now“ erschienen. Ein besonderes Highlight darauf ist „The Garden“, eine 13 Minuten lange mehrteilige Suite mit wiederkehrenden Motiven, die auf der Geschichte des Schwetzinger Schlossgartens basiert. Komponiert und gesungen von Martin Griffiths, der dieser Tage Schlossführer in eben jenem herrlichen Garten ist.

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Popakademie Mannheim: Der Start. Eine Reportage (2003)

Popakademie Mannheim: Der Start. Eine Reportage (2003)

Der Melting Pot brodelt schon

Die Popakademie in Mannheim hat ihre künftigen Stars geprüft

 Dario Allegra ist ein wenig nervös: Es ist Nachmittag, es ist warm, und er ist jetzt dran. Dario will an der Popakademie studieren, und da sitzt er nun mit seinem Elektropiano. Ihm gegenüber acht Menschen mit sehr, sehr guten Ohren, unter ihnen die Popakademie- Geschäftsführer Professor Udo Dahmen und Dirk Metzger, die Sängerin Pe Werner und der Gitarrenzauberer Peter Wölpl. Dario schraubt am Mirkophon.“ Brauchst Du einen Notenständer?“ fragt Pe Werner aufmunternd. Nein, braucht er nicht. Dann singt er zweieinhalb Songs. Udo Dahmen winkt ab. Genug gehört fürs erste. „Jetzt würd’ ich noch gerne wissen, wie es klingt, wenn Du deutsch singst“, sagt Pe Werner. Dario bekommt ein Playback zugespielt, ein Textblatt in die Hand gedrückt – und singt einfach drauflos. Dann noch ein paar Fragen zur persönlichen Motivation und: „Der nächste bitte….“

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Rarebell, Hermann: „Mich interessiert nichts außer Musik“ (2014)

Rarebell, Hermann: „Mich interessiert nichts außer Musik“ (2014)

Ein Scorpions-Veteran spricht

Im Oktober 2014 kam ein Anruf der BNN-Redaktion, ob ich mit Herman Rarebell zu Mittag essen wolle, er sei gerade in Waldbronn (of all places), wo es abend eine Verantaltung gebe, bei der Frank Laufenberg ihn über sein wildes Leben mit den Scorpions befragen werde. ich überlegte nicht lange,obwohl der gebürtige Saarländer nicht gerade zu meinen Favorite Drummers zählt – aber es wurde dann doch ganz nett. Das stand am Tag danach in der Zeitung. 

Ex-Scorpions Schlagzeuger Herman Rarebell heute in Waldbronn

Im November 1949 wurde er Hüttersdorf im Saarland als Hermann Erbel geboren. Fast 30 Jahre danach verwandelte er sich in Herman Rarebell und wurde weltberühmt als Schlagzeuger der Hannoveraner Hardrockbandband Scorpions. Seine ersten Versuche, Rockstar zu werden, scheiterten allerdings. „Ich bin 1971 das erste Mal nach England gezogen. Ich hab’ wirklich gedacht, ich könnte bei einer großen englischen Band einsteigen. Da hat natürlich keine Sau auf mich gewartet, und nach einer Woche war die Kohle alle“,Mehr ansehen

Rockpalast Revisited (2009)

Zur Erinnerung an Peter Rüchel.
Ein Text von 2009, basierend auf einem ausführlichen Interview, erstmals veröffentlicht im ROCKS-Magazin

23. Juli 1977: Die erste richtig lange Rockpalast Nacht in der ARD. Angeschlossen sieben Länder. Der damals 29jährige Peter Rüchel, er war gerade Leiter des WDR-Jugendprogramms geworden, hatte seinem damaligen Chef zwei Jahre zuvor den Vorschlag „gefilmtes Konzert, live“gemacht, und der hatte die Idee gut gefunden. Als Rüchel mit Regisseur Christian Wagner die Konzeption entwickelte, wollten sie weg von der Nummernrevue des Beatclub, weg von den Eingriffen der Regie durch allerhand Bildverfremdungen. Besonders Christian Wagner habe damals sehr puristische Vorstellungen gehabt, »wie sie Absolventen einer Hochschule gelegentlich haben, theoretischer Art: Dass die wichtigste Einstellung die Totale sein, weil sie demokratisch war, weil sie immer alle zusammen zeigte. Das war ja auch alles politisch damals«. Man einigte sich auf einen Mittelweg, der die Totale als Orientierung mit einbezog. Wenn es um Auswahl der die Bands ging, zogen sich die Herren in der Regel in ein badisches Hotelzimmer zurück: »Da hat der Christian Wagner mir dann einen möglichst schlechten Plattenspieler hingestellt, und ich habe gehört, was er mir vor-ausgewählt hatte. Der hat gedacht, nur was auf diesem beschissenen Plattenspieler noch gut klingt, ist gut«. Mehr ansehen

Rodgaue Monotones: Oh! Ist das laut! (2018)

Rodgaue Monotones: Oh! Ist das laut! (2018)

40 Jahre Rodgau Monotones

Erschienen im Juni 2018 in den Badischen Neuesten Nachrichten

Foto Copyright: pr

1984 war’s, da produzierte der damalige Wolf Maahn-Schlagzeuger Jürgen Zöller eine hessische Chaoten-Kapelle im Studio. Musiker, Zufallsgäste, Freunde standen um die Mikrofone und sangen oder brüllten „Erbarme! Zu spät, die Hesse komme!“ Danach flog der Produzent in den Urlaub nach Barbados, kehrte nach ein paar Wochen zurück und staunte nicht schlecht, dass der Song mittlerweile zur Stadionhymne bei der Eintracht Frankfurt geworden war. Mehr ansehen

Satin Whale: Kein Krautrock, kein Karneval (2019)

Satin Whale: Kein Krautrock, kein Karneval (2019)

Progressives aus Köln

Foto-Copyright Michael Schmidt, Teldec-Bildarchiv, Musikverlag Günter B. Merkel

In den 70er-Jahren steckten vor allem englische Journalisten alles in die Schublade Krautrock, was aus Deutschland kam. Ob Can, Amon Düül, ob Birth Control und Triumvirat – mit musikalischen Kriterien hatte das wenig zu tun. Während die einen möglichst weit weg von den angloamerikanischen Vorbildern musizierten, suchten die anderen genau dort Inspiration. Zu denen gehörten die Kölner Satin Whale, die dennoch ihre ganz eigene musikalische Sprache entwickelten.Mehr ansehen

Schlagzeugmuseum Ludwigsburg (2014)

Schlagzeugmuseum Ludwigsburg (2014)

Das Eldorado der Drummer

Vor sechs Jahren habe ich das Schlagzeugmuseum in Ludwigsburg besucht. Ein ebenso magnetischer wie magischer Ort für Trommler, das Werk von Überzeugungstätern. Nach ein bisschen Facebook-Recherche weiss ich: Es existiert noch, dem Gott des Lärms un Marcel Vogelmann sei Dank. Deshalb hier noch einmal das Stückchen, das ich damals für das Südwestecho, die Baden-Württemberg-Seite der BNN geschrieben habe

Wilhelm Friedrich Ludwig war es, der 1909 dem Schlagzeug den richtigen Kick verliehen hat. Der Mann, damals Trommler in einem Orchester in Chicago, erfand die erste funktionierende Fussmaschine. Heute ist sie in einer Vitrine im Schlagzeugmuseum in Ludwigsburg ausgestellt. „Bill Ludwig, der Enkel des Firmengründers, hat gesagt: Das soll jetzt in Ludwigsburg wohnen“, erzählt Marcel Vogelmann. Er hat das in Deutschland einzigartige Museum 2011 in Ludwigsburg auf zwei Fabriketagen eingerichtet.Mehr ansehen

Sweet: Gar nicht mal so süß (2012)

Sweet: Gar nicht mal so süß (2012)

Von Bubblegum bis Metal

Die Story erschien erstmals 2012 im ROCKS

 

Für die einen waren The Sweet grell geschminkte Bubblegum-Poser, die musikalisch nicht viel draufhatten und als willfährige Marionetten des Songschreiberduos Chinn & Chapman vergängliches Radiofutter am Fließband raushauten. Die anderen drehten ihre Singles um und kauften die Langspielplatten, denn da tat sich eine musikalische Welt zwischen Deep Purple und Led Zeppelin auf. Swett Gitarrist Andy Scott hält Rückschau auf die beiden Seiten der Medaille

 

„Ich habe uns immer beschrieben als Kreuzung aus Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich und Led Zeppelin“ schmunzelt Andy Scott. Soviel zur Kurzfassung, damit schalten wir um zur Langfassung. Sommer 1970: Die Band Sweet – damals bestehend aus dem Sänger Brian Connolly, Bassist Steve Priest, Drummer Mick Tucker und Gitarrist Mick Stewart ist mit ihrem Latein am Ende: Ihre bisherigen Singles haben nicht den erhofften Durchbruch gebracht, Gitarrist Stewart wirft das Handtuch. In diesem Moment treten zwei aufstrebende junge Songschreiber auf den Plan: Nicky Chinn und Michael Chapman. Phil Wainman, Produzent der erfolglosen Singles, arrangiert ein Treffen, zur gleichen Zeit wird Andy Scott der neue Gitarrist der Band. Der erinnert sich: »Wainman hörte in Brians Stimme ein kommerzielles Potential. Ich glaube nicht, dass er in ihm einen Superstar sah, sondern eher eine Stimme, die man formen konnte. Er war nicht der Typ wie Robert Plant, der sagt: So singe ich, du kannst es mögen, oder es sein lassen«.Mehr ansehen

Tarja: Die Eiskönigin (2007)

Tarja: Die Eiskönigin (2007)

Kleine Frau mit Riesenstimme

Ich weiss nicht, warum, aber ich hatte eine skandinavische Walküre mit festem Schuhwerk und dämonischer Ausstrahlung erwartet, als ich Tarja Turunen in einem  kleine Hotel in der Karlsruher Karlstraße zum Interview traf, damals – 2007. Angetroffen habe ich eine mit blossem Auge kaum sichtbare, fast schon schüchterne Frau. Sehr sympathisch, und auf mich wirkte sie irgendwie sogar etwas unsicher. So, als wolle sie ständig fragen: “Meinst Du, ich schaffe das, mit meiner Solokarriere?” Hat sie es geschafft? Ich habe sie etwas aus den Augen verloren. Das jedenfalls stand damals in den BNN:

Tarja Turunen mit erster eigener CD „Winterstorm“

In diesem Fall trügt der erste Eindruck nicht: Schon das Cover signalisiert: Ganz großes Kino, Tarja Turunen sturmumtost. Das Cover sendet ein zweites Signal in seiner ganzen opernhaften Dramatik, und dieses Signal transportiert die Botschaft: „Vorsicht Konzeptalbum“. Mehr ansehen

Tubes, The: Wahnsinn mit Methode (2016)

Tubes, The: Wahnsinn mit Methode (2016)

Besser als Alice Cooper

Die Story ist erstmals erschienen im ROCKS Magazin, Ende 2016. Basis war ein Interview, das ich mit Fee Waybill am Nachmittag vor dem Konzert am 1. Oktober 2016 in der Fabrik Bruchsal führte. Wir trafen uns in einem kleinen, etwas abgewetzten Hotel mtten in der Stadt. Es war wieder einer der Termine, bei denen ich nicht so recht wusste, was auf mich zukommen würde. War dieser Waybill ein gefährlicher Verrückter? Ein eitler Selbstdarsteller? Ein arroganter Schnösel gar? Nichts von dem: Es erwartete mich ein Mann mit dezidierten Ansichten  über die amerikanische Politik, den “american way of life” – und einer Menge Sarkasmus und Humor in der Birne. Das Gespräch dauerte rund 90 Minuten, und hätte Fee dann nicht zum Soundcheck  aufbrechen müssen, es hätte noch bis in die Nachtstunden weitergen können.  Wahrscheinlich  hätte er mir dann auch noch seine aktuellen Blutdruckwerte verraten und den Kontostand seiner Frau…..

In den 70er-Jahren sind The Tubes berühmt-berüchtigt für ihre provokante Show. Sie stellen barbusige Damen auf die Bühne, spielen Bondage-Spielchen und machen sich über so ziemlich alles lustig, was dem Durchschnittsamerikaner heilig ist – ob Fastfood, Gameshows oder Patrioten: Ihr Sänger Fee Waybill zieht alles durch den Kakao. Dazu gibt es reichlich schräge Musik – die sich erst in den 80er-Jahren mit Hits wie ›I’ll talk To You Later‹ oder ›She`s A Beauty‹ dem Mainstream nähert.Mehr ansehen